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Sie waren die Stars des ersten Festivals: Die H-Blockx rockten die Wiese hinter dem Hallenbad, auf der das Festival bis 2010 stattfand. Beim ersten Serengeti hat es dermaßen geschüttet, dass die Veranstaltung für zwei Stunden unterbrochen werden musste. Und Henning Wehland, Sänger der H-Blockx, schüttete sich aus Solidarität eine Flasche Wasser über den Kopf. - © Alexander Rosenhäger
Sie waren die Stars des ersten Festivals: Die H-Blockx rockten die Wiese hinter dem Hallenbad, auf der das Festival bis 2010 stattfand. Beim ersten Serengeti hat es dermaßen geschüttet, dass die Veranstaltung für zwei Stunden unterbrochen werden musste. Und Henning Wehland, Sänger der H-Blockx, schüttete sich aus Solidarität eine Flasche Wasser über den Kopf. | © Alexander Rosenhäger

Schloß Holte-Stukenbrock Serengeti rockt die Senne

Gedächtnis der Stadt (25): Walent Cerkez gründete das Serengeti-Festival, das sich zum größten seiner Art in Ostwestfalen entwickelte. Nach zehn Jahren war Schluss

Gunter Held
15.08.2017 | Stand 14.08.2017, 17:42 Uhr

Schloß Holte-Stukenbrock. Wofür ist Schloß Holte-Stukenbrock in der Welt bekannt? Klar, es gibt einige Unternehmen von Weltruf – aber im Freizeitbereich? Der Safari-Park – und? Für zehn Jahre war es das Serengeti-Festival, das die Stadt mit dem langen Namen bundesweit bekannt gemacht hat. Und dass die Stadt in zwei Lager spaltete, ganz gemäß dem Spruch von Wilhelm Busch: Musik wird oft nicht schön gefunden, weil sie oft mit Geräusch verbunden . . . Vor zwei Jahren fand das bisher letzte Serengeti-Festival statt.14. BIS 16. AUGUST 2015 Irgendwie passend. Als Walent Cerkez 2006 das erste Serengeti-Festival veranstaltete, hat es wie aus Eimern geschüttet. Es hat so heftig geregnet, dass das Festival für zwei Stunden unterbrochen werden musste. Auch 2015 öffnet der Himmel seine Schleusen. Das zehnte Festival ist bisher auch das letzte gewesen. Ringschluss nennt man so etwas. Cerkez wollte aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr weitermachen – das sagte er vor zwei Jahren der Neuen Westfälischen. Doch sein Baby lässt ihn nicht los. Aus dem „Schluss, aus, vorbei“ wurde zunächst ein „Vielleicht“, dann ein „wenn ich Unterstützung finde, könnte ich mir eine Fortführung vorstellen.“ Es wurde sogar von der Möglichkeit gesprochen, das Festival in diesem Jahr wiederzubeleben. Daraus wurde nichts. Doch dass Gespräche geführt werden, bestätigte Cerkez in einem Gespräch mit der Neuen Westfälischen. Aber allein die Kosten für das Sicherheitskonzept seien in den vergangenen Jahren immens gestiegen. Auch wenn Cerkez mit seiner Veranstaltungsagentur „Vibra Agency“ über die Jahre gewachsen ist, will er das unternehmerische Risiko, mit dem solch ein Festival behaftet ist, nicht alleine tragen. Einen großen Radiosender hatte er sich schon mit ins Boot geholt, doch das reichte nicht. Schließlich ist das Festival von Jahr zu Jahr gewachsen. „Veranstalter Walent Cerkez schließt eine Wiederholung 2007 nicht aus“ hieß es noch in der Berichterstattung des ersten Festivals im Mai 2006. Das Serengeti war eine Erfolgsstory. Bereits nach der dritten Veranstaltung im Jahre 2008 wurde klar, dass das Festivalgelände zu klein ist. Zehntausende waren gekommen, um bei harter Rockmusik ausgelassen und friedlich zu feiern. Der Wunschveranstaltungsort von Cerkez war ein Acker gegenüber dem Eingang zum Safaripark. Die Fläche ist doppelt so groß wie die 10.000 Quadratmeter hinterm Hallenbad. Außerdem kann sich die dezibelstarke Musik dort besser entfalten als hinter dem Hallenbad.Eine Forderung der Fans: Serengeti darf nicht sterben Doch der Acker stand unter Landschaftsschutz. Und auch wenn der Beirat der Unteren Landschaftsbehörde sein Einverständnis signalisierte – Naturschützer sahen massive Probleme. Letztlich aber setzte sich wohl die Ansicht durch, die NW-Redakteurin Sabine Kubendorff in einem Kommentar vertrat: Vier Tage Krach werden die Tiere schon aushalten. Cerkez ging Kompromisse ein, denn er wollte auf keinen Fall Ärger mit den Naturschützern. Doch er brauchte langen Atem. Erst das Festival im Jahr 2011 rockte die Senne. Ausreichend Platz auch für große Bands mit Unmengen an Equipment und ausreichend Fläche für die Rockfans, die mit dem Zelt anreisten. Stromkabel mussten verlegt, die Wasserversorgung und die Toiletten aufgebaut werden. Außerdem musste das gesamte Gelände eingezäunt werden – ein Zugeständnis an die Naturschützer, ebenso wie der zehn bis 15 Meter breite Abstand zum Wald. Zu diesem Zeitpunkt war das Serengeti-Festival bereits das größte seiner Art in Ostwestfalen und hatte Schloß Holte-Stukenbrock weit über die Grenzen hinaus bekannt gemacht – bei jüngeren Menschen. Musikalisch ist Cerkez sich treu geblieben: Harter Rock beherrschte das Festival. Doch auch Tex-Mex-Musik wie Tito und Tarantula gab es. Neben den H-Blockx, die beim ersten Festival eines der Zugpferde waren, Jennifer Rostock, Bad Religion und immer wieder Monsters of Liedermaching. Deren Bandmitglied Totte findet auch deutliche Worte beim vorerst letzten Serengeti 2015: „Es ist schade, dass große Festivalagenturen derzeit die Oberhand bekommen und ein so tolles Festival, wie das Serengeti nicht weiter bestehen kann.“ Auf seine Fans kann Walent Cerkez jedenfalls vertrauen. Als 2015 die Band The Offspring mit ihrem Song „Self Esteem“ das Festival beschloss, herrschte gedrückte Stimmung. „Serengeti darf nicht sterben“, stand auf einem Pappplakat. Und Tina aus Oelde sagte damals: „Wir wollen unser Festival nicht verlieren.“ Ihr Einlassbändchen am Handgelenk wollte sie so lange tragen, bis das nächste Serengeti stattfindet. Manchmal braucht man als Rockfan einen langen Atem.

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