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Neue Glocken in der Friedenskirche - © Patrick Herrmann
Neue Glocken in der Friedenskirche | © Patrick Herrmann

Schloß Holte-Stukenbrock Neue Glocken erklingen in der Friedenskirche

Vierstimmiges Geläut: Mit einem Festgottesdienst werden die vier neuen Glocken in der Friedenskirche in Stukenbrock eingeweiht. Gäste bewundern den besonderen Klang. Hamburger Schauspieler ist Ehrengast

Patrick Herrmann
10.07.2017 | Stand 10.07.2017, 07:52 Uhr

Schloß Holte-Stukenbrock. „Sie klingen hier noch schöner als in Mülheim", sagt einer, der es wissen muss. Justus Cohen, Pfarrer aus Mülheim an der Ruhr und langjähriger Weggefährte des neuen Geläuts in der Stukenbrocker Friedenskirche, ist ganz gerührt. Seine Frau Annegret und er haben einen Großteil ihres Lebens mit drei der vier Glocken gelebt. Ihnen und vielen Mülheimern sei es wichtig gewesen, dass diese Glocken nicht eingeschmolzen werden. Ihr neues Zuhause haben sie nun in der Friedenskirche gefunden. Nach der Renovierung 2012/13 wurde die alte einzelne Glocke jetzt gegen das vierstimmige Geläut ausgetauscht. „Für unsere Kirche ist das eine großartige Bereicherung. Das rundet es ab", sagt Volker Kukulenz. Der Kirchenmusiker will den neuen Klang der Glocken bei der musikalischen Begleitung berücksichtigen. „Die klingen super, die sind super aufeinander abgestimmt", ergänzt der Organist vom Dienst. Den Grund dafür erläutert der Kenner der Glocken Justus Cohen. „Hier gibt es einen Holzstuhl", das tue dem Klang besser als ein Glockenstuhl aus Metal. „Was für ein Klang", lobte auch Presbyter Mario Beermann. Gaudete in domino semper – „Freuet euch in dem Herrn allezeit" Doch bei allem Lob, es lief nicht alles glatt mit den neuen Glocken für Stukenbrock. Eine der vier Glocken wurde extra angefertigt, neu hinzu gekauft zum Mülheimer Dreiklang. Allerdings ging die erste Ausführung dieser Glocke kaputt (die NW berichtete), so dass die Stukenbrocker noch etwas länger auf den Klang von Rogate, Kantate, Jubilate und Gaudete in domino semper warten mussten. Diese vier lateinischen Namen stehen für die vier Glocken. Die Fest- und Trauerglocke ist Rogate, auch Christus triumphator genannt. Sie wird nur zu Festtagen oder Beerdigungen geläutet. Mit der Jubilate beziehungsweise Christus vivat hat die Friedenskirche nun eine eigene Abendmahlsglocke. Die Kantate oder auch Christus vincit ist die klassische Gebetsglocke. Sie ertönt, wie auch die Abendmahlsglocke, regelmäßig in Stukenbrock. Die neugegossene Glocke ist die Gaudete in domino semper, auch Solus Christus genannt. Dieser Name hat mehrere Bezüge, die bis hin zur Reformation reichen. Der Wohl wichtigste Bezug des langen Namens ist ein ganz lokaler. Auf deutsch lautet der Name: „Freuet euch in dem Herrn allezeit." Das ist der ehemalige Wochenspruch des dritten Advents. Und am dritten Advent 1961 wurde die Friedenskirche eingeweiht. Den Festgottesdienst besuchten nicht nur die Ehrengäste aus Mülheim. Auch Volker Bogdan, Schauspieler, Nachrichtensprecher und Bruder von Pfarrer Reinhard Bogdan war gekommen. Er schloss den Gottesdienst mit einer Lesung des Gedichts „Das Lied von der Glocke" vom Stürmer und Dränger Friedrich Schiller. „Eine Glockeneinweihung ist etwas ganz Besonderes, da habe ich natürlich sofort zugesagt", sagte der Wahlhamburger. Dabei war es wegen der G20-Proteste bis Samstag noch unsicher, ob Volker Bogdan überhaupt raus aus der Hansestadt kommen kann.

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