Aufmerksame Zuhörer: Unter den mehr als zwei Dutzend Interessierten sind auch fünf Jugendliche. Die Bürger machen sich Gedanken, welche Projekte im Dorf angestoßen werden sollen. - © Sigurd Gringel
Aufmerksame Zuhörer: Unter den mehr als zwei Dutzend Interessierten sind auch fünf Jugendliche. Die Bürger machen sich Gedanken, welche Projekte im Dorf angestoßen werden sollen. | © Sigurd Gringel

Schloß Holte-Stukenbrock Stukenbrock-Senner wollen ein Eiscafé und schnelles Internet

Bürgerwerkstatt: Mehr als zwei Dutzend Interessierte machen sich darüber Gedanken, welche Projekte im Dorf angestoßen werden sollen. Die Präsentation ist Ende März im Rathaus.

Sigurd Gringel

Schloß Holte-Stukenbrock. Ideen sammeln, auf Zettel schreiben und diese an eine Pinnwand heften. Dann Arbeitsgruppen bilden und Lösungen diskutieren - das kennen die Menschen in Stukenbrock-Senne. Seit zehn Jahren engagieren sich die Bürger erfolgreich für den alle drei Jahre stattfindenden Dorfwettbewerb, der heute "Unser Dorf hat Zukunft" heißt. 2011 gab es einen Sonderpreis für die Ems-Erlebniswelt, 2014 brachte der Dorfplatz den Sieg im Kreis. Auf Landesebene gab es 2015 eine Bronzemedaille. Bürger anderer Stadtteile haben sich davon inspirieren lassen. Jetzt trafen sich 25 Bürger im neuen Sportlerheim des PSV Stukenbrock-Senne, um Ideen für das integrierte kommunale Entwicklungskonzept, kurz IKEK, zu sammeln. Dorfentwickler Hartmut Lüdeling ist begeistert und bedankt sich für die "wahnsinnig aktive Mitarbeit". Er leitet den Abend und erklärt kurz das IKEK. Es sei nicht zu verwechseln mit IKEA, und doch haben das Entwicklungskonzept und das Möbelhaus etwas gemeinsam: Auch das IKEK ist eine Art Baukasten und die Grundlage für die Entwicklung in den kommenden fünf Jahren. Anders als das einstige Dorfentwicklungskonzept nimmt das IKEK nun den Kern des Dorfes ins Visier. Lüdeling verspricht, dass aus diesem Konzept konkrete Projekte entstehen werden. "Es verschwindet nicht in der Schublade. IKEK ist verbindlich - und Sie bestimmen die Maßnahmen." Dass gemessen an der Einwohnerzahl viele Interessierte anwesend sind, freut den Dorfentwickler. Auch fünf Jugendliche bringen ihre Anregungen ein. Es überrascht nicht, dass beim Ideensammeln einige Verbesserungen für die Jugendlichen im Dorf genannt werden. Zunächst schreiben die Anwesenden aber alles auf, was sie in ihrem Dorf gut finden. Die drei Pinnwände sind schnell komplett mit blauen Zetteln versehen. Vieles wird mehrfach genannt: Die Sennelandschaft, das Vereinsleben, die Zusammenarbeit der Vereine oder die Fleischerei Austermeier. Eine Nennung hat der Aspekt "stabile Frikadellenpreise" - allerdings nur mündlich. Manches ist gut und schlecht zugleich Jetzt sind rote Zettel dran. Darauf wird alles notiert, was schlecht ist oder fehlt: ein Café, der Forellkrug, schnelles Internet. Der Bereich "Versorgung" dominiert. Im Sozialen werden fehlende Angebote für Jugendliche und Senioren moniert. Die Hälfte der Einwohner ist unter 20 oder über 55 Jahre alt. Ein Bürger weist auf die Entnahme des Tiefenwassers hin: "Es entstehen Hohlräume." Nach den ersten beiden Runden ist klar, dass es auch widersprüchliche Aussagen gibt. Einige Aspekte sehen Bürger als schlecht, andere als gut an. Allen voran das geplante Gewerbegebiet - Entwicklungsmöglichkeit kontra Naturschutz. Bei den Lösungsvorschlägen werden mitunter Aspekte genannt, die aufgrund ihrer Randlage nicht in das Innenentwicklungskonzept fließen werden, wie die Ausweisung neuer Wohngebiete, ein Aussichtsturm an den Emsquellen oder eine Mountainbikestrecke im Wald. Ein Eiscafé im Zentrum hat die meisten Nennungen. Zudem wollen die Bürger schnelles Internet, Raum für Begegnung (egal, ob jung oder alt), Fahrdienste oder ein Dorfbüro. Bei "kein Tourismus" stutzt der Dorfentwickler. In Arbeitsgruppen feilen die Bürger an ihren Ideen, um sie später der Öffentlichkeit zu präsentieren. Die Stärken und Schwächen wird das Team von Hartmut Lüdeling gesondert betrachten: "Wir wollen aus den Stärken Projekte entwickeln und die Schwächen beheben."

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