Noch ist es weitgehend grün: Marion und Ralf Schmidt (v. l.) sind aus Hövelriege zum Hof von Birgit und Mark Grünke gekommen. Dort sprechen sie mit Politiker André Kuper und weiteren Anwohnern über die Zukunft des Gebietes. Dort soll ein Gewerbe- und Industriegebiet entstehen. - © Sigurd Gringel
Noch ist es weitgehend grün: Marion und Ralf Schmidt (v. l.) sind aus Hövelriege zum Hof von Birgit und Mark Grünke gekommen. Dort sprechen sie mit Politiker André Kuper und weiteren Anwohnern über die Zukunft des Gebietes. Dort soll ein Gewerbe- und Industriegebiet entstehen. | © Sigurd Gringel

Schloß Holte-Stukenbrock Protestler empfangen Politiker André Kuper

Gewerbepark Senne:Anwohner wehren sich weiterhin gegen das Gewerbe- und Industriegebiet in Stukenbrock-Senne. Der Landtagspräsident André Kuper hört ihnen zu – ist aber machtlos.

Sigurd Gringel
08.05.2018 | Stand 07.05.2018, 21:54 Uhr

Schloß Holte-Stukenbrock. Das Gewerbe- und Industriegebiet in Stukenbrock-Senne bleibt umstritten. Die Anwohner hoffen weiterhin, dass sie die Planung vereiteln können. Sie wollen ihren Protest aufrecht erhalten und auch ihre Grundstücke nicht verkaufen. Das bekräftigten sie jetzt bei einem Ortstermin mit dem Landtagspräsidenten André Kuper. Der machte klar, dass er zwar nicht zuständig sei, aber Bürgern zuhören, das wolle er auf jeden Fall. Und er gab ihnen hilfreiche Tipps. Vor fast genau einem Jahr haben die Anwohner in Stukenbrock-Senne ihren Protest mit Schildern mit der Aufschrift „Industriegebiet Stukenbrock-Senne – hier nicht" öffentlich gemacht. Das Schild auf dem Grundstück der Campingplatzbetreiberin Annette Auster-Müller fehlt mittlerweile. „Ich habe es keineswegs abgebaut, der Sturm hat es zerstört", erklärt sie. In der Einfahrt zum Hof Grünke hängt unter dem Protestplakat ein Kasten mit Aufklebern. Mark Grünke hatte den Landtagspräsidenten „einfach mal angeschrieben", weil der vor der Landtagswahl in Stukenbrock-Senne für sich geworben hatte und sich auch für die Gedenkstätte Stalag 326 starkmacht (siehe Bericht unten). „Wir wollen uns Gehör verschaffen", sagt Mark Grünke. Und André Kuper nahm sich eine Dreiviertelstunde Zeit, fuhr sogar mit Annette Auster-Müller zum Campingplatz. Allerdings machte er deutlich, dass die Landesregierung nicht zuständig sei, die Planungshoheit liege bei der Kommune, und überhaupt sei er nicht in seiner Funktion als Landtagspräsident hier, sondern als Abgeordneter des Wahlkreises Gütersloh-Süd. Die Anwohner schilderten ihm das Problem: Das 53 Hektar große interkommunale Gewerbe- und Industriegebiet (zusammen mit Hövelhof und Augustdorf) soll zwischen zwei Schutzgebieten entstehen. Im Norden grenzt ein Fauna-und-Flora-Habitat (FFH) an, im Süden das Naturschutzgebiet Moosheide. Sechs Anwohner wollen ihre Grundstücke nicht verkaufen, das entspricht etwa 19 Hektar. Ohne Industrie keine Genehmigung In erster Linie wehren sich die Anwohner gegen mögliche Industriebetriebe, doch das Gebiet ist als Gewerbe- und Industriegebiet genehmigt. Beide Komponenten müssen umgesetzt werden, ein reines Gewerbegebiet widerspreche der Genehmigung, das bestätigte Stadtentwickler Werner Thorwesten auf Anfrage. Die Anwohner würden nicht nur ihre Freiflächen verkaufen, sie müssten auch umgesiedelt werden, weil dann Wohnen nur in Ausnahmefällen erlaubt sei, zum Beispiel als Betriebswohnung. „Das würde sich anbieten", sagt Thorwesten zur Umsiedlung. Annette Auster-Müller machte auf Nachteile für den Tourismus aufmerksam, sollte der Gewerbepark verwirklicht werden, Mark Grünke warnte vor Emissionen und Marion Schmidt aus Hövelriege fand, dass es in der Region schon genügend Industrie gebe. Statt Gewerbe und Industrie würden Bauplätze für Familien benötigt. Mittlerweile ist die Gewerbepark Senne GmbH gegründet worden, die sich derzeit um den Grundstückserwerb kümmert. Mit den Protestbürgern habe aber seit Monaten niemand gesprochen, sagen sie. Und wenn die Protestler standhaft bleiben, „bleibt nur noch ein Fitzel übrig, der die Planung hinfällig macht", darauf hofft Mark Grünke. Daran glaubt Werner Thorwesten nicht. „Die Menschen meinen, dass sie es verhindern können." Seiner Ansicht nach wird der Gewerbepark trotz des Protestes verwirklicht, davon ist er überzeugt. Und er glaubt auch, dass die Bewohner verkaufen, insbesondere, „wenn rundherum alles verkauft ist". Das kann sich Annette Auster-Müller nicht vorstellen. Sie betreibt den geerbten Campingplatz am Furlbach mit Herzblut. „Ich hätte ihn auch verkaufen und mir dafür eine Villa auf Mallorca kaufen können", sagt sie. Aber sie will für die Region arbeiten. André Kuper empfahl den Bürgern, jeweils einzelne Stellungnahmen in das Verfahren einzubringen, in denen Details für jeden Grundbesitz beschrieben werden. Birgit Grünke hatte nichts Konkreteres erwartet. Aber: „Schön, dass wir nicht vergessen und einmal gehört werden."

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