Wie im echten Wahllokal: Das Wahlhelferteam mit Franka Fockel (sitzend v. l.), Isabel Schaumann und Charlotte Rosenkranz gibt Stimmzettel an Niklas Pähler (stehend v. r.), Pauline Glomb, Carolin Kern und Ylli Beqiri aus und hakt die Namen in der Wählerliste ab. Lehrerin Antje Volbert hat das Projekt koordiniert. Fotos: Birgit Guhlke - © Birgit Guhlke
Wie im echten Wahllokal: Das Wahlhelferteam mit Franka Fockel (sitzend v. l.), Isabel Schaumann und Charlotte Rosenkranz gibt Stimmzettel an Niklas Pähler (stehend v. r.), Pauline Glomb, Carolin Kern und Ylli Beqiri aus und hakt die Namen in der Wählerliste ab. Lehrerin Antje Volbert hat das Projekt koordiniert. Fotos: Birgit Guhlke | © Birgit Guhlke

Schloß Holte-Stukenbrock Vor der Bundestagswahl: Schüler im Gymnasium stimmen ab

Gymnasium macht erstmals bei einem vom Verein „Kumulus“ entwickelten Projekt zur politischen Bildung mit. Das Wahlergebnis wird am Sonntag nach Schließung der Wahllokale veröffentlicht.

Birgit Guhlke

Schloß Holte-Stukenbrock. Der Stimmzettel ist nur etwa halb so groß wie der Wahlzettel, mit dem die Bürger am Sonntag über die neue Zusammensetzung des nächsten Bundestags entscheiden können. Parteien und Direktkandidaten, die im Wahlkreis 137 auch für Schloß Holte-Stukenbrock antreten, sind identisch. Am Dienstag haben Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums dank eines Projekts des Vereins „Kumulus" eine echte Wahl simulieren können. Die Ergebnisse werden erst am Wahlsonntag veröffentlicht, die Wahlbeteiligung ist bereits bekannt. Sie ließe Demokraten jubeln. In einem Klassenraum sitzen Franka Fockel, Isabel Schaumann und Charlotte Rosenkranz als Wahlhelfer, händigen Stimmzettel aus, machen einen Haken in der Liste der Wahlberechtigten, wenn sie den Stimmzettel ausgegeben haben. Niklas Pähler nimmt sich seinen, setzt sich an einen Tisch mit Sichtschutz. Sein Stimmzettel ist kleiner als der echte, Verwechslungen oder Täuschungsversuche sind damit ausgeschlossen. Er faltet ihn zweimal und steckt ihn in die Wahlurne. Warum wählen, wie wählen, was wählen Seit Schuljahresbeginn haben sich die Schüler aus den Politik- und Sozialwissenschaftskursen der Jahrgänge 9 bis Q2 (12. Jahrgang), also 14- bis 18-Jährige, mit dem Thema „Bundestagswahl" beschäftigt. Es ging um die Fragen, „warum wählen, wie wählen, was wählen", erklärt Lehrerin Antje Volbert, die am Gymnasium als Koordinatorin für die Gesellschaftswissenschaften zuständig ist. Zum ersten Mal habe die Schule das Konzept des Vereins „Kumulus" übernommen, der seit 1999 Material und Unterlagen für die sogenannte Juniorwahl zur Verfügung stellt. Bis zum schulinternen Wahltag haben die insgesamt 363 Juniorwahl-Berechtigten in den Fächern Politik und Sozialwissenschaften über Konzepte der zur Wahl zugelassenen Parteien diskutiert, sich angeschaut, was in deren Parteiprogrammen steht, sich mit der Online-Wahlhilfe „Wahl-O-Mat" befasst, den Direktkandidaten ihres Wahlkreises Fragen zukommen lassen. "Es betrifft ja auch uns" Von CDU-Bundestagskandidat Carsten Linnemann wollten sie beispielsweise wissen, wie er das denn gemeint habe, dass er sich „für die regionalen Interessen" einsetzen wolle, erklärt Antje Volbert. Linnemann habe per Mail geantwortet, sehr nett – und auf das Wahlprogramm der CDU verwiesen. Mit ihren Fragen sollten die Schüler aber ruhig zu ihm kommen, habe er noch geschrieben und auf seinen Ortstermin am Dienstagnachmittag im Bürgerpark verwiesen. „Einige wollen da auch hingehen", sagt Antje Volbert. Charlotte Rosenkranz findet das Projekt gut. Die Vorbereitung auf die Wahl, die Erklärung des Verfahrens, die Unterstützung dabei, sich über die Programme der Parteien zu informieren. „Es betrifft ja auch uns", sagt sie – und meint Themen rund um Schule, Bildungs- oder auch Flüchtlingspolitik. „Soziale Gerechtigkeit war vielen sehr wichtig", ergänzt Lehrerin Antje Volbert. "Mir war wichtig, dass nichts Rechtsextremes dabei ist" Charlotte Rosenkranz wird noch deutlicher: „Mir war wichtig, dass nichts Rechtsextremes dabei ist." Sie und ihre Mitstreiterinnen im Wahlhelferteam wissen aber auch, dass sich einige bei der Stimmabgabe einen Spaß machen und eher den Kleinstparteien ihre Stimmen geben wollten. 298 Schülerinnen und Schüler haben ihr Wahlrecht genutzt. Das entspricht einer Wahlbeteiligung von 82,1 Prozent, wie Antje Volbert bekanntgegeben hat. Das ergibt in jedem Fall ein demokratisches Ergebnis.

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