Schloß Holte-Stukenbrock / Bad Oeynhausen Die KZ-Karriere eines SS-Mannes aus Bad Oeynhausen

Historiker stellt Biographie über Arnold Büscher vor, der Schindlers Liste entgegennahm

Sibylle Kemna

Schloß Holte-Stukenbrock. KZ-Lagerleiter Amon Göth hat traurige Berühmtheit erlangt als sogenannter Schlächter von Plaszów. Doch wer war sein Nachfolger, der Ostwestfale Arnold Büscher? Informationen zu diesem Mann vermittelte Historiker Christoph Kreutzmüller während eines Vortrags in der Dokumentationsstätte Stalag 326. "Von Bad Oeynhausen nach Plaszów" hatte Kreutzmüller, der in Berlin das Haus der Wannsee-Konferenz leitet, seinen Vortrag genannt. In Rehme bei Bad Oeynhausen wurde Arnold Büscher 1899 geboren als Sohn eines Kolonialwarenhändlers. 1917 wurde er zum Kriegsdienst eingezogen und offenbar nachhaltig traumatisiert. "Er gehörte zur ,Lost generation?, die gut töten, aber nicht leben lernten", erklärte Kreutzmüller. So wurde Büscher Kleinkrimineller und saß im Gefängnis wegen Diebstahls, Betruges und Hehlerei. 1931 trat er in die NSDAP und ihre Schutzstaffel (SS) ein, in der er zunächst befördert wurde zum SS-Untersturmführer. Doch dann fühlte er sich offenbar bei Beförderungen übergangen und machte von 1935 bis 1939 Karriere bei der Volksfürsorge, wo er bis zum Filialleiter in Bitterfeld aufstieg. "Wieso ist er denn vom Versicherungsmann wieder zur SS gekommen?", das wollte ein Zuhörer nach dem Vortrag wissen. Christoph Kreutzmüller erklärte, dass Büscher zur letzten Generation gehört habe, die 1939 eingezogen worden sei. "So ist er zufällig da wieder reingeraten, aber er wurde aufgrund seines Offiziersranges nicht ins Feld geschickt, sondern zur KZ-Verstärkung eingezogen", sagte der Historiker. So begann Arnold Büschers Karriere innerhalb der Konzentrationslagerstruktur. Von Flossenburg ging es nach Sachsenhausen, Buchenwald, Mauthausen und Neuengamme. Er avancierte vom Wachmann zum Zugführer, bis er 1944 Schutzhaftlagerleiter im KZ Plaszów in der heutigen Ukraine wurde. "Er war ehrgeizig und wollte nach oben", erklärte Kreutzmüller. Dass Büscher nach dem Krieg seine Unschuld betonte und in einem Brief erklärte, er habe "alles getan, um Häftlingen das Leben zu retten", fanden die Zuhörer des Vortrags "äußerst zynisch". Denn dem KZ-Aufseher wurde von der SS bescheinigt, dass er sich "durch besonderen Eifer" auszeichne und nur "manchmal über das Ziel hinaus" schoss. "Wie sich das für Häftlinge auswirkte, mag man sich gar nicht vorstellen", sagte Kreutzmüller. Nach der Entlassung des Kommandanten Amon Göth im Sommer 1944 übernahm Büscher das Lager als Kommandant. In dieser Funktion nahm er Schindlers Liste an. Oskar Schindler schaffte es, bei der Verlagerung seiner Fabrik in das Sudetenland fast alle seine jüdischen Arbeiter mitzunehmen und rettete so mehr als 1.100 Menschen das Leben. "Das ist Ironie des Schicksals: Wegen Schindlers Liste gab es so viele Zeugen gegen Büscher", berichtete Kreutzmüller. Zwar sei dieser nicht so ein Sadist gewesen wie Amon Göth und die schlimmsten Übergriffe hätten unter seiner Lagerleitung aufgehört, doch wurde das KZ auch bald darauf aufgelöst, weil die rote Armee anrückte. Arnold Büscher habe 120 Menschen in einen Waggon gestopft, der schon mit 80 überladen war, berichteten Zeitzeugen. Für seine Taten im KZ Plaszów wurde er im Januar 1949 zum Tode verurteilt.

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