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Kranzniederlegung: Hubert Kniesburges, Vorsitzender des Arbeitskreises „Blumen für Stukenbrock" (l.) und sein Vorgänger Werner Höner führen die Reihe der Kranzträger zur 50. Mahn- und Gedenkveranstaltung an. - © Karin Prignitz
Kranzniederlegung: Hubert Kniesburges, Vorsitzender des Arbeitskreises „Blumen für Stukenbrock" (l.) und sein Vorgänger Werner Höner führen die Reihe der Kranzträger zur 50. Mahn- und Gedenkveranstaltung an. | © Karin Prignitz

Schloß Holte-Stukenbrock Gedenkveranstaltung auf dem Sowjetischen Ehrenfriedhof

Arbeitskreis "Blumen für Stukenbrock": Uwe-Karsten Heye hält Debatte über die Zahl der Toten für unsinnig

Karin Prignitz
05.09.2016 | Stand 05.09.2016, 11:02 Uhr |
Prominenter Redner: Uwe-Karsten Heye ist Journalist, Diplomat und Autor. Früher hat der 75-Jährige die Reden von Willy Brandt geschrieben. - © Karin Prignitz
Prominenter Redner: Uwe-Karsten Heye ist Journalist, Diplomat und Autor. Früher hat der 75-Jährige die Reden von Willy Brandt geschrieben. | © Karin Prignitz

Schloß Holte-Stukenbrock. Eine alte Frau fällt vor dem Obelisken auf die Knie und hält die betenden Hände vor ihr Gesicht. Eine Geste, die große Trauer, aber auch ein Stück Hoffnung zum Ausdruck bringt. Zum 50. Mal hat der Arbeitskreis "Blumen für Stukenbrock" mit einer Mahn- und Gedenkveranstaltung anlässlich des Antikriegstages auf dem Sowjetischen Ehrenfriedhof ein Zeichen gegen das Vergessen und für ein Engagement für Frieden und Menschlichkeit gesetzt.

Als Gastredner haben die Organisatoren den früheren Redenschreiber von Willy Brandt, Uwe-Karsten Heye, gewinnen können. Heye war in seiner Funktion als Vorstand des Vereins "Gesicht zeigen! Für ein weltoffenes Deutschland", der sich die Bekämpfung von Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Rechtsextremismus als Ziel gesetzt hat, zur Gedenkveranstaltung gekommen. Es erfülle ihn mit Stolz, betonte Heye, an diesem Ort, "der in den Geschichtsbüchern immer noch keine Bedeutung hat und jetzt in die Öffentlichkeit rückt", sprechen zu dürfen.

Wer im weltweiten Netz das Suchwort "Stukenbrock" eingebe, der erfahre etwas über den Safaripark, "auf die Nachbarschaft der Todesstätte des Stalag IV K 326 stößt nur, wer schon weiß, dass es hier einen Ehrenfriedhof und eine Gedenkstätte gibt". Umso wichtiger sei die Gedenkveranstaltung des Arbeitskreises "Blumen für Stukenbrock". Mehr als 200 Besucher kamen diesmal.

Auch dieser Antikriegstag steht unter keinen guten Vorzeichen

Im Grunde gebe es kein einziges Wort, "das das Grauen treffend beschreiben könnte, das sich hier vor mehr als 70 Jahren zugetragen hat". Heye sprach von einem "programmierten Tod", der auf dem Soldatenfriedhof sichtbar werde. Ob es nun 15.000, 20.000 oder 65.000 zu Tode gequälte sowjetische Kriegsgefangene seien, die in den Massengräbern verscharrt worden seien, sei irrelevant, eine Debatte darüber zu führen (die NW berichtete), unsinnig. So wie viele vorangegangene stehe auch dieser Antikriegstag unter keinen guten Vorzeichen, sagte Hubert Kniesburges. Der Vorsitzende des Arbeitskreises erinnerte an "Millionen von Menschen weltweit, die auf der Flucht vor Krieg und Terror sind". Das Flüchtlingselend sei eng verbunden mit den Kriegen der Gegenwart.

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Information

Neues 
Antifa-Camp

  • Am Rande der Gedenkveranstaltung und schon am Tag zuvor hatten sich 75 jugendliche Teilnehmer im Antifa-Camp versammelt.
  • Bisher war das vom Antifa-Plenum Gütersloh organisiert worden. Weil die Beteiligung nachließ, hat der Arbeitskreis Jugendverbände angeschrieben. Der aktuelle Veranstalterkreis besteht aus Teilnehmern der Naturfreundejugend OWL, der Falken, der Jusos, der DGB-Jugend OWL sowie der Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend (SDAJ).

Wer Waffen exportiere, der fördere Kriege und ernte Flüchtlingsströme. "Es reicht nicht aus", sagte Kniesburges, "wenn sich auf der einen Seite die deutsche Außenpolitik auf eine friedliche Lösung von Konflikten orientiert und sie andererseits die aggressive Nato-Politik gegen Russland unterstützt." Der Frieden in Europa sei nicht ohne Russland zu sichern. Da waren sich alle Redner einig.

Deuschland müsse ein Zeichen setzen, forderte Werner Höner, der Vorgänger von Hubert Kniesburges. "Da die Nato sich überlebt hat, ist es an der Zeit, sich mit Russland engagiert um den Frieden zu bemühen." Auch Jan Meier, Vorsitzender der SDAJ, ergriff das Wort. Er sprach für das Antifa-Camp. "65.000 organisierte Ermordete mahnen uns zu aktivem Handeln." Es sei an der Zeit, sich "dem terroristischen Aufmarsch entgegenzustellen, denn der Staat tut es nicht", sagte der 26-jährige Student. Joachim Gauck bezeichnete er als "einen Pastor, der die Waffen segnet".

Jochen Schwabedissen verlas einen Brief von Professor Wladimir Naumow. Er gehört zu den letzten Überlebenden des Stalag, in das er als elfjähriger Zwangsarbeiter verschleppt worden war. Die Zeilen des heute 84-Jährigen richteten sich insbesondere an die jungen Teilnehmer der Kundgebung. Naumows Wunsch: "Die beste Tradition zwischen unseren Völkern wach zu halten und weiter zu entwickeln."

Auch Werner Höner hofft, dass die Jugend "das Erbe von Stukenbrock antritt". Der Arbeitskreis wird sich dafür stark machen. "Wir sind ja daran interessiert, dass es weitergeht", betonte Höner. Im kommenden Jahr feiert der Arbeitskreis "Blumen für Stukenbrock" das 50-jährige Bestehen.