Bildanalyse von Stalag-Fotos: Jennifer Farber (v.l.), Brigitte Barz, Carola Pilska, Christa Labudda, Stephan Sagurna, Prof. Rainer Poppinghege, Sandra Starke analysierten in einem Workshop von Olga Ohly Fotografien des Stalag-326-Lagerarztes Hugo Lill auf der Fachtagung "NS-Fotografie" in Haus Neuland. - © Sibylle Kemna
Bildanalyse von Stalag-Fotos: Jennifer Farber (v.l.), Brigitte Barz, Carola Pilska, Christa Labudda, Stephan Sagurna, Prof. Rainer Poppinghege, Sandra Starke analysierten in einem Workshop von Olga Ohly Fotografien des Stalag-326-Lagerarztes Hugo Lill auf der Fachtagung "NS-Fotografie" in Haus Neuland. | © Sibylle Kemna

Schloß Holte-Stukenbrock Historiker werten Stalag-Bildmaterial aus

NS-Fotografie: Fachtagung im Haus Neuland bietet viele Anregungen für Neukonzeption der Dauerausstellung in der Gedenkstätte Stalag 326

Sibylle Kemna

Schloß Holte-Stukenbrock. Im nächsten Jahr soll die Ausstellung in der Dokumentationsstätte Stalag 326 neu konzipiert werden. Zur Vorbereitung trafen sich 35 Experten am Wochenende zur Fachtagung "NS-Fotografie" im Sennestädter Haus Neuland. Historiker und Gedenkstättenpädagogen, Archivare und Fotografen aus ganz Deutschland waren von der Dokumentationsstätte, in der die Geschehnisse in dem Kriegsgefangenenlager Stalag 326 aufgearbeitet werden, eingeladen worden zum Austausch und zur Diskussion über die Fotografie während des Zweiten Weltkriegs. In drei Vorträgen gaben Forscher Impulse für die Auseinandersetzung. Sebastian Kindler aus Berlin berichtete über den Kriegsfotografen Benno Wundshammer und die deutschen Propagandakompanien. Sandra Starke aus Berlin forscht über Fotoalben aus dem zweiten Weltkrieg unter dem Fokus "Fremde im Visier". Jörg Osterloh aus Frankfurt referierte über Fotografien aus "Russenlagern" in Deutschland 1941/42 unter dem Titel "Der Feind im "Weltanschauungskrieg hinter Stacheldraht." In drei Workshops setzten sich die Teilnehmer intensiv mit der Kriegsfotografie auseinander. Holger Obarius leitete die Arbeitsgruppe "Würde versus Beweis", Armin Kille von der Universität Köln lud zur näheren Betrachtung von Fotos in Feldpostbriefen deutscher Soldaten, Olga Ohly, ehrenamtliche Mitarbeiterin der Dokumentationsstätte Stalag 326, zur Analyse der Fotos des Stalag-Lagerarztes Hugo Lill. Dieser hatte 1941 im neu entstehenden "Russenlager" in Stukenbrock-Senne eine Diaserie von 53 Farbfotos gemacht, die Teil der bestehenden Dauerausstellung sind. In der Neukonzeption soll jedoch viel stärker als bisher hinterfragt werden. "Was ist sein Selbstbildnis, was möchte er zeigen", fragt Organisatorin Victoria Evers. Die Perspektive des Fotografen, dessen Bilder erst 1987 in der NW das erste Mal veröffentlich wurden, soll deutlich werden. Bei der Analyse einiger Lill-Bilder wurde klar, dass diese in der Regel inszeniert wurden und das Elend im Lager nicht etwa dokumentieren, sondern oft das Gegenteil suggerieren sollen. So zeigt ein Foto sauberes Nachtgeschirr, in ordentlicher Reihe aufgestellt auf grüner Wiese und einen verschämt lachenden Gefangenen, den der Fotograf offenbar aufgefordert hat, sich auf einen dieser Nachttöpfe zu setzen - ohne die Hose herunter zu lassen. In der Hand hält er offenbar ein Stück Brot. "Das hat er wahrscheinlich als Belohnung bekommen", mutmaßte Carola Pilska, Gedenkstättenpädagogin aus Sandbostel. Die Fachtagung bot viele Impulse und Anregungen, da waren sich die Teilnehmer einig. Referate, Diskussionsbeiträge und Bildanalysen boten einen Blick in das Umgehen mit Lagerfotos in anderen Gedenkstätten und helfen bei der Neukonzeption in Stukenbrock-Senne.

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