Nächstes Jahr wieder: Das Ehepaar ist auf den Geschmack gekommen und möchte 2016 eine Hüttenwanderung mit seinen Kindern machen. - © Worrech
Nächstes Jahr wieder: Das Ehepaar ist auf den Geschmack gekommen und möchte 2016 eine Hüttenwanderung mit seinen Kindern machen. | © Worrech

Schloß Holte-Stukenbrock Schloß Holte-Stukenbrocker Ehepaar hat Alpenüberquerung erfolgreich gemeistert

Grenzen erfahren

Schloß Holte-Stukenbrock. "Wenn man dort oben in den Bergen ist, besinnt man sich auf das Wesentliche", erklärt Kirsten Worrech. "Dann ist alles andere mal nicht mehr so wichtig." Sie und ihr Ehemann Jens Worrech haben die Alpen überquert und unter dem Namen "Alpin Parkour Charity" für ein Gütersloher Inklusionsprojekt Spenden gesammelt. Ende Juli erreichten sie ihr Tourenziel. Mit der Neuen Westfälischen ziehen die beiden nun Resümee. Eine Grenzerfahrung sollte es werden und eine solche ist es auch geworden. Neun Tage lang hat das Ehepaar Worrech zu Fuß auf dem Wanderweg E5 die Alpen von Oberstdorf nach Meran überquert und sich damit einer physischen und mentalen Herausforderung gestellt, die sie erfolgreich gemeistert haben. Am 22. Juli erreichten sie planmäßig ihr Ziel Meran. Weil der E5 allseits als Fernwanderweg bekannt ist, wagen viele Wanderer die Alpenroute. "Angefangen bei etwa 200 Personen auf der Kemptner Hütte, waren wir auf den letzten Hütte nur noch etwa 15 Personen", sagt Jens Worrech. Er und seine Frau Kirsten haben die klassische Variante des Fernwanderwegs gewählt - ohne Abkürzung, ohne Verlängerung. "Einige haben die kürzere Route gewählt, andere mussten aufgrund gesundheitlicher Gründe oder Selbstüberschätzung ihre Tour unter- oder abbrechen." Auch das Schloß Holte-Stukenbrocker Ehepaar denkt ab und zu daran, anstelle der mühseligen Wanderung, auf Bus oder Lift als Fortbewegungsalternative umzusteigen, - besonders dann, wenn die Sonne unerbittlich war. Auf ihrer Alpentour haben sie eigentlich Glück mit dem Wetter. Es bleibt trocken und die Sonne scheint. Doch Temperaturen von mehr als 30 Grad Celsius machen den Wanderern auch zu schaffen. "Die Hitze war manchmal schlimmer als das Erklimmen der Höhenmeter", erklärt Jens Worrech. Doch wenn das Ziel in Sicht bleibe, lasse es sich meistern. "Ist man erst mal beim nächsten Etappenziel angekommen, dann schöpft man neue Motivation für den nächsten Tag." Bei der Hochalpintour geht es um das Wandern. "Das hat etwas Meditatives", sagt Kirsten Worrech. "Man läuft oft schweigend und versteht sich trotzdem blind. Es macht einen feinfühliger." Auch anderen gegenüber, wie Jens Worrech sagt. "Man tauscht sich mit anderen Wanderern viel mehr aus, unterstützt sich gegenseitig und hilft mit Kleinigkeiten wie Wasser, einer Schmerztablette oder Traubenzucker aus." Altbekannte Strukturen des Alltags werden bei so einer Wandererfahrung aufgehoben, wie die Worrechs sagen. "Jeden morgen gab es die zwei obligatorischen Scheiben Brot mit Marmelade und eine Tasse Kaffe", sagt Kerstin Worrech. Auf der Wanderung reichen etwas Obst und Getränke. "Den Fokus auf das ständige Essen, wie wir es von zu Hause kennen, haben wir völlig zurückgeschraubt." Auch das Einteilen der Getränke wird zur mentalen Herausforderung. "Man gibt dem Bedürfnis Durst nicht gleich nach, überlegt, ob das Getränk bis zur nächsten Quelle oder zum nächsten Ziel reicht." Und man achte die Natur sehr, sagt Kirsten Worrech. Die tollen Ausblicke kann das Ehepaar aber nicht immer genießen: "Beim Aufstieg ist man viel mit sich selbst beschäftigt." Körperliche Beschwerden blieben dennoch weitestgehend aus. Ihr Tempo haben Kirsten und Jens Worrech gefunden - nicht nur beim Wandern. "Nach dem Bergfest der Tour ist man eingespielt. Die Abläufe auf den Hütten sind ähnlich organisiert." Geschlafen wird oft in Schlafsälen von etwa zehn Personen. Der Gang zum Bad gleiche eher eine Katzenwäsche, erzählt Jens Worrech. Ein Duschgang sei in der Regel auf zwei Minuten Duschzeit begrenzt. "Das läuft dann wie am Fließband. Mit einer Duschmarke steht man in Reih und Glied vor den Duschen und wartet auf zwei Minuten warmes Wasser", sagt Kirsten Worrech schmunzelnd. "Das hat eher weniger mit Komfort oder Luxus zu tun." Die gemeinsamen Abende in oder vor den Hütten mit unvergleichlichem Panoramablick seien dafür aber Entschädigung genug. Nicht nur die unberührten Naturkulissen werden den Worrechs als besondere Momente in Erinnerung bleiben, sondern auch die bemerkenswerten Begegnungen mit Menschen aus aller Welt, die sie so niemals erlebt hätten. Ob sie noch einmal eine Alpenüberquerung wagen würden? "Ja, auf jeden Fall. Vielleicht auch etwas extremer. Mir schwebt da eine Reise nach Island mit einem Zelt vor", sagt Kirsten Worrech. Nach dem spannenden Aktivurlaub, gönnt sich das Paar nun aber erst einmal eine Woche Entspannungsurlaub mit den Kindern. Im nächsten Jahr wollen sie dann aber wieder Hüttenwandern. Dieses Mal dann aber mit den Kindern. "Aktiv in der Natur zu sein ist für uns einfach eine Lebenseinstellung."

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