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Ziehen an einem Strang: Hövelhofs Bürgermeister Michael Berens (v. l.), Schloß Holte-Stukenbrocks Kämmerer und Geschäftsführer der Gewerbepark Senne GmbH Olaf Junker, Augustdorfsd Bürgermeister Andreas Wulf und Hubert Erichlandwehr, Bürgermeister der Stadt Schloß Holte-Stukenbrock. FOTO: GUNTER HELD - © Gunter Held
Ziehen an einem Strang: Hövelhofs Bürgermeister Michael Berens (v. l.), Schloß Holte-Stukenbrocks Kämmerer und Geschäftsführer der Gewerbepark Senne GmbH Olaf Junker, Augustdorfsd Bürgermeister Andreas Wulf und Hubert Erichlandwehr, Bürgermeister der Stadt Schloß Holte-Stukenbrock. FOTO: GUNTER HELD | © Gunter Held

Schloß Holte-Stukenbrock GmbH für interkommunalen Gewerbepark in der Senne gegründet

Gunter Held
16.02.2017 | Stand 16.02.2017, 14:27 Uhr

Schloß Holte-Stukenbrock. Drei Stunden saßen die Bürgermeister von Schloß Holte-Stukenbrock, Hövelhof und Augustdorf zusammen mit Olaf Junker, dem Kämmerer der Stadt Schloß Holte-Stukenbrock, beim Notar und ließen sich vorlesen. Dann war der Vertrag der Gewerbepark Senne GmbH unterschriftsreif, und Junker konnte zum Geschäftsführer ernannt werden. Bürgermeister Hubert Erichlandwehr nennt das Vorhaben historisch, weil die Gesellschafter aus drei Kommunen und drei Kreisen kommen. Schloß Holte-Stukenbrock gehört bekanntlich zum Kreis Gütersloh, Hövelhof zum Kreis Paderborn und Augustdorf zu Lippe. So etwas habe es deutschlandweit vermutlich noch nicht gegeben, sagt Erichlandwehr – und seine Kollegen Michael Berens aus Hövelhof und Andreas Wulf aus Augustdorf stimmen zu. Dabei hielt sich die Begeisterung für das Gewerbegebiet in der Nähe der Polizeischule anfangs doch sehr in Grenzen. Überparteilich sahen die meisten Kommunalpolitiker aus Schloß Holte-Stukenbrock das Gebiet um den Kreuzkrug als die bessere Alternative an. Das hätte sich beim Regionalrat in Detmold nicht durchsetzen lassen. Auch Michael Berens aus Hövelhof machte keinen Hehl daraus, dass er lieber Flächen in seiner Kommune ausgewiesen hätte. Er sieht den Gewerbepark als Zwischenlösung. „Bei uns wollen viele Unternehmen gern Hövelhof weiter im Briefkopf behalten.“ Er geht sogar so weit zu sagen, dass interkommunales Handeln hier der falsche Weg sei. Einzig der Augustdorfer Andreas Wulf war mit der Fläche sehr einverstanden. „75 Prozent der Flächen in Augustdorf sind Fauna-Flora-Habitat-Gebiete. Wir bekommen keine eigenen Gewerbeflächen, deshalb ist der Gewerbepark für uns wichtig“, sagt Wulf. Letztendlich aber haben alle ihren Frieden mit der jetzigen Lösung gemacht. „Wir wollen nicht klagen und sehen das Ganze positiv für die Region“, sagt Erichlandwehr. Zeit habe es gekostet, sagt Erichlandwehr. Erste Ideen kamen vor fünf Jahren, von konkreteren Planungen bis zur Gründung der Gesellschaft seien zwei Jahre vergangen. Ganz sicher ist die Verwirklichung aber noch nicht. In seiner Sitzung am 27. März muss der Regionalrat noch zustimmen – und dann könnte immer noch das Land ein Veto einlegen. Von der Hand zu weisen sei das nicht, sagt Hubert Erichlandwehr. Schließlich seien die Grünen in Stadt und Kreis vehement dagegen gewesen, wenn sie sich auch nicht gegen die Mehrheit aus SPD, CDU, FDP und CSB hätten durchsetzen können. Es gelte, die Anregungen und Bedenken der Grünen zu berücksichtigen. Das bedinge ein großes Ausmaß an Ausgleichsmaßnahmen. Auch die Landtagswahlen könnten noch eine Hürde sein. Und Berens gibt zu bedenken, dass der neue Landesentwicklungsplan, der bereits in Kraft ist, für Gewerbegebiete eher Rückschritte vorsieht. Die Bürgermeister gehen davon aus, dass die Änderung des Flächennutzungsplans und das Bebauungsplanverfahren ein gutes Jahr dauern könnten.Das gemeinsame Gewerbegebiet markiert einen historischen Tag Der Gewerbepark Senne startet mit einem Stammkapital von 250.000 Euro, wobei Schloß Holte-Stukenbrock 125.000 Euro gibt, Hövelhof 100.000 Euro und Augustdorf 25.000 Euro. Das spiegelt die Besitzverhältnisse von 50:40:10 wider. Gewinne und Verlust gehen zu 47 Prozent an Schloß Holte-Stukenbrock, zu 45 Prozent an Hövelhof und zu 8 Prozent an Augustdorf. Dass Olaf Junker die Geschäfte führt, sei eine „preiswerte Lösung“, sagt Erichlandwehr. Insgesamt umfasst das Areal eine Fläche von 53 Hektar, wobei sich bisher jedoch nur 10 Hektar in städtischem Eigentum befinden. Thomas Sommerfeld aus dem Fachbereich für Wirtschaft und Stadtentwicklung wird sich um die Ankäufe kümmern. Um die anschließende Vermarktung machen sich die Bürgermeister keine Sorgen. Da gebe es Interessenten genug. Vor allem wenn der Bebauungsplan so gestaltet wird, dass Grundstücksgröße und Zuschnitt flexibel sind und den Wünschen der Unternehmer angepasst werden können. Steuerlich dürfte der Gewerbepark vor allem für Hövelhofer und Augustdorfer interessant seien. Schloß Holte-Stukenbrock erhebt einen Gewerbesteuerhebesatz von 370 Prozentpunkten, Hövelhof nimmt 411 und Augustdorf 417 Prozentpunkte. Der Aufsichtsrat der Gesellschaft besteht aus den drei Bürgermeistern, fünf Ratsmitgliedern aus Schloß Holte-Stukenbrock, dreien aus Hövelhof und einem aus Augustdorf. In der Gesellschafterversammlung sitzen die Bürgermeister, wobei Schloß Holte-Stukenbrock den Vorsitz inne hat. Der Aufsichtsrat wird in den ersten zwei Jahren geführt von einem Hövelhofer, Stellvertreter ist ein Augustdorfer. Erste Bagger werden nach Einschätzung von Erichlandwehr im Frühjahr 2019 anrollen, bei sehr optimistischer Annahme bereits im Herbst 2018.

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