Zutraulich: Den Senner Pferden können die Kinder recht nah kommen. Dank der Ausführungen von Frank Ahnfeldt lernen sie viel über die älteste Pferderasse Deutschlands. Fotos: Knut Dinter - © Knut Dinter
Zutraulich: Den Senner Pferden können die Kinder recht nah kommen. Dank der Ausführungen von Frank Ahnfeldt lernen sie viel über die älteste Pferderasse Deutschlands. Fotos: Knut Dinter | © Knut Dinter

Schloß Holte-Stukenbrock Kinder lieben die Senner Pferde

Aktionsnachmittag: Stadtmarketing und Kreisfamilienzentrum begeistern mit Hilfe des Biologen Frank Ahnfeldt Jungen und Mädchen für die Natur

Schloß Holte-Stukenbrock. Drei Stunden lang bei sommerlicher Wärme durch den Wald zu gehen, halten Kinder oft für eine Zumutung. Ganz anders empfanden das die 19 Mädchen und Jungen, die beim gestrigen Kinder-Aktions-Nachmittag des Stadtmarketings und des Kreisfamilienzentrums rund um das Naturschutzgebiet „Moosheide“ wanderten. Sie hätten den Erklärungen von Frank Ahnfeldt von der Biologischen Station Senne gern noch länger zugehört. „Igitt, da ist ja eine Spinne!“, rief Finja (3), als sie das Insekt auf der Hose des Biologen entdeckte. „Na und, das sind doch liebe Tiere“, erwiderte er, um den Kindern die Furcht zu nehmen. Auch sie seien wichtig, erklärte er ihnen. „Wenn es ganz viele kleine Tiere gibt, können auch die großen besser leben.“ Während der Rundwanderung über den Emserlebnisweg A5 nutzte Ahnfeldt so manche Gelegenheit, um Pflanzen und Tiere des Waldes zu erklären. Hier wies er auf einen strahlend-grünen Rüsselkäfer hin, dort hob er einen blau schimmernden Mistkäfer vom Boden auf, um ihn den Kindern zu zeigen. „Trotz seines Namens ist er ganz wichtig, denn er schafft es ganz schnell, den Kot von Wildtieren zu entsorgen. Sonst hätten wir ein Hygiene-Problem“, erläuterte er. „Das ist wie eine Lebensversicherung“ Unterwegs begegnete die Gruppe mehreren Ameisenhaufen, die mit Draht geschützt waren. Das sei sicher gut gemeint, sagte Ahnfeldt. Gleichzeitig werde aber dem Specht eine Nahrungsquelle entzogen. Er wünschte sich ohnehin mehr Verständnis für die Zusammenhänge in der Natur. So solltenFelder und Weiden nicht vollkommen abgemäht werden. Am Rand könnte doch Blühstreifen stehenbleiben, um den Schmetterlingen und Bienen eine Überlebenschance zu sichern. Die meisten Kinder waren vor allem wegen der Senner Pferde mitgekommen, die unterwegs zu sehen sein sollten. „Ich habe hier noch nie welche gesehen“, sagte Elisa (8). Auch Mareike (9) meinte: „Ich war schon ganz oft hier, habe aber auch noch keine entdeckt.“ Vorsorglich dämpfte Ahnfeldt die Erwartungen: „Ich kann nicht versprechen, ob die Pferde auch an den Zaun kommen.“ Als er dann händeklatschend auf die Tiere zuging, folgten sie ihm dann doch willig nach. Aus nächster Nähe konnte die Gruppe das älteste Pferd, die Stute Maia, ihr einjähriges Fohlen Warantus und weitere beobachten. Auch wenn sie im Wald leben und keine Hufeisen tragen, seien es keine Wildpferde, betonte Ahnfeldt. Da die Tiere bereits 1180 erwähnt wurden, gelten sie als älteste Pferderasse Deutschlands. Insgesamt gebe es nur noch 55 bis 60 Exemplare, davon acht in der Moosheide. Just in diesem Moment erreichte Ahnfeldt die Nachricht, dass zwei Stuten erfolgreich besamt werden konnten und im kommenden Jahr mit Nachwuchs zu rechnen sei. Kurz vor dem Ende der Wanderung entdeckten die Kinder eine Zauneidechse. „Es ist ein Weibchen, vielleicht drei oder vier Jahre alt“, sagte Ahnfeldt nach kurzem Blick. Beim Versuch, sie aufzuheben, warf das Tier seinen Schwanz ab. „Das ist wie eine Lebensversicherung“, meinte der Biologe. „Das Ende zuckt weiterhin; damit werden Fressfeinde verwirrt und die Eidechse kann entkommen.“ Wilma (8) sicherte sich gleich das schuppige Schwanzstück als Mitbringsel. Ihre Freundin Marie (8) beneidete sie regelrecht darum und fragte „Wenn ich heute Abend bei Dir übernachte, kann ich es dann auch mal haben?“ Der nächste Kinder-Aktions-Nachmittag findet am Mittwoch, 27. Juni, statt. Das Thema lautet dann: „Frische Marmelade kochen“.

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