Testflug: Das Team lässt den Quadrokopter auf der Wiese in die Luft steigen. - © Demokrat Ramadani
Testflug: Das Team lässt den Quadrokopter auf der Wiese in die Luft steigen. | © Demokrat Ramadani

Schloß Holte-Stukenbrock Hobbyfunker bauen einen Quadrocopter

Evangelisches Jugendhaus: Die Mitglieder der Funkerwerkstatt vollenden den Bau ihres ersten Quadrokopters. Das Projekt hat insgesamt neun Monate gedauert

Schloß Holte-Stukenbrock. Während seiner Zeit als ehrenamtlicher Helfer im Evangelischen Jugendhaus hört Sören Bruns jeden Dienstagnachmittag, wie aus dem hintersten Raum des zweiten Obergeschosses Bohrergeräusche nach außen dringen. "Was die da wohl wieder tüfteln", hat er sich 2013 gedacht. Das war der Anfang seiner Mitgliedschaft in der "Funkwerkstatt". Jetzt nehmen er und die anderen Teilnehmer sowie die beiden Betreuer die letzten Handgriffe an ihrem derzeitigen Projekt vor: dem selbstgebauten Quadrokopter. Es sind jeweils vier grüne und vier schwarze Rotorblätter, die sich in Bewegung setzen und dem glänzenden Aluminiumkreuz mit den drei bunten Kabeln Auftrieb verschaffen. Der erste Testflug vor wenigen Wochen hatte wenig Erfolg, weil sich bei der Verkabelung der Motoren ein Fehler eingeschlichen hatte. "Das war natürlich ärgerlich, aber gleichzeitig auch spannend, weil wir auf Fehlersuche gehen mussten", sagt Sascha Sinning, Ingenieur der Elektrotechnik und Teil des ehrenamtlichen Betreuerduos der Funkerwerkstatt. Gemeinsam mit Co-Leiter Timm Volkmann und den drei Jugendlichen Sören Bruns, Lars Meier und Julian Altemeyer steht er auf der Wiese hinter dem Evangelischen Jugendhaus und schaut stolz dem Jungfernflug des selbstgebauten Quadrokopters zu. Der 18-jährige Lars Meier hat das Steuer in der Hand, weil er selbst eine kleinere Ausgabe dieses Fluggerätes besitzt und dadurch bereits geübt im Umgang damit ist. "Es fühlt sich an, als wenn ich bei starkem Seegang auf einem Schiff ein Tablett mit vier Weingläsern balanciere", sagt er, und alle lachen. Das liege daran, dass das GPS-Modul noch nicht richtig funktioniere. "Dieses sorgt dafür, dass der Quadrokopter haarfein ausbalanciert ist und mühelos in der Luft schweben kann", erklärt Julian Altemeyer. Daran müsse noch getüftelt werden. Vor einem Dreivierteljahr begann das Team mit der Arbeit. Auch rechtliche Fragen wurden geprüft. Zwar bedarf es für das Fliegen "unbemannter Luftfahrtgeräte" keine Genehmigung. Dies gelte aber nur für den nichtgewerblichen Einsatz von Geräten unter fünf Kilogramm. Außerdem dürfe nur in Sichtweite geflogen werden. Im Anschluss daran haben die Jugendlichen die Bestandteile ermittelt. "Über das Internet und besonders über die Video-Plattformen kommt man gut an die Infos heran", sagen die ehemaligen Gymnasiasten. Vier Motoren, ein Akku, ein Aluminiumgestell, ein Steuermodul mit vier Sensoren, einen Empfänger für die Fernbedienung, ein GPS-Modul sowie rote, schwarze und gelbe Kabel sind dafür angeschafft worden. Finanziell unterstützt werden die Tüftler einerseits vom Evangelischen Jugendhaus und andererseits vom Ortsverein "N37" des "Deutschen Amateur Radio Clubs" (DARC). So sei sichergestellt, dass die Teilnahme für die Jugendlichen kostenlos ist. In akribischer Detailarbeit von wöchentlich zwei Stunden ist schrittweise die Drohne gebaut worden. "Wir sagen ungerne Drohne dazu", erklärt Timm Volkmann. Der Begriff sei nämlich negativ besetzt. Dies hänge zum einen mit den Berichten über den Einsatz militärischer Drohnen zusammen. Andererseits kämen unter diesem Schlagwort die zivilen Hobby-Fluggeräte derzeit in Verruf. Anfang August war zu lesen, dass ein vollbesetzter Airbus über München nur mit Glück dem Zusammenstoß mit einer Drohne entkommen sei. "Weil Quadrokopter auch mit Kameras ausgestattet werden können, haben viele Leute Angst, dass dadurch ungewollte Aufnahmen möglich sind", sagt Timm Volkmann. Die Tüftler von der Funkerwerkstatt seien an solchem Schabernack nicht interessiert, deshalb sind sie sicher, dass es zu keinen Beschwerden kommen werde. Volkmann: "Wir haben nur Augen für die Technik."

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