Besichtigung: Oliver Nickel (Leiter der Dokumentationsstätte, hinten links) und Manfred Büngener (Vorsitzender des Fördervereins der Dokumentationsstätte Stalag, rechts) zeigen Landtagspräsidentin Carina Gödecke die Ausstellungsstücke. Außerdem wurde Gödecke über den Friedhof geführt. - © Sina Wollgramm
Besichtigung: Oliver Nickel (Leiter der Dokumentationsstätte, hinten links) und Manfred Büngener (Vorsitzender des Fördervereins der Dokumentationsstätte Stalag, rechts) zeigen Landtagspräsidentin Carina Gödecke die Ausstellungsstücke. Außerdem wurde Gödecke über den Friedhof geführt. | © Sina Wollgramm

Schloß Holte-Stukenbrock Landtagspräsidentin besucht Gedenkstätte

Carina Gödecke hat im Zuge ihrer NS-Gedenkstätten-Reise in Schloß Holte-Stukenbrock Halt gemacht

Sina Wollgramm

Schloß Holte-Stukenbrock. Es ist ein geschichtsträchtiger Ort. Ein Ort, der bald das Zuhause von hilfesuchenden Flüchtlingen werden soll. Ein Ort, der einmal 180.000 Kriegsgefangene beherbergte: das Gelände der Polizeischule Schloß Holte-Stukenbrock. Hier hat nach Joachim Gauck nun auch Landtagspräsidentin Carina Gödecke Halt gemacht, um sich die Dokumentationsstätte Stalag 326 anzuschauen. Carina Gödecke befindet sich im dritten Jahr ihrer Amtszeit als Landtagspräsidentin und hat einen Schwerpunkt ins Auge gefasst: die NS-Gedenkstätten. Um einen authentischen Eindruck von der Arbeit vor Ort zu bekommen, reist Gödecke im August zu fünf der mehr als 20 Gedenkstätten in NRW. Darunter auch zur Dokumentationsstätte Stalag in Schloß Holte-Stukenbrock. Das besondere an dieser Gedenkstätte? „Hier gibt es mit Stalag einen Ort für eine Gruppe, die wir oft vergessen, wenn wir über Kriegsgefangene sprechen, obwohl es die zweitgrößte Gruppe war: die sowjetischen Soldaten“, erklärt die Landtagspräsidentin. Sie hat bereits zahlreiche Gedenkstätten in Deutschland besucht, war jedoch das erste Mal in Schloß Holte-Stukenbrock. Die Geschichte immer wieder zu thematisieren liegt Gödecke so sehr am Herzen wie den Mitarbeitern der Dokumentationsstätte. „Wenn wir uns die aktuelle Situation anschauen, sehen wir, dass nicht erst seit diesem Jahr Flüchtlinge bei uns Hilfe suchen.“ Leider zeichne sich in der Gesellschaft ab, dass rechte Tendenzen wieder hoffähig würden. „Pegida haben wir überall im Land gesehen – wobei ich nicht alle in eine Ecke stellen will. Es gibt eine Angst vor ,den anderen’“, sagt Gödecke. „Da liegt es auf der Hand, die Erkenntnisse aus unserer gemeinsamen Vergangenheit zeitgemäß zu thematisieren.“ Ihr Besuch soll besonders eines bewirken: Aufmerksamkeit auf die Dokumentationsstätte lenken. „Ich weiß von den Mitarbeitern, dass die Menschen hier nicht immer ein ungebrochenes Verhältnis zu diesem Ort haben. Ich finde die Arbeit, die hier gemacht wird, einfach wertvoll.“ Das sieht auch Manfred Büngener so. Er ist Vorsitzender des Fördervereins der Dokumentationsstätte und zeigte sich über den Besuch der Landtagspräsidentin erfreut. „Wir haben erfahren, dass unsere Arbeit als wichtig erachtet wird und konnten unsere Anliegen vortragen“, sagt Büngener. Dazu zählten besonders die weiteren Unterstützungen in punkto Finanzierung und personelle Ressourcen. „Die Landtagspräsidentin hat uns ihre Unterstützung zugesichert. Wir sollen auch für neue Projekte Anträge stellen. Das Stellen von Anträgen macht sich aber nicht von alleine, weshalb auch über die Weiterentwicklung der personellen Situation gesprochen wurde“, berichtet Büngener. Gewünscht ist eine ganze anstelle der halben Stelle für Historiker Oliver Nickel. Feste Zusagen konnten noch nicht gemacht werden.

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