Enthüllt: Stukenbrock-Senner zeigen, was sie von den Gewerbegebietsplänen in ihrer Nachbarschaft halten. Nichts. - © Birgit Guhlke
Enthüllt: Stukenbrock-Senner zeigen, was sie von den Gewerbegebietsplänen in ihrer Nachbarschaft halten. Nichts. | © Birgit Guhlke

Schloß Holte-Stukenbrock Widerstand gegen das Gewerbegebiet bekommt ein Banner

Anwohner, Grundstückseigentümer und Mieter lehnen Pläne für den Ortsteil Stukenbrock-Senne ab. Hövelhofs Bürgermeister sieht die Stadtverwaltung SHS in der Pflicht


Schloß Holte-Stukenbrock. Die Gegner des geplanten Interkommunalen Gewerbegebiets Senne rüsten auf: Mit Bannern machen sie darauf aufmerksam: "Industriegebiet Stukenbrock-Senne? Hier nicht!". Wie berichtet wollen nun sechs Grundstückseigentümer ihre Flächen für das 53 Hektar große, geplante Gewerbegebiet nicht verkaufen. Ihrer Rechnung nach kommen sie zusammen auf eine Fläche von rund 19 Hektar. Die Eigentümer hatten einen Brief an die Stadtverwaltung geschickt, in dem sie erklärten, weder verkaufen noch verhandeln zu wollen und sie "der Aufstellung des geplanten Bebauungsplanes" widersprechen. In Stukenbrock-Senne haben auch Anwohner Unterschriftenlisten unterzeichnet, um ihren Widerstand gegen das geplante Gewerbegebiet der drei Kommunen SHS, Hövelhof und Augustdorf zu zeigen. Gut 150 Unterschriften haben sie bislang gesammelt, sagt Mark Grünke, auf dessen Grundstück eines von fünf Bannern an einer Scheunenwand prangt - von der Paderborner Straße aus ist es gut zu sehen. Aus Bielefeld kommt er, aufs Land wollte er mit seiner Familie - nicht aber in ein Gewerbegebiet. Zur Enthüllung des Protestbanners sind auch Nachbarn gekommen, die ebenfalls gegen das geplante Gewerbegebiet sind. Eigentümer geplanter Gewerbeflächen, aber auch Mieter städtischer Häuser und Anwohner vom Lippstädter Weg. Ihre Argumente für den Widerstand gegen das Gewerbegebiet ähneln sich. Es geht um Naturschutz, Lebens- und Wohnqualität, aber auch um Verantwortung. Der Hinweis, dass mit der Ansiedlung neuer Unternehmen auch neue Arbeitsplätze im Ort entstehen, überzeugt sie nicht. Das garantiere schließlich nicht, dass nur Schloß Holte-Stukenbrocker diese Arbeit übernehmen, Birgit Grünke rechnet eher mit mehr Pendlern. Fabian Flaschel hat ein Häuschen am Lippstädter Weg, die Familie hatte sich bewusst entschieden, sich in Stukenbrock-Senne ein Heim zu schaffen. "Es wurde immer gesagt, hier passiert nichts - und jetzt sehe ich immer ein nachts voll beleuchtetes Zelt und irgendwann gucke ich aus dem Küchenfenster auf ein Industriegebiet". Die Flüchtlingsunterkunft auf dem Gelände der Polizeischule, die Zeltstadt, ist zwar nicht mehr belegt, bleibt aber eine Reserveunterkunft. Im Rathaus sind Kritik und Schreiben der Gewerbegebietsgegner angekommen, "laufende Grundstücksverhandlungen" wolle der Bürgermeister aber nicht kommentieren, sagt Werner Thorwesten, Fachbereichsleiter Wirtschaft und Stadtentwicklung. Der Regionalrat hatte schon seine Zustimmung für das Gewerbegebiet erteilt, jetzt muss noch das Land NRW das Okay geben, vor der Landtagswahl sei nicht damit zu rechnen. "Gebaut wird sicherlich nicht vor 2018." Diese Einschätzung teilt auch Hövelhofs Bürgermeister Michael Berens. Er sieht die Stadtverwaltung aus SHS in der Pflicht, die Frage des Grunderwerbs zu lösen. "Normalerweise sollte vor Errichtung eines Gewerbegebiets die Hälfte der Flächen gesichert sein", sagte er während der jüngsten Sitzung des Bau- und Umweltausschuss in der Nachbargemeinde. Der Stadt SHS gehöre etwa ein Fünftel der Fläche. Die Häuser darauf sind vermietet. Die Mieter müssten sich eine neue Bleibe suchen, sobald das Gewerbegebiet an den Start geht. Kündigungen gibt es noch nicht, dass sie erfolgen, davon müssten die Mieter ausgehen. Um den Bebauungsplanentwurf des Interkommunalen Gewerbegebiets Senne geht es während der nächsten Sitzung des Wirtschafts-, Marketing- und Stadtentwicklungsausschusses am Dienstag, 9. Mai. Die Sitzung im Rathaus beginnt um 18 Uhr.

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