Belohnung verdient: Leonberger Flocke gehorcht und bekommt ein Leckerchen von Trainerin Ulrike Keller (l.) - © Foto: Jan Ahlers
Belohnung verdient: Leonberger Flocke gehorcht und bekommt ein Leckerchen von Trainerin Ulrike Keller (l.) | © Foto: Jan Ahlers

Schloß Holte-Stukenbrock Viele Hundeschulen arbeiten mit Welpen gewaltfrei

Früher wurde das beliebte Haustier noch mit handfesten Methoden wie dem Leinenruck erzogen. Heute sind auch auf den Trainingswiesen pädagogische Konzepte für die Vierbeinern gefragt

Jan Ahlers

Schloß Holte-Stukenbrock. „Sitz!", „Platz!", „Aus!" Natürlich werden Welpen und Junghunde auch auf die klassischen Gehorsamsbefehle konditioniert. „Aber eine moderne Hundeschule muss viel mehr als das leisten", sagt Ulrike Keller. Und zeigt daraufhin an praktischen Beispielen, wie moderne Hundeerziehung aussehen kann. Ein Hund als Haustier ist nach wie vor beliebt. Acht bis neun Millionen der Vierbeiner gibt es in Deutschland, nur die Katze toppt das mit fast zwölf Millionen Tieren. Die besitzt jedoch in der Regel ihren eigenen Willen, lebt als Einzelgänger und daher eigenständig. Anders sieht das bei Labrador, Beagle und Co. aus. Hundeschulen helfen vielen Besitzern schon im Welpenalter, die Beziehung zu ihrem tierischen Mitbewohner zu verbessern. Zwei Hundeschulen gibt es in Schloß Holte-Stukenbrock. Ulrike Keller betreibt die Schule „Best Friends" an Standorten in Asemissen und Stukenbrock. Heike und Lars Kleinhans führen ihre Trainingsstätte mit Zertifizierung des bekannten Hundetrainers Martin Rütter. Knapp 100 davon gibt es in Deutschland. Sie betonen eine gewaltfreie Erziehung, die individuelle Bedürfnisse des Hundes berücksichtigt. Es gibt ein spezielles Training für Giftköderfunde „Jede moderne Hundeschule sollte auf Gewalt verzichten", sagt Keller. Sie bietet wie das Ehepaar Kleinhans tägliche Kurse an. Zum Welpentraining sollen eigentlich fünf Hunde kommen, doch Peter Bansmanns 14 Wochen alter Labrador Balu fehlt. Er hat Giardien, Parasiten im Dünndarm – eine ansteckende Krankheit. Seinen ersten, mittlerweile verstorbenen Hund hatte Bansmann von einer Hundenothilfe adoptiert und anschließend selbst erzogen. Balu bekommt nun professionelle Betreuung. „Die Bindung zu Balu ist eine völlig andere", sagt Bansmann erfreut. So lerne sein Hund aktuell, die eigene Kraft beim spielerischen Schnappen besser zu dosieren. Als Lars Kleinhans die Lehrstunde für Junghunde eröffnet, sind nur zwei von sechs angemeldeten Hunden samt Besitzern eingetrudelt. Die spärliche Resonanz ist auf eine parallele Spielansetzung von Fußball-Zweitligist Arminia Bielefeld zurückzuführen. English Setter Lucky und Bernhardiner Luna stört die ungeteilte Aufmerksamkeit kaum, sie jagen eine Runde über das Grün. Dann wird es ernst, Giftköder-Training steht auf dem Programm. Kleinhans verteilt Futter auf fünf Frisbeescheiben. Der Hund soll das Lockmittel nicht fressen, sondern sich hinsetzen und dem Herrchen seinen Fund anzeigen. „Diese Übung ist uns besonders wichtig", sagen Britta und Frank Weber mit trauriger Miene. Sie haben ihren ersten Hund vor wenigen Monaten verloren, weil Unbekannte Gift im Park ausgelegt hatten. Luna soll dieses Schicksal auf keinen Fall ereilen. "Wir wollten anderen Hundebesitzern helfen" Keller bietet ein solches Training ebenfalls an. Zum Repertoire der Schulen gehört zusätzlich das Antrainieren von markanten Umweltgeräuschen wie einem Gewehrschuss oder einer Hupe. Auch gilt es, den je nach Rasse unterschiedlich stark ausgeprägten Jagdtrieb nach allem Beweglichen einzudämmen. Sofortige Erfolge kann Keller nicht garantieren, stattdessen rät sie zur Geduld. „Bis ein junger Hund eine Übung vollständig erlernt, benötigt es 4.000 bis 4.500 Wiederholungen." Hundetraining sei eben immer auch Menschentraining. Beweist das Herrchen keine Disziplin, kann es dem Tier kein Vorbild sein. Früher habe sich jeder Hundelehrer nennen können, „und es wurde viel mit Leinenruck und anderen harten Methoden gearbeitet", sagt Kleinhans. Seit 2014 benötigt, wer gewerbsmäßig eine Hundeschule eröffnen will, einen Sachkundenachweis. „Dafür ist eine etwa einjährige Vorbereitung erforderlich", sagt Keller, die schon seit 20 Jahren Hunde erzieht. Das Ehepaar Kleinhans wählte hingegen den Quereinstieg: Heike studierte VWL, Lars arbeitete als Projektleiter in einer Tischlerei. Lars Kleinhans erinnert sich: „Wir sind über unser eigenes Tier zum Wunsch gekommen, anderen Hundebesitzern zu helfen." Knapp fünf Jahre ist das her. Schwarze Schafe unter den Schulen, die mit nicht tierschutzgerechten Mitteln wie Stachelhalsbändern arbeiten, gebe es dennoch, sagt Keller. Sozialisiert werden können junge Hunde auf diese Art und Weise kaum. „Dabei haben wir es heute fast ausschließlich mit Familienhunden zu tun", sagt die Trainerin, während die Vierbeiner erschöpft im Gras liegen. 45 bis maximal 60 Minuten sollte eine Einheit dauern, meint die Expertin. „Für mehr reicht die Konzentration nicht. Die Hunde sind schließlich Kinder."

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