Spontan: Jugendliche des Antifa-Camps haben ein Lied einstudiert, das sie am Obelisken singen. Auch die "Moorsoldaten" sind zu hören. - © Karin Prignitz
Spontan: Jugendliche des Antifa-Camps haben ein Lied einstudiert, das sie am Obelisken singen. Auch die "Moorsoldaten" sind zu hören. | © Karin Prignitz

Schloß Holte-Stukenbrock 50 Jahre Gedenken des Arbeitskreises "Blumen für Stukenbrock"

Auf dem Sowjetischen Ehrenfriedhof gedenken mehr als 400 Menschen der Kriegstoten. Hauptredner Ulrich Schneider mahnt, die Sicherheitsinteressen Russlands ernst zu nehmen

Schloß Holte-Stukenbrock. Kaum waren die vielen Kränze am Fuße des Obelisken auf dem russischen Soldatenfriedhof niedergelegt, da öffnete der Himmel seine Schleusen für einen kurzen heftigen Moment. "Dieser Regen war kein Regen", glaubte Evgeni Aleshin, "das waren die Tränen der Kriegsgefangenen." Der russische Botschafter gehörte zu den mehr als 400 Menschen, die gekommen waren, um an der Gedenkveranstaltung "Blumen für Stukenbrock" teilzunehmen, "um ein wichtiges Zeichen des Friedens und der Versöhnung zu setzen". Vor 50 Jahren starteten die Gedenkveranstaltungen dieses Arbeitskreises. Evgeni Aleskin mahnte, den Weg der Versöhnung beständig weiterzugehen. "Für Vergessen und Gleichgültigkeit darf es keinen Platz geben." Als Hauptredner der Jubiläumsveranstaltung hatte der Arbeitskreis "Blumen für Stukenbrock" Ulrich Schneider, den Generalsekretär der Internationalen Föderation der Widerstandskämpfer (FIR) Bund der Antifaschisten, gewinnen können. "50 Jahre Blumen für Stukenbrock ist für uns ein beeindruckendes Beispiel für Kontinuität geschichtspolitischer Erinnerungsarbeit", sagte Schneider, der die Fahne der FIR während der Kranzniederlegung hochgehalten hatte. In der Zeit vor einem halben Jahrhundert habe sich eine Mehrheit der Gesellschaft aufgemacht, "die Schützengräben des Kalten Krieges zu verlassen". Die Sowjetunion sei nicht mehr das allseits geteilte Feinbild gewesen. "Angesichts der sich erneut verschärfenden Spannungen zwischen Russland und Europa" verwies Ulrich Schneider darauf, "wie es der Friedensbewegung gelungen ist, politische Blockaden zu überwinden". Damals hätten zwei Faktoren einer realistischeren Haltung im Wege gestanden. Zum einen die geopolitischen Folgen des Zweiten Weltkrieges, "die von einem nicht unerheblichen Teil der politischen Elite unseres Landes nicht anerkannt wurden". Zum anderen die Anerkennung der geschichtspolitischen Verantwortung für die Verbrechen, die von der deutschen Wehrmacht und den anderen Einheiten im Zweiten Weltkrieg - insbesondere im Krieg gegen die Sowjetunion - begangen worden seien. "Hier hat die Erinnerungsarbeit in Stukenbrock ein großes Gewicht für die Bereitschaft zur Anerkennung der Verantwortung", betonte Schneider. Permanente Aufrüstung sowie militärische und wirtschaftliche Sanktionen hätten einen neuen kalten Krieg ausgelöst. Die berechtigten Sicherheitsinteressen Russlands ernst zu nehmen, "daran kommt keine Bundesregierung vorbei", betonte Schneider. "Wir dürfen diesem Land nicht in dem Maße auf die Pelle rücken, dass es sich zu Gegenmaßnahmen veranlasst sieht." In Erinnerung an die 65.000 in Stukenbrock vergrabenen Opfer sollte die Parole lauten: "Entspannungspolitik statt Konfrontation." Hubert Kniesburges hatte im Gedenken an die Toten zu einer Schweigeminute aufgerufen. Krieg dürfe kein legitimes Mittel zur Lösung von Konflikten sein, hob der Vorsitzende des Arbeitskreises "Blumen für Stukenbrock" hervor. "Wer Fluchtursachen bekämpfen will, muss Kriege und Waffenexporte stoppen." Sein Vorgänger Werner Höner erinnerte am Antikriegstag an die Entstehungsgeschichte der Gedenkveranstaltung "Blumen für Stukenbrock", an Vorbehalte und Kritik. Dass die rote Fahne auf dem Obelisken entfernt worden war, "mit dieser Denkmalschändung haben wir uns nie abgefunden". Höner dankte aber auch den vielen Unterstützern des Arbeitskreises und hoffte auf weiteren Zuspruch, "damit die Blumen von Stukenbrock nicht verwelken".

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