Elisabeth und Manfred Büngener sind beim Neujahrsempfang von Joachim Gauck im Schloss Bellevue dabei. - © Johannes Hülstrung
Elisabeth und Manfred Büngener sind beim Neujahrsempfang von Joachim Gauck im Schloss Bellevue dabei. | © Johannes Hülstrung

Schloß Holte-Stukenbrock Drei Bürger aus SHS beim Neujahrsempfang des Bundespräsidenten

Joachim Gauck ehrt am Freitag das Ehepaar Manfred und Elisabeth Büngener sowie Ralf Heibrok für ihr Engagement

Johannes Hülstrung

Schloß Holte-Stukenbrock. Rund 70 Bürger aus ganz Deutschland sind jährlich zum Neujahrsempfang des Bundespräsidenten ins Schloss Bellevue nach Berlin eingeladen. In diesem Jahr sind gleich drei aus Schloß Holte-Stukenbrock dabei. Das Ehepaar Manfred und Elisabeth Büngener sowie Ralf Heibrok treten am Freitag um 10 Uhr dem deutschen Staatsoberhaupt Joachim Gauck entgegen. Natürlich nicht ohne Grund. Der Bundespräsident und seine Lebensgefährtin Daniela Schadt bedanken sich laut Bundespräsidialamt bei ausgewählten Bürgern, "die sich um das Gemeinwohl besonders verdient gemacht haben". Dazu gehören auch die Büngeners. Die Besonderheit: Jeder hat eine eigene Einladung für seinen jeweils individuellen Einsatz erhalten. "Ich hätte meine Frau sonst natürlich auch mit nach Berlin genommen, aber dann wäre sie nicht beim Empfang dabei gewesen", sagt Manfred Büngener. Er wird als ehrenamtlicher Vorsitzender des Fördervereins der Dokumentationsstätte Stalag 326 geehrt, die sich im ehemaligen Amtsgebäude des gleichnamigen Kriegsgefangenenlagers befindet. Von der Arbeit des Fördervereins konnte sich der Bundespräsident bei seinem Besuch der Dokumentationsstätte im Mai 2015 selbst ein Bild machen. "Dieser Besuch wird sehr wahrscheinlich etwas mit meiner Einladung zu tun haben", sagt Büngener. Ihm ist aber wichtig, dass er nicht nur für die Dokumentationsstätte ehrenamtlich tätig sei. Seit seiner Pensionierung im Jahr 2000 schreibt der frühere Rektor der Hauptschulen in Stukenbrock und danach in Schloß Holte für die jährlich erscheinende Stadtchronik. "Ich bin täglich jeweils etwa zwei Stunden mit dem Stalag und mit der Chronik beschäftigt", sagt Büngener. Außerdem saß er lange Jahre für die CDU im Rat sowie im Haupt- und Finanzausschuss. Seine Frau Elisabeth wird unter anderem für ihren Einsatz im Schulchor der katholischen Grundschule gewürdigt, den sie von 1984 bis September 2015 leitete. Darüber hinaus sei sie "langjährig im kirchlichen, sportlichen und politischen Bereich engagiert", heißt es in der offiziellen Mitteilung des Bundespräsidialamts. Elisabeth Büngener erklärt: "Die Weihnachtsaufführungen und die Vorbereitung der Familiengottesdienste in der Gemeinde St. Johannes Baptist sowie der zweimalige Aufbau einer Leichtathletik-Abteilung beim FC Stukenbrock gehören unter anderem dazu." Neben den Büngeners ist auch Ralf Heibrok zu Gast im Schloss Bellevue - gemeinsam mit Werner Klein aus Lemgo. Die beiden Schornsteinfeger sind Gründer und Organisatoren der "Glückstour". "Wir fahren mit dem Fahrrad verschiedene Touren und sammeln dabei Geld für krebskranke Kinder", sagt Heibrok. 1,5 Millionen Euro sind insgesamt zusammengekommen. Der Erlös wurde jedes Jahr kontinuierlich gesteigert. Bei der zehnten Auflage 2015 erradelten die Teilnehmer auf der Strecke von Iserlohn nach Dresden eine Rekordsumme von 145.000 Euro. "Die Aufregung steigt" Bei Joachim Gauck will Heibrok in Schornsteinfeger-Montur auftreten - und natürlich nicht mit leeren Händen. Er wird ihm ein Bild des Künstlers Herman Reichold überreichen, der seit einigen Jahren für jede Glückstour eine Art Logo entwirft. "1/100" ist unten links in kleiner Schrift zu lesen. "Da der Bundespräsident für uns ein sehr wichtiger Mann ist, bekommt er natürlich das erste der auf 100 Stück limitierten Bilder", erklärt Ralf Heibrok. Elisabeth Büngener hat als Gastgeschenk Noten und Texte ihrer selbst geschriebenen Lieder vorbereitet. Ihr Mann bringt dem Bundespräsidenten den Aufsatz "Das Stalag 326 (VI K) Senne: Das Erbe der Kriegsgefangenschaft 70 Jahre nach Kriegsende" von Laura Maria Niewöhner mit, einer Mitarbeiterin der Dokumentationsstätte. Der Aufsatz ist im Heimat-Jahrbuch 2016 des Kreises Gütersloh erschienen und bezieht Gaucks Besuch ein. Ralf Heibrok wurde von einem Kollegen aus Bayern für den Neujahresempfang vorgeschlagen. "Das kann jeder nur einmal im Leben machen", sagt Heibrok. Die Büngeners wissen dagegen nicht, wer sie vorgeschlagen hat. "Das ist für uns aber auch nicht wichtig", sagen sie. Dass in diesem Jahr gleich drei Bürger aus Schloß Holte-Stukenbrock beim Bundespräsidenten zu Gast sind, ist Zufall. "Die Einladung erfolgt anhand der Tragweite des jeweiligen Engagements. Regionale Proporzerwägungen sind nicht ausschlaggebend", sagt eine Sprecherin. Bereits am Donnerstagvormittag sind die Schloß Holte-Stukenbrocker nach Berlin aufgebrochen; die Büngeners mit dem Zug, Ralf Heibrok und seine Frau im Auto. Am Abend gab es die erste Durchlaufprobe. "Die Aufregung steigt", verrät Elisabeth Büngener. Ihr Mann sieht das etwas lockerer: "Bei mir kommt das Kribbeln erst, wenn ich vor dem Bundespräsidenten stehe."

realisiert durch evolver group