Noch ist Platz: Rund um die Höfe der Familien Benteler (Mitte) und Grünke (r.) soll das Gewerbegebiet entstehen. Beide sind gegen das Vorhaben. Jenseits der alten B 68 liegt die Polizeischule, die keilartige freie Fläche daneben gehört Annette Auster-Müller. - © Foto: Jens Reddeker
Noch ist Platz: Rund um die Höfe der Familien Benteler (Mitte) und Grünke (r.) soll das Gewerbegebiet entstehen. Beide sind gegen das Vorhaben. Jenseits der alten B 68 liegt die Polizeischule, die keilartige freie Fläche daneben gehört Annette Auster-Müller. | © Foto: Jens Reddeker

Schloß Holte-Stukenbrock Interkommunales Gewerbegebiet: Eigentümer wollen ihr Land behalten

Interkommunales Gewerbegebiet: Gegen die Pläne für Stukenbrock-Senne formiert sich Widerstand. Sieben Grundstückseigentümer wollen weder Land verkaufen noch darüber verhandeln. Die Stadt muss nun reagieren


Schloß Holte-Stukenbrock. Das in Stukenbrock-Senne geplante Interkommunale Gewerbegebiet stößt auf Widerstand. Sieben Eigentümer der Flächen, auf denen dieses Gewerbegebiet entstehen soll, haben der Stadt nun mitgeteilt, dass sie ihre Grundstücke dafür nicht hergeben wollen. Die Konsequenzen sind noch nicht klar. Am Donnerstag ist bei der Stadtverwaltung ein Brief dieser Eigentümer eingegangen, in dem sie gemeinschaftlich erklären, dass sie "nicht verkaufen und auch nicht verhandeln" wollen. Das bestätigte Beigeordneter Bernd Gebauer gegenüber der NW. Wie berichtet, plant die Stadt zusammen mit den Nachbargemeinden Hövelhof und Augustdorf an der Paderborner Straße und am Lippstädter Weg ein gemeinsames Gewerbegebiet. SHS erhält den größten Anteil am 53 Hektar großen Gebiet, an zwei Seiten grenzen Naturschutzflächen an. Laut Rechnung der sieben Grundstückseigentümer gehören ihnen davon zusammen rund 19 Hektar. Enteignung rechtlich wohl nicht durchsetzbar Die Grundstückseigentümer begründen ihre Erklärung, nicht verkaufen zu wollen, damit, dass ihre "Existenz und Lebensgrundlage und Wohnqualität" zerstört werde. Zum Beispiel Annette Auster-Müller. Sie betreibt den Campingplatz "Am Furlbach" nördlich des geplanten Gewerbegebietes und hat das gesamte Areal vor Jahren geerbt. Zu dem Grundstück gehört auch der Keil zwischen der Paderborner Straße und dem Lippstädter Weg gegenüber der Polizeischule. Insgesamt 7,5 Hektar soll sie verkaufen. Daran hat sie kein Interesse. Sie ist der Ansicht, dass sich touristische Ziele und ein Gewerbegebiet nicht vertragen. "Ich habe auf der einen Seite einen See, in dem die Gäste nicht schwimmen dürfen, und auf der anderen Seite ein Gewerbegebiet. Das ist doch nicht schön", sagt sie. Am Karfreitag hat es ein Treffen der Eigentümer auf ihrem Campingplatz gegeben, dabei wurde auch der Brief verfasst. Die Initiatorin der Aktion ist sie aber nicht, darauf legt sie Wert. Und es gehe ihr und den anderen Mitstreitern auch nicht darum, Preispoker um die Grundstücke zu betreiben. "Ich weiß gar nicht, wie viel die Stadt zahlen will. Ums Geld geht es mir nicht." Sondern die Qualität des Campingplatzes und um die Wohn- und Lebensqualität der Anwohner. Diese Befürchtungen teilen auch weitere Stukenbrock-Senner. Zur Sprache kam das bereits während der vergangenen Foren und Workshops anlässlich des Integrierten kommunalen Entwicklungskonzepts (IKEK), zu dem die Bürger ihre Wünsche und Ideen einbringen können, um ihre jeweiligen Ortsteile zukunftsfähig zu machen. Ob der Widerstand nun die Pläne der Gewerbepark Senne GmbH der drei beteiligten Kommunen zunichtemacht, ist noch nicht klar. Laut Beigeordnetem Bernd Gebauer müsse nun geprüft werden, welche Flächen in dem geplanten Gewerbegebiet betroffen sind, ob es sich um zentrale Flächen mitten in dem Gebiet oder an der Peripherie handelt. Die Grundstückseigentümer hätten ein gutes Recht, nicht zu verkaufen, einen ähnlichen Fall gab es jüngst in Verl, als ein Grundstückseigentümer seine Fläche nicht an einen Küchenhersteller verkaufte. Zwang ist nicht möglich, ein Blick ins Baugesetzbuch macht deutlich, dass eine Enteignung rechtlich vermutlich nicht durchzusetzen ist. Denn dafür müssten "zwingende städtebauliche Gründe" vorliegen. Zuständig wäre bei einem solchen Enteignungsverfahren auch nicht die Stadtverwaltung, sondern die laut Baugesetzbuch "höhere Verwaltungsbehörde", in diesem Fall die Bezirksregierung Detmold. Noch steht zudem die Regionalplanänderung aus, mit der festgesetzt werden müsste, dass die vorgesehene Fläche Gewerbegebiet wird, erklärt Bernd Gebauer. Aber "selbst wenn Land als Baugebiet ausgewiesen ist, heißt es ja nicht, dass da gebaut werden muss".

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