Pointiert und engagiert: So sangen die gebürtigen Russen des Gütersloher Chors "Russkaja Duscha" gefühlvolle russische Volkslieder. Sie traten in der Aula der Katholischen Grundschule auf. - © Sibylle Kemna
Pointiert und engagiert: So sangen die gebürtigen Russen des Gütersloher Chors "Russkaja Duscha" gefühlvolle russische Volkslieder. Sie traten in der Aula der Katholischen Grundschule auf. | © Sibylle Kemna

Schloß Holte-Stukenbrock Benefizkonzert zugunsten der Dokumentationsstätte Stalag 326

Lieder voller Dynamik und Brillanz

Sibylle Kemna

Schloß Holte-Stukenbrock. Zarte Kinderstimmen und kraftvolle russische Weisen begeisterten am Sonntag die rund 100 Besucher des Benefizkonzertes für die Dokumentationsstätte Stalag 326 in der Aula der Katholischen Grundschule Stukenbrock. Beide Chöre waren im Frühjahr zusammen im Stalag aufgetreten, und dabei hatten Oliver Nickel und Manfred Büngener die Idee entwickelt zu diesem Benefizkonzert. Und sie zündete: Etwa 100 Menschen kamen in die Aula, um die "kleinen Stadtsänger" und den Chor "Russkaja Duscha" zu erleben. Den Auftakt machten zu Beginn und nach der Pause jeweils die kleinen Sänger der Grundschule unter der Leitung von Elisabeth Büngener, die verkündete, dass dieses wirklich ihr letztes Konzert sei für den Schulchor, den sie seit 31 Jahren leitet. Fröhlich und voll bei der Sache sangen die 36 Schülerinnen und Schüler Lieder, die Büngener komponiert und getextet hat, wie "Komm, mach mit" oder "Wir wollen Frieden auf dieser Erde." Bewegend war auch das Lied "Charlie Hebdo", in dem die Kinder Mut beschwören, "Gesicht zu zeigen" und auch die "Freunde in Russland" zum gemeinsamen Gestalten der Welt aufrufen. Die Sängerinnen und Sänger von "Russkaja Duscha" beklatschten gerührt den Auftritt des Nachwuchses, um dann die Besucher einzuladen auf eine kulturelle und musikalische Reise durch Russland. Mit großer Stimm- und Strahlkraft bezauberten die 16 Frauen und vier Männer, die wie Leiterin Irina Hörner in Russland geboren wurden, das Publikum und bereiteten ihm einen wahren Hörgenuss. Hörner dirigierte nicht nur sehr engagiert, sie sang selbst auch mit und bereicherte so den Chorklang. Die klassischen und volkstümlichen Lieder auf Russisch erzählen zumeist eine Geschichte, die eine charmante Moderatorin einleitend erzählte. Sie handeln von glücklicher oder unglücklicher Liebe oder beschwören malerische Landschaften, wie das melancholische Volkslied "Ach, du breite Steppe", das der Chor mit großer Ehrfurcht und tiefem Gefühl sang. Jedes Mitglied des Chors brachte sich selbstbewusst ein und mancher übernahm auch mal solo einen Part. Gebannt verfolgten die Zuhörer, wie die Sänger auch leise Passagen gekonnt wiedergaben, um dann in den sich anschließenden, rhythmisch anspruchsvollen Teilen kraftvoll und präzise ihre Stimme einzusetzen. Dabei kamen auch die Besucher in Schwung, die begeistert mitklatschten und versuchten, das schnell ansteigende Tempo zu begleiten. Voller Dynamik und Brillanz waren auch die Lieder im zweiten Teil, den die Sänger in volkstümlichen Trachten vortrugen. Besonders begeisterten sie mit den bekanntesten russischen Volksliedern, "Katjuscha" und dem überschäumenden "Kalinka". Ein wunderschöner Nachmittag, der nicht nur der Musik huldigte und Freude verbreitete, sondern auch dem Frieden und der Völkerverständigung gewidmet war. In diesem Sinne wird er auch weiter wirken, indem die Dokumentationsstätte die Einnahmen dafür einsetzt.

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