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Anfahrt: Die drei Starter der Klasse bis 14 PS machen sich auf den Weg. Sven Pankoke führt den Tross an. Dahinter folgt Mats Hagenbrock. Damit die Sicherheit der Besucher garantiert ist, gibt es eine extra abgesteckte Fahrspur zum Pulling-Gelände. - © Patrick Herrmann
Anfahrt: Die drei Starter der Klasse bis 14 PS machen sich auf den Weg. Sven Pankoke führt den Tross an. Dahinter folgt Mats Hagenbrock. Damit die Sicherheit der Besucher garantiert ist, gibt es eine extra abgesteckte Fahrspur zum Pulling-Gelände. | © Patrick Herrmann

Schloß Holte-Stukenbrock Treckerclub Tölkenkamp begeistert beim Traktor-Pulling

Kräftemessen: Knapp 150 Traktoren sind dabei

Patrick Herrmann
05.09.2016 | Stand 05.09.2016, 11:00 Uhr |

Schloß Holte-Stukenbrock. Staubtrocken ist der Acker am Kampweg in Stukenbrock-Senne. Stoppeln von der letzten Ernte stehen noch hoch. Die Sonne brennt. Ein über vier großen Treckern aufgespanntes Tuch spendet ein wenig Schatten. In einem fußballfeldlangen Rechteck präpariert ein tonnenschwerer Radlader eine gerade, mindestens 70 Meter lange Strecke. In der prallen Sonne wirbelt jeder Schritt Staub auf. Hier werden gleich Mensch und Maschine alles geben. Aus dem Fahrerlager knöttern die Motoren, sie sind hörbar, bevor sie zu sehen sind. Dann fahren drei Männer mit ihren Fahrzeugen in die Startgasse - mit ihren Traktoren der kleinsten Klasse bis 14 PS. Qualmend, röchelnd machen sich die Oldtimer auf den Weg. Die Regeln für den anstehenden Wettkampf sind denkbar leicht: Zieh einen Anhänger mit deinem Trecker soweit wie möglich. Der Clou bei der Sache ist, dass dieser Anhänger nur eine Achse hat. Die Vorderachse wird durch eine Kufe ersetzt. Außerdem ist auf dem Anhänger eine Seilwinde installiert, die ein Gewicht immer weiter nach vorne zieht. Je weiter ein Fahrer den Anhänger also zieht, desto stärker drückt das Gewicht auf die Kufe. Geschick ist deswegen mindestens genauso nötig wie eine hohe PS-Zahl. Das ist Traktor-Pulling, darum geht es hier. Das erste Traktor-Mensch-Gespann schafft es exakt 40 Zentimeter weit. Dann ist Schluss. Vorne ragen die Traktorräder in die Luft, hinten graben sich die großen Räder in den staubenden Boden. In der Luft liegt ein Geruch von Diesel. Startfahrer Sven Pankoke grinst trotzdem, macht schließlich Spaß. Sieger in dieser Klasse wird Christoph Düsterhus mit einem nostalgischen Trecker aus dem Jahr 1957, ganze zwölf Pferdestärken stark. "Langsam kommen lassen, kontinuierlich durchziehen", so einfach sei Treckerfahren, erklärt der Sieger. Er kommt aus einer Traktorliebhaber-Familie. "Jeder bei uns hat einen." Solche Traktorfans schätzt Mike Altemeier. Der Mitorganisator des Traktor-Pullings führt die knapp 500 Besucher durch den Nachmittag. "Einige ältere Modell mit 10, 12 oder 14 PS sind dabei." Die höchste Klasse hat mehr als 120 Pferdestärken unter der Motorhaube. Von Fendt und Claas bis Mercedes oder dem japanischen Exoten Kubota M7040, in Stukenbrock-Senne kommen sie alle zusammen. "Bei uns ist Aktion, hier ist Leben", resümiert Altemeier. Die Höfe würden immer größer, nur "der Trecker bleibt auf dem Hof" - gefühlt schon seit Ewigkeiten. Dort ist sein Einsatz meistens Hobby, verrät Altemeier, selbst Traktorfahrer. Beim Pulling gehe es aber auch um den eigenen Ehrgeiz. Zum "zigsten Mal" findet die Veranstaltung schon in Stukenbrock statt. Alle zwei Jahre qualmen die Trecker in der Senne, in den Jahren dazwischen richtet der Treckerclub Schöning das Pulling aus. Zum Rahmenprogramm der Veranstaltung für Fans, Kinder und solche, die es im Herzen geblieben sind, gehört eine Ausstellung der modernsten Fendt-Traktoren. An einer Stelle auf dem Gelände können Interessierte mit einem Bagger ein Loch schaufeln. Es ist keine reine Männerveranstaltung, Frauen gehören auch zum Organisationsteam. Und doch: Beim Traktor-Pulling selbst starten nur Männer. Oder eben sehr große Jungs.

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