In Bewegung: Sowohl die Kinder des Familienzentrums "Der Spatz" als auch die Senioren des Altenzentrums Wiepeldoorn singen, klatschen und bewegen die Hände zu den Liedern, die Stefan und Linda Schmied mitgebracht haben. - © Karin Prignitz
In Bewegung: Sowohl die Kinder des Familienzentrums "Der Spatz" als auch die Senioren des Altenzentrums Wiepeldoorn singen, klatschen und bewegen die Hände zu den Liedern, die Stefan und Linda Schmied mitgebracht haben. | © Karin Prignitz

Schloß Holte-Stukenbrock Kinder spielen mit Senioren in Stukenbrock

Kinder des Holtebrocker Spielhauses kommen regelmäßig in die Pflegeresidenz am Polle. Jungen und Mädchen der Kita "Der Spatz" besuchen Senioren in Wiepeldoorn

Schloß Holte-Stukenbrock. Das bisschen Regen? Macht den acht Kindern der "Schäfchengruppe" des Holtebrocker Spielhauses überhaupt nichts aus. In Schneeanzüge gemummelt sind sie mit Leiterin Tanja Johann vor der Brügge, Ergänzungskraft Simone Holtmann und dem "Kindergartenbus" von der Holter Straße herüber zur "Pflegeresidenz am Polle" gezogen. Dort warten bereits einige der dort lebenden Senioren auf die Unter-Dreijährigen. Und die erobern das Herz der alten Menschen in Sekundenschnelle. Leo ist der erste, der sich aus dem wasserabweisenden Anzug gepellt hat. Eine grüne Blumengießkanne hat der aufgeweckte Einhalbjährige entdeckt, marschiert mit ihr auf seinen kurzen Beinen direkt auf Bewohner Franz Gerkens zu. Ein Lächeln blitzt auf. Der Senior im Rollstuhl nimmt die Kanne, gibt sie Leo wieder zurück. Eine Kommunikation ohne Worte, die sofort funktioniert. Seit September vergangenen Jahres besuchen Kinder des Holtebrocker Spielhauses die Bewohner der neuen Pflegeresidenz. "Auch nach Wiepeldoorn gehen wir regelmäßig in die Tagespflege", erzählt Tanja Johann vor der Brügge. Der Vorsitzenden Bärbel Hanke, die selbst im Altenpflegebereich tätig ist, sei dieser Austausch ein großes Anliegen. "Die älteren Herrschaften freuen sich jedes Mal, wenn die Kinder sie besuchen kommen." Viele Dinge gebe es, die von den ganz jungen und den alten Menschen gemeinsam gemacht werden könnten. "Vergangenes Mal sind Keilrahmen bemalt worden", erzählt Tanja Johann vor der Brügge von den Aktivitäten, zu denen auch das Spiel mit dem Softball gehört oder der Einsatz des Schwungtuches. Das kommt gelegentlich auch im Altenzentrum Wiepeldoorn zum Einsatz. Dort hat eine Gruppe von Bewohnern ebenfalls gestern Morgen Besuch von elf Kindern vom Familienzentrum "Der Spatz" an der Mergelheide bekommen. "Unter 7, über 70", so sind die Treffen überschrieben, die alle 14 Tage am Mittwochmorgen stattfinden. Eine Begegnung zwischen den Generation Kita-Leiter Stefan Schmied und seine Frau Linda heben hervor: "Uns ist die Begegnung zwischen den Generationen wichtig." Die Kinder erlebten im Miteinander, "welche Freude sie den Senioren machen". Lieder hat die Gruppe mitgebracht. Die Hände werden dazu gereckt und gestreckt. Es wird geklatscht und gewunken. Von den Kindern und den Senioren mit gleichermaßen großer Begeisterung. Wäsche ist das Thema diesmal. Linda Schmied zeigt ein Bild, auf dem ein altes Waschbrett zu sehen ist. Die Kinder ziehen fragend die Nase kraus. Sie sind mit modernen Waschmaschinen aufgewachsen. Die Senioren aber erinnern sich noch bestens. Eine der Seniorinnen erzählt lebhaft vom Einsatz der Kernseife, die auch gegen Entzündungen wirkte und davon, dass Handtücher, Hemden und Socken früher "selbst bei Minusgraden draußen auf die Leine gehängt wurden und dann ganz steif gefroren waren". Beim Abnehmen, erzählt die alte Dame, sei deshalb besondere Vorsicht geboten gewesen, "damit die Wäsche nicht kaputt geht". Die Kinder spitzen die Ohren. Vor allem Silas. Dessen Mama hat die Wäsche schnell reingeholt, als es regnete. Warum? Was für eine Frage: "Natürlich, weil sie nicht nass werden sollte." Schnell entwickelt sich eine Kommunikation zwischen Alt und Jung. "Selbst diejenigen, die nicht mehr sprechen können, reagieren emotional auf den Kinderbesuch", bestätigt Maike Woestmann, die Leiterin des Begleitenden Dienstes. Vor allem die Kombination Musik und Kinder funktioniere immer. Seit einem Jahr finden die Treffen statt. Jeweils für etwa eine halbe Stunde wird das Miteinander gestaltet. Mit dem vertrauten Begrüßungs- und Abschlusslied und dazwischen immer wieder neuen Themen. Babyfotos werden dann gemeinsam angeguckt, ein Sitztanz vollführt oder Tücher geschwungen. "Kinder beleben und bereichern", sagt Maike Woestmann. Sie berichtet ebenso wie Laura Opitz und Alexandra Grotegut, Teamleitung in der Pflegeresidenz am Polle, vom Lachen auf den Gesichern der Senioren, wenn die Kinder zu Besuch kommen. "Da geht einem selber auch das Herz auf", sagt Alexandra Grotegut, "weil man weiß, dass man Gutes getan hat." In der Pflegeresidenz ist mittlerweile die Knete ausgepackt worden. Und ein Solitair-Spiel mit großen silbernen Stäben, das auf dem Schoß von Franz Gerkens liegt. Der zweieinhalbjährige Thilo und der kleine Leo ziehen die Stäbe heraus und verteilen sie an die Senioren, die im Kreis sitzen. Wieder zurückholen ist der nächste Schritt und sie zu Franz Gerkens bringen, der schon ungeduldig wartet. Aus dem Lächeln ist bei ihm längst ein Lachen geworden. Wegen ihnen, "diesen kleinen Hosenscheißern", die gerne so oft wie möglich wiederkommen dürfen.

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