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Christel Kuch (Leiterin Gesamtschule SHS) und ihre Stellvertreterin Daniela Hartmann am Standort Jahnstraße, in den Händen halten sie ein T-Shirt mit dem Logo der Gesamtschule. - © Birgit Guhlke
Christel Kuch (Leiterin Gesamtschule SHS) und ihre Stellvertreterin Daniela Hartmann am Standort Jahnstraße, in den Händen halten sie ein T-Shirt mit dem Logo der Gesamtschule. | © Birgit Guhlke

Schloß Holte-Stukenbrock Die Gesamtschule wächst

Unterricht:Wie Lehrer, Schüler und Eltern mit dem geteilten Betrieb umgehen. Warum einige Lehramtsanwärter die neue Schule attraktiv finden – und andere nicht

Birgit Guhlke
10.03.2018 | Stand 09.03.2018, 17:46 Uhr

Schloß Holte-Stukenbrock. Seit diesem Schuljahr läuft der Unterricht der neuen Gesamtschule an beiden Standorten. Die Schüler des ersten achten Jahrgangs werden seit Sommer am Standort Am Hallenbad im Gebäude der auslaufenden Realschule unterrichtet, die Fünft- bis Siebtklässler weiterhin am Standort Jahnstraße, den sie sich mit Schülern und Lehrern der auslaufenden Lisa-Tetzner-Schule teilen. Das ist eine Sondersituation in der Schullandschaft – und erfordert mitunter Geduld, ein gutes Händchen und die Fähigkeit, auch für bis dato unbekannte Probleme Lösungen zu finden. Die Lokalredaktion hat nachgefragt. Schulleiterin Christel Kuch und ihre Stellvertreterin Daniela Hartmann erklären, was gut läuft, wo es noch hakt und wie sie und ihre Kollegen sich mit Fahrzeiten und Planung sowie Unterricht an zwei Standorten arrangieren – und was die Schüler selbst dazu sagen. Auch die Elternpflegschaftsvorsitzende Denise Pfeifer-Hachmann bewertet die Situation. Aus Sicht der Schulleitung laufe vieles gut, nicht alles aber so, wie es der Sprecher der CDU-Mehrheitsfraktion, Jürgen Gärtner, anlässlich der Verabschiedung des städtischen Haushalts formuliert hatte: „Die Beschulung dieser Schulform an zwei Standorten im Stadtgebiet hat sich als richtig und schulfreundlich und somit als völlig bedenkenlos herausgestellt.“ LEHRER Bei der Technik hakt es mitunter. An beiden Standorten gibt es sogenannte digitale schwarze Bretter für das Kollegium im jeweiligen Lehrerzimmer sowie für die Schüler. Es sind Bildschirme, auf denen aktuelle Informationen, Hinweise, Stunden- und Vertretungspläne gezeigt werden können. So soll gesichert werden, dass alle, egal an welchem Standort sie lernen oder lehren, dieselben Informationen bekommen können. „Für einige Dinge hat man ja nur wenig Zeit“, erklärt Daniela Hartmann. Dann muss das auch sofort klappen. Beispiel Krankmeldung eines Lehrers – die Schüler müssen informiert werden und der Vertretungslehrer. Sollte er oder sie deshalb noch von der Jahnstraße ans Hallenbad fahren müssen, muss das möglichst rasch geklärt werden können. Nur zwei Lehrer sind derzeit fest am Standort am Hallenbad, rund 15 der insgesamt 41 Lehrkräfte pendeln zwischen beiden Gebäuden hin und her. Sobald immer mehr Jahrgänge nachrücken, werde sich das verändern. Auch das Kollegium wächst noch, bis zu 100 Lehrer wird es zählen, wenn die Schule erstmals 13 Jahrgänge hat. Bei Neueinstellungen für das Kollegium konkurriere die Gesamtschule immer auch mit Einstandortschulen, für einige Bewerber kommen nur diese in Frage und sie entscheiden sich gegen die Schule in SHS. Andere reize die Aussicht, in einem neuen Team, an einer neuen Schule etwas aufbauen zu können. Wegen der Sondersituation – Schule im Aufbau und auslaufende Schulen – gebe es besondere Herausforderungen bei der Stundenplangestaltung, erklärt Daniela Hartmann. Die Pläne und Bedürfnisse von bis zu fünf Schulen müssten sie dabei berücksichtigen. Weil Lehrer teilweise noch an anderen Schulen arbeiten oder die Fachraumbelegung mit der Lisa-Tetzner- und der Realschule abgestimmt werden müsse. Das Team sei toll, die Zusammenarbeit laufe sehr gut. „Es macht Spaß.“ Ein Wunsch haben die beiden noch: Dass die Stelle der Schulsozialarbeiterin, die sich die Gesamtschule derzeit mit der LTS teilt, auf eine volle Stelle aufgestockt wird. Dabei geht es um den Bereich „Übergang Schule-Beruf“. SCHÜLER Laut Einschätzung von Denise Pfeifer-Hachmann „sind die Schüler zufrieden“ und fühlten sich an ihrer Gesamtschule sehr wohl. Sie selbst hat zwei Kinder an der Schule, die Tochter gehört zum ersten achten Jahrgang, der Sohn geht in die sechste Klasse. Dass die Achtklässler nun an einem anderen Standort Unterricht haben, sei für sie „wie ein Aufstieg“, jetzt sind sie die Großen. Dass die Jüngeren am Standort Jahnstraße unter sich bleiben, sieht die Mutter als Vorteil. So kämen die Kinder von der Grundschule nicht sofort in „ein größeres System“. Die Kinder seien „gut angekommen“, bestätigen auch die Lehrerinnen. Die Sondersituation sei kaum Thema, „Schüler sind da viel flexibler als mancher Erwachsener“. Und für die Schüler sei es „immer noch eine Schule, zwar mit zwei Gebäuden, aber sie kennen es ja auch nicht anders“, sagt Daniela Hartmann. Angebote – teils auch schulübergreifend – wie Schulsanitäter, Sporthelfer oder Kunstprojekt sollen den Zusammenhalt fördern. Und es gebe immer mal wieder Veranstaltungen an beiden Standorten für alle. Die Schülervertretung tagt noch an der Jahnstraße, der Termin berücksichtige immer auch die Fahr- oder Laufzeit der Schüler, die am Hallenbad Unterricht haben. ELTERN „Wenn ein Problem auftaucht, versucht die Schule es zu lösen“, sagt die Elternpflegschaftsvorsitzende Denise Pfeifer-Hachmann. „Und das finde ich gut.“ Dass noch nicht alles fertig ist, liege in der Natur der Sache. Den Ausbau der Schule am Standort Hallenbad, der Neubau der Mensa, die als Multifunktionsraum für die Schüler auch Pausen- und Veranstaltungsraum sein soll, erwarteten alle mit Spannung – und Freude. Starten soll er im Sommer. Die Essensausgabe in der Mensa des Gymnasiums sei ja für die Gesamtschüler nur übergangsweise, der Bau einer eigenen Mensa, eines eigenen Forums „ist richtig und wichtig“. An drei Tagen in der Woche gibt es an der Gesamtschule auch nachmittags Unterricht, außer dienstags und freitags. Die Jugendlichen, so ihr Eindruck machten das Beste aus der Situation. Wer mittags rüber zum Gymnasium geht, habe auch eine Möglichkeit, sich mit Freunden oder Nachbarskindern zu treffen, die zu der anderen Schule gehen. Der Unterricht laufe planmäßig, Kritik von anderen Eltern ist ihr nicht bekannt – und ihren Kindern gehe es gut. Das sei doch das Wichtigste.

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