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Platz für Flüchtlinge: Das ist die Notunterkunft auf dem Gelände der Polizeischule in Selm. Dort wird emsig – auch sonntags – am Auf- und Innenausbau der Zelte gearbeitet. - © Tobias Weckenbrock/Ruhrnachrichten
Platz für Flüchtlinge: Das ist die Notunterkunft auf dem Gelände der Polizeischule in Selm. Dort wird emsig – auch sonntags – am Auf- und Innenausbau der Zelte gearbeitet. | © Tobias Weckenbrock/Ruhrnachrichten

Schloß Holte-Stukenbrock Polizeischule wartet noch auf Flüchtlinge

Bau der Flüchtlingseinrichtung in Schloß Holte-Stukenbrock noch nicht begonnen / Selm in Endphase

Sina Wollgramm
27.08.2015 | Stand 26.08.2015, 20:58 Uhr

Schloß Holte-Stukenbrock. 1.000 Menschen sollten ursprünglich Ende diesen Monats Zuflucht auf dem Gelände der Polizeischule finden. In eigens für sie errichteten Unterkünften mit Zeltdach. Während sich die Arbeiten in Selm auf der Zielgeraden befinden, läuft die Planungsphase in Schloß Holte-Stukenbrock jedoch noch an den Schreibtischen. Beide Städte wurden zeitgleich als Standort für eine Flüchtlingsunterkunft bekanntgegeben. Noch ist auf dem Gelände in Schloß Holte-Stukenbrock nichts passiert. Begonnen werden soll schnellstmöglich. Vor welchen Aufgaben das Planungsteam steht und warum es in Schloß Holte-Stukenbrock länger dauert als in Selm, hat die NW nachgefragt. Hilfsangebote aus der Bevölkerung liegen schon vor, der erste bauliche Schritt in Richtung Flüchtlingsunterkunft ist hingegen noch nicht gemacht. Die Bezirksregierung Detmold steht mit ihren Partnern vor hohen Herausforderungen. Um nur einige zu betiteln, nennt Andreas Moseke, Pressesprecher der Bezirksregierung Detmold, die folgenden: "Es müssen Erdarbeiten durchgeführt werden. Stellenweise muss Schotter gelegt werden. Planungsrechtliche Aspekte müssen berücksichtigt werden. Zuleitungen wie Abwasserkanäle müssen geschaffen werden. Diese Infrastruktur fehlt komplett und muss erst hergestellt werden. Es muss ein Zaun errichtet werden, Anlagen müssen geliefert und aufgestellt werden, und der Betreiber muss sich schließlich einrichten." Die baulichen Voraussetzungen würden sich von denen in Selm unterscheiden. Derzeit sitze das Team daran, die Planungsphase abzuschließen und in die Umsetzungsphase überzugehen. Dabei sind Fragen zu klären wie: "Welches ist die richtige Reihenfolge? Welcher Schritt folgt auf welchen und was soll wo stehen?" Dass die Zeit im Nacken sitzt, spüre man, "der Auftrag lautet, die Unterkünfte so schnell wie möglich zu errichten", sagt Moseke, und das versuche man auch. Abschätzen, wann genau es mit der Errichtung los geht und wann die Unterkunft bezugsfähig sein wird, kann Moseke nach aktuellem Stand noch nicht. "Wir denken hier aber in Wochen und nicht in Monaten." In Selm ist man unterdessen um einiges weiter. Dort liegt man laut Sprecher der Landespolizei für Ausbildung, Victor Ocansey, in den Endzügen. Zwar haben beide Unterkunftsstandorte einen anderen Betreiber, man werde jedoch "den Kontakt nach Selm suchen, um von dort gemachten Erfahrungen zu profitieren", sagt Andreas Moseke. Während in Selm das Deutsche Rote Kreuz als Betreiber eingesetzt ist, wird diese Aufgaben in Schloß Holte-Stukenbrock die Organisation European Homecare aus Essen übernehmen (¦ Info). Für die Polizeischule hat eines bei aller Planung oberste Priorität: "Die Ausbildung der Polizisten darf nicht in Mitleidenschaft gezogen werden", sagt Ocansey. So habe man bei den bisherigen Planungsschritten immer ein Auge darauf gehabt, dass die Ausbildung uneingeschränkt so fortgeführt werden kann wie bisher. Zwischen Unterkunft und Polizeischule wird außerdem ein Zaun errichtet. Wenn die Unterkunft in Schloß Holte-Stukenbrock erst einmal steht, rechne man mit großer Hilfsbereitschaft. "Es gab bereits Menschen, die Sachspenden bei der Polizei abgeben wollten. Dafür ist aber noch keine Infrastruktur installiert", sagt Ocansey. Er erinnert sich an die Unterbringung von Flüchtlingen in der Turnhalle der Polizeischule in Stukenbrock-Senne im vergangenen Jahr. "Da gab es aus der Bevölkerung sehr viel Unterstützung. Viele wollten helfen und haben angerufen, um nachzufragen, was sie tun können und woran es fehlt. Es gab eine große Flut an Sachspenden. Ich bin sehr optimistisch, dass das auch jetzt wieder so ein wird."

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