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Die Schützenfahne: Vor zwei Jahren hatte die St.-Johannes-Schützenbruderschaft ihr repräsentatives Symbol erneuert. Sie zeigt mit dem Heiligen Johannes der Täufer den Schutzpatron der Bruderschaft und der St.-Johannes-Kirchengemeinde. Links ist die Pfarrkirche St. Johannes, rechts die Brinkkapelle zu sehen, rundherum sind die Ideale der Bruderschaft eingestickt: Glaube, Sitte, Heimat. - © Karin Prignitz
Die Schützenfahne: Vor zwei Jahren hatte die St.-Johannes-Schützenbruderschaft ihr repräsentatives Symbol erneuert. Sie zeigt mit dem Heiligen Johannes der Täufer den Schutzpatron der Bruderschaft und der St.-Johannes-Kirchengemeinde. Links ist die Pfarrkirche St. Johannes, rechts die Brinkkapelle zu sehen, rundherum sind die Ideale der Bruderschaft eingestickt: Glaube, Sitte, Heimat. | © Karin Prignitz

Schloß Holte-Stukenbrock Schloß Holte-Stukenbrocker Schützenvereine öffnen sich für muslimische Schützenkönige

17.03.2017 , 06:23 Uhr

Birgit Guhlke

Schloß Holte-Stukenbrock. Die katholischen Schützenbruderschaften haben ihre Verbandsregelungen gelockert. Wie berichtet, können die im Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften (BHDS) organisierten Schützenvereine nun offiziell Interessenten muslimischen Glaubens und aus der Kirche ausgetretene Schützen aufnehmen.

Und ein homosexueller Schützenkönig soll nun zusammen mit seinem Lebenspartner regieren dürfen. Die NW-Redaktion hat sich bei den heimischen Bruderschaften umgehört, wie sie die Neuerungen bewerten.

Den Fall, dass ein Muslim der St.-Johannes-Schützenbruderschaft in Stukenbrock beitreten wollte, habe es bis dato noch nicht gegeben, sagt Brudermeister Ulrich Teipel. „Vielleicht kommt ja jetzt jemand, es würde uns freuen.“

Ein gleichgeschlechtliches Schützenkönigspaar – auch das wäre in Stukenbrock neu. Wenngleich die Stukenbrocker, so sagt es der Brudermeister, die Entscheidung des betreffenden Schützenkönigs über den König an seiner Seite in jedem Fall respektiert hätten.

Bevor der neue sogenannte Orientierungsrahmen während der Bundesvertreterversammlung des BHDS in Leverkusen beschlossen worden war, durfte ein Homosexueller laut der Statuten nicht mit seinem Lebenspartner als Königspaar auftreten.

Es gibt nicht mehr nur den Ur-Stukenbrocker

Für Ulrich Teipel ist die Novellierung der Statuten zeitgemäß. Vor einigen Jahren und Jahrzehnten sei das möglicherweise noch anders und die Ablehnung dieses Beschlusses größer gewesen, „aber Schloß Holte-Stukenbrock ist ja auch ein ganz anderer Ort geworden.“ Es gebe nicht mehr nur den Ur-Stukenbrocker hier.

Auch die Einschränkung für geschiedene Schützen, nicht auf den Vogel schießen zu dürfen, „das können wir doch nicht erklären“. Schützen evangelischen Glaubens gibt es schon länger bei St. Johannes, wenngleich ihr Anteil lediglich bei 8 Prozent liege. Gut 500 Mitglieder zählt die Bruderschaft derzeit.

Bereits in den 1960er Jahren gab es in Stukenbrock schon mal „einen evangelischen Kompanieführer“, die Bruderschaft hat zwei Kompanien. Möglicherweise übernimmt das Amt auch mal jemand muslimischen Glaubens. Der sich mit seinem Beitritt zu den „Grundsätzen der Bruderschaft bekannt hat“.

"Auch die Schützenbruderschaften müssen sich anpassen"

Ähnlich unaufgeregt bewertet Frank Hachmann, Brudermeister der St.-Achatius-Schützen in Stukenbrock-Senne die neuen Regelungen. Die Stukenbrock-Senner Schützen wollen diesen neuen Orientierungsrahmen zwar noch während ihrer nächsten Mitgliederversammlung diskutieren, um zu entscheiden „wie weit wir die neuen Möglichkeiten für uns umsetzen wollen.“

Generell aber, so teilt Frank Hachmann mit, „ist dieser Schritt zu begrüßen, denn die Gesellschaft ändert sich, so dass sich auch die Schützenbruderschaften anpassen müssen, um auch zukünftig ein fester Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens zu sein“.

Das gesellschaftliche Leben ist der Aspekt, den auch Michael Blumenthal als Brudermeister der St.-Michael-Schützenbruderschaft Liemke in den Vordergrund rückt. Auf dem Dorf haben Schützenvereine weitreichendere Bedeutung, sind für junge Menschen oft ein Jugendtreff-Ersatz, leisteten „ein Stück Gesellschaftsarbeit“ ebenso wie der SCW Liemke. Und weil die Gesellschaft auch bunter, vielfältiger geworden sei, wollen auch die Liemker Schützen ihr Engagement in diesem Sinne fortsetzen.

"Wir haben uns nicht dagegen gewehrt"

„Wir waren schon immer sehr flexibel und haben geguckt, wie die Situation vor Ort ist“. Ein Beispiel: Laut Statuten des BHDS hätte ein geschiedenes Schützenvereinsmitglied austreten müssen. Das, so erklärt Michael Blumenthal, „kann man doch nicht machen, da hat schon jemand seine Familie verloren und dann müssen wir ihn aus dem Verein werfen.“ Auf Bezirksverbandsebene hatten sich die Schützen bereits darauf verständigt, für diese Fälle Ausnahmen von der BHDS-Regelung zuzulassen.

Und muslimische Vereinsmitglieder? Zahlen hat Michael Blumenthal nicht, aber die Liemker Schützenbruderschaft stünden dem Thema schon immer „sehr offen gegenüber – wenn jemand aus dem Ort mitmachen will, haben wir uns nicht dagegen gewehrt“.

Eher selten ist bislang, dass eine Frau das Schützenvolk regiert und nicht nur an der Seite des Schützenkönigs repräsentiert. Auch hier seien die Liemker Vorreiter, vor einigen Jahren gab es mit Monika Winter bereits einen weiblichen Schützenkönig. Und seit den 90er Jahren hat die 1924 gegründete St.-Michael-Schützenbruderschaft eine Frauenabteilung.