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Vogelperspektive: Zwischen Paderborner Straße (l.) und der Autobahn 33 am oberen Bildrand soll der Großteil des interkommunalen Gewerbegebietes Stukenbrock-Senne entstehen. Der Wald am rechten Bildrand bleibt erhalten. - © Jens Reddeker
Vogelperspektive: Zwischen Paderborner Straße (l.) und der Autobahn 33 am oberen Bildrand soll der Großteil des interkommunalen Gewerbegebietes Stukenbrock-Senne entstehen. Der Wald am rechten Bildrand bleibt erhalten. | © Jens Reddeker

Hövelhof/Schloß Holte-Stukenbrock Vögel gefährden Entstehung von Gewerbegebiet in Stukenbrock

Bevor an der Paderborner Straße gebaut werden kann, müssen Ausgleichsflächen für Heide- und Feldlerchen ausgewiesen werden und die Tiere sich dort auch ansiedeln

Sigurd Gringel
09.11.2016 | Stand 09.11.2016, 10:11 Uhr

Schloß Holte-Stukenbrock. Neuer Fahrplan für das interkommunale Gewerbegebiet in Stukenbrock-Senne (Kreis Gütersloh): Bei der Kartierung des Geländes an der Paderborner Straße haben Naturschützer je zwei Brutpaare der Feld- und Heidelerche gefunden. Bei diesen Vögeln handelt es sich um sogenannte planungsrelevante Arten. Deshalb müssen die Planer zunächst dringend Ausgleichsflächen finden, auf denen sich die Tiere dann ansiedeln. Auch die mögliche Ansiedlung des Spediteurs "Wahl & Co." haben die Mitglieder des Umweltausschusses der Stadt Schloß Holte-Stukenbrock diskutiert - ohne dass der Name des Logistikers genannt wurde. Als Gäste waren Hans-Georg Westermann und Annette Pagenkemper von der unteren Landschaftsbehörde des Kreises Gütersloh geladen. Sie erläuterten den Politikern und den Mitglieder der Verwaltung, welche Schritte zu unternehmen sind. Das Auffinden der Lerchen sei aber "kein K.o.-Kriterium für das Gewerbegebiet", stellte Westermann klar. Die Bereitstellung von Ausgleichsflächen bei derartigen Bauvorhaben ist schon seit 40 Jahren gesetzlich festgeschrieben. Seit einigen Jahren spielt der Artenschutz eine besondere Rolle. Feld- und Heidelerchen gelten zwar nicht als gefährdet, genießen als planungsrelevante Arten aber Schutz. Hätten die Kartierer gefährdete Arten gefunden, hätte es wohl das Aus für das Gewerbegebiet bedeutet. Und auch jetzt kann das Gewerbegebiet nur entstehen, wenn zuvor eine Lösung für die Tiere gefunden wird. Davon geht Westermann aber aus. Annette Pagenkemper riet den Ausschussteilnehmern, dringend Ausgleichsflächen zu beschaffen. Flächen müssen wohl getauscht werden Am besten in einem Flächentausch, denn zu kaufen gebe es äquivalente Areale so gut wie nicht. Sie müssen besondere Voraussetzungen erfüllen: einen ähnlichen Lebensraum bieten und nicht zu weit entfernt liegen. Es müssen offene Biotope sein, Mager- und Sandstandorte. Südlich des geplanten Gewerbegebietes, also in Richtung Moosheide, könnten geeignete Gebiete liegen. Die Flächen können sich auch in den Kommunengrenzen von Hövelhof oder Augustdorf befinden. Wie viel Fläche bereitgestellt werden muss, ist zu diesem Zeitpunkt nicht genau zu bestimmen. Denn die Berechnung erfolgt nach einem Punktesystem, das die Qualität verschiedener Biotope berücksichtigt. Das zu überplanende Gebiet in Stukenbrock-Senne ist etwa eine Million Ökopunkte wert. Etwa 30 Hektar seien notwendig, schätzte Annette Pagenkemper. Wenn die Qualität des Gebietes mit geeigneten Naturschutzmaßnahmen optimiert würde, erhielte es auch mehr Ökopunkte und könnte kleiner ausfallen. "Es ist eine sehr anspruchsvolle Planung", sagte sie. Hans-Georg Westermann machte deutlich, dass sich Naturschutz und Landwirtschaft nicht ausschließen. Auf den Ausgleichsflächen könne möglicherweise extensive Landwirtschaft weiterhin betrieben werden. Man müsse den Vögeln aber geeignete Räume für die Brut und die Nahrungssuche schaffen. Westermann: "Wir können den Tieren nur ein Angebot machen. In der Regel nehmen sie das auch schnell an." Das zeige die Erfahrung. "Wir müssen uns sputen" Möglich sei auch in Ausnahmen, mit der Ansiedlung der Gewerbetreibenden schon zu beginnen, sofern der Lebensraum der Tiere im alten Areal nicht zerstört wird. Hauptsache ist, dass die Population überlebt. Bruno Reinke von den Grünen fragte, ob der Startzeitpunkt 2018 noch zu realisieren sei. Darauf Annette Pagenkemper: "Wir müssen uns sputen." Möglicherweise, diesen Gedanken warf der Leiter des Fachbereichs für Wirtschaft und Stadtentwicklung Werner Thorwesten ein, sei die Umsiedlung der Tiere gar nicht so schwierig. Schließlich gebe es in direkter Nähe schon ein Naturschutzgebiet (Moosheide), ein Flora-und-Fauna-Habitat (Senne) und ein Vogelschutzgebiet (Senne). Dazu Annette Pagenkemper: "Es müssen ökologisch aufwertbare Flächen sein." Auch ein 30 Meter mächtiges Hochregallager wie es der Sennestädter Spediteur "Wahl & Co." bauen will, wenn er sich denn in Stukenbrock-Senne ansiedelt, schlossen Westermann und Pagenkemper nicht aus. "Es wäre nur eine andere Planung", sagte Hans-Georg Westermann. In Gesprächen sind Stadtverwaltung, untere Landschaftsbehörde und Planungsbüro bereits. Das Einbeziehen aller Beteiligten sei wichtig für den Erfolg des Projektes, sagte Hans-Georg Westermann. Der Ausschussvorsitzende Christian Hayk (CDU) versuchte, der Diskussion einen optimistischen Schluss zu geben. "Wir sind auf einem guten Weg", sagte er. Annette Pagenkemper korrigierte: " . . . auf einem steinigen." Dem Antrag der Grünen, ein Ausgleichsflächenkonzept zu erstellen, folgten die Ausschussmitglieder einstimmig.

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