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Ja oder Nein? Bruno Schmidt (2. v. l.) argumentiert gegen eine Neuauflage der Schwarz-Roten-Koalition. Heinz-Wilhelm Tzschentke (v. l.), Gottfried Kleines und Inge Knoll hören zu. - © Foto: Kristoffer Fillies
Ja oder Nein? Bruno Schmidt (2. v. l.) argumentiert gegen eine Neuauflage der Schwarz-Roten-Koalition. Heinz-Wilhelm Tzschentke (v. l.), Gottfried Kleines und Inge Knoll hören zu. | © Foto: Kristoffer Fillies

Schloß Holte-Stukenbrock SPD uneinig über Große Koaltion

Diskussion: Deutschland sucht eine neue Regierung. Die Sozialdemokraten sind am Zug und entscheiden über den Eintritt in Koalitionsgespräche mit der Union. Die hiesigen Mitglieder sind gespalten

Kristoffer Fillies
18.01.2018 | Stand 18.01.2018, 11:49 Uhr

Schloß Holte-Stukenbrock. Gottfried Kleines bringt es auf den Punkt: „Ich bin in der Frage so zerrissen, wie es die ganze Partei derzeit ist.“ Es geht um die Frage: Sollen die Sozialdemokraten nach den Sondierungen mit der CDU und CSU den Weg zu Koalitionsgesprächen gehen und möglicherweise die Schwarz-Rote-Koalition fortführen? Die SPD-Arbeitsgemeinschaft (AG)„60-Plus“ von Schloß Holte-Stukenbrock diskutierte darüber jetzt im Holter Schloßkrug – überaus kontrovers. Marion Herzog, Vorsitzende des SPD-Ortsvereins, ist gegen eine Fortsetzung des Bündnisses aus Union und Sozialdemokraten. Ihr Statement dazu las Friedrich Dransfeld den anwesenden Mitgliedern der AG vor. Die SPD müsse sich grundsätzlich erneuern, das ginge in einer Regierungskoalition nicht. Dass die Partei neue Führungspersonen braucht, findet auch Bruno Schmidt. „Wir müssen unsere Politik ändern. Neue Köpfe, neues Programm. Sonst sehe ich die SPD bei der nächsten Wahl unter 20 Prozent.“ Die Sozialdemokraten hatten bei der Bundestagswahl 2017 mit 20,5 Prozent der Stimmen das schlechteste Ergebnis seit Bestehen der Bundesrepublik (1949) eingefahren. „Der richtige Weg für die SPD ist jetzt der in die Opposition“, sagt Schmidt. „Was soll der Wähler von der Entscheidung halten ?“ Auch Heinz-Wilhelm Tzschentke, stellvertretender Bürgermeister der Stadt, ist gegen eine Neuauflage der Koalition. „Noch am selben Tag der Bundestagswahl hieß es, wir gehen in die Opposition.“ Das sei zu schnell gewesen, eigentlich hätte man eine Nacht darüber schlafen sollen. „Jetzt aber zu sagen, eine Weiterführung der Koalition wäre toll, finde ich nicht richtig. Was soll der Wähler davon halten?“ Würde die SPD mitmachen, sieht er die Gefahr, dass sich die Partei spalten könnte. „Und die Sondierungspapiere sind für mich noch nicht der Weisheit letzter Schluss“, sagt Tzschentke. „Ich bin derzeit nicht dafür, dass es zu Verhandlungen kommt.“ Aloys Hasken sieht das anders: „Es ist ein Dilemma. Für die Partei ist es nicht gut. Wenn ich aber an unser Land denke, dann sind Koalitionsgespräche die richtige Entscheidung.“ Friedrich Dransfeld findet, die 28 Seiten Sondierungspapier hätten einiges an SPD-Forderungen drin. „Es gibt für mich derzeit keine bessere Alternative als die Große Koalition.“ Die Diskussionsergebnisse wird Friedrich Dransfeld dem heimischen Bundestagsabgeordneten Burkhard Blienert zukommen lassen. Blienert ist einer der 600 Delegierten, die auf dem Parteitag am Sonntag darüber entscheiden werden, ob die SPD in Koalitionsverhandlungen mit der Union eintreten soll (siehe Infokasten). Auf der Neujahrsveranstaltung der SPD-Paderborn sagte Blienert am Wochenende, dass nach Jahren der Koalition das Vertrauen in die Christdemokraten aufgebraucht sei. Wie die Neue Westfälische berichtete, sagte er zur möglichen Koalition: „Mein Bauch sagt mir eigentlich: Nein.“

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