Am Flügel: Martin Zingsheim versprüht seinen Witz auch beim Singen, dann begleitet er sich selbst. Fotos: Patrick Herrmann - © Patrick Herrmann
Am Flügel: Martin Zingsheim versprüht seinen Witz auch beim Singen, dann begleitet er sich selbst. Fotos: Patrick Herrmann | © Patrick Herrmann

Schloß Holte-Stukenbrock Martin Zingsheim setzt intellektuelle Glanzlichter

Patrick Herrmann

Schloß Holte-Stukenbrock. Er kann so schnell und ausdauernd Silben aneinanderreihen, wie sonst nur Maschinengewehre Salven feuern. Sein Streifzug durch die Themen des öffentlichen Interesses – Ernährung, Kinder, Politik, Musik der 90er – gipfelt oftmals in schier endlosen Bandwurmaufzählungen. Intellektuell eine Glanzleistung bei der städtischen Veranstaltungsreihe „Glanzlichter“. Martin Zingsheim, Komödiant, Teilzeitveganer und Sprachversteher, führt dem Publikum ein überspitztes Spiegelbild vor. Ein Beispiel: Weihnachten in einer einsamen Berghütte ohne Strom, er und seine Frau sind allein. „Nach kurzer Zeit, lass es drei, vier Tage gewesen sein, haben wir angefangen zu sprechen. Nach sieben Tagen auch miteinander.“ (Unfreiwilliger) Medienverzicht macht manches möglich. Politiker wie Schulz und Merkel bekommen ihre Seitenhiebe, Musiker wie Hermann van Veen ebenso. Würden seine Pointen auf einem Monitor angezeigt, es würde aussehen wie Kammerflimmern. Seine Stimmvielfalt – er gluckst und singt von Céline Dion über Wingfield bis Mo-Do gefühlt alles der 90er – tut ihr übriges dazu, den Saal in eine Humorekstase zu versetzen. Was Zingsheim noch kann? Neologismen erfinden. Wer hat schon mal etwas von Elternteilchen oder Rucola-Lofts gehört? Auf der Bühne ist Martin Zingsheim die gute Laune in Person. Ob am Flügel mit selbstkomponierten Songs oder als Redner, verlegen wirkt er nie, manchmal ist er frech. Er stiftet das Publikum zu kleinen und großen Frechheiten an. Noch ein Beispiel: „Gehen Sie doch einmal zum Bankschalter und sagen sie ganz empört: ’Mein Konto ist voll.’“ So geht das Programm über zwei Stunden. Knapp 120 Zuschauer folgen dem 33-Jährigen, der in diesen Tagen wieder Vater wird. Einen typischen Themenkomplex für Komödianten lässt der Newcomer allerdings aus. Die Unterschiede zwischen Frauen und Männern. „Es gibt auch Unterschiede zwischen Männern und Menschen“, sowieso gebe es wichtiger Themen. Seinem Publikum gefällt das. „Natürlich kam seine akademische Bildung durch. Wer was anderes will, soll zu Mario Barth gehen“, sagt Zuschauer Roland Heiße. Zingsheim studierte unter anderem Philosophie.

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