Der Tiger schaut zu: Walent Cerkez steht vor dem Gehege der weißen Tiger im Safaripark. Vielleicht ist es derjenige, der von der US-amerikanischen Band Bloodhound Gang im Jahr 2009 getauft wurde. - © Astrid Plaßhenrich
Der Tiger schaut zu: Walent Cerkez steht vor dem Gehege der weißen Tiger im Safaripark. Vielleicht ist es derjenige, der von der US-amerikanischen Band Bloodhound Gang im Jahr 2009 getauft wurde. | © Astrid Plaßhenrich

Schloss Holte-Stukenbrock Die Geschichte des Serengeti-Festivals aus zwei Perspektiven

Erinnerungen von Veranstalter Walent Cerkez und Fan Jens Jany

Schloss Holte-Stukenbrock. Der Vorhang wird fallen. Das steht fest. Wenn am Sonntag, 16. August, die Punkrock-Band The Offspring gegen 23 Uhr ihre letzten Akkorde gespielt haben wird, geht auch die Geschichte des Serengeti-Festivals zu Ende. Seit 2006 haben sich nationale und internationale Musikgrößen wie Seeed, Biffy Clyro, Jan Delay, Bloodhound Gang oder Dog eat Dog in Schloß Holte-Stukenbrock die Klinke in die Hand gegeben. Es wird also Zeit, auf die ereignisreichen Jahre zurückzublicken. NW-Mitarbeiterin Astrid Plaßhenrich hat sich die Serengeti-Geschichte aus zwei Perspektiven erzählen lassen. Festivalveranstalter Walent Cerkez gibt viele Anekdoten preis, die hinter den Kulissen abgelaufen sind. Jens Jany ist bei allen bisherigen neun Serengetis dabei gewesen – als Besucher. Auch die zehnte Auflage wird er nicht verpassen. Der 36-Jährige erinnert sich an geniale Acts und großartige Zeltpartys.„Caputo wurde in der Turnhalle tätowiert“ Backstagestorys von Serengeti-Macher Walent Cerkez 20. Mai 2006 „Das war unsere Jungfernfahrt. Das Festival ist aus einer Schnapsidee entstanden, weil es zu dem Zeitpunkt das Holter Meeting nicht gab. Dog eat Dog und Tito & Tarantula waren bei meiner Agentur unter Vertrag. Das Restprogramm ist um diese beiden Bands entstanden. Als es dann auf der Wiese am Hallenbad losging, gab es ein heftiges Wetterchaos. Wir mussten das Gelände wegen der tennisgroßen Hagelkörner und Tornadoausläufer einmal komplett räumen und haben gleichzeitig darüber nachgedacht, das Festival abzubrechen. Die H-Blockx waren aus Münster noch gar nicht losgefahren. Ich habe dann deren Sänger Henning Wehland angerufen. Die Jungs haben dann aber nur gesagt: ,Wir fahren jetzt los und entscheiden dann vor Ort. Wenn tatsächlich alles abgesagt werden muss, verzichten wir auf unsere Gage und trinken stattdessen zusammen ein Bier.’ Glücklicherweise wurde das Wetter dann besser. Die Leute kamen wieder, hatten sich Getränke und neue Klamotten gekauft. Als Henning auf die Bühne kam, goss er sich aus Solidarität zu dem klitschnassen Publikum eine Flasche Wasser über den Kopf. Danach war es eine große Party.“ 22. und 23. Juni 2007 „Im zweiten Jahr haben wir das Festival auf zwei Tage erweitert. Mit Juli, Life of Agony oder Extrabreit war das Line-up sehr gemischt. The BossHoss haben die meiste Zeit im Vip-Bereich abgehangen und mit den Gästen Bier getrunken. Der Sänger von Life of Agony, Keith Caputo, hat sich dagegen von einem Star-Tätowierer Schmetterlinge auf den Arm tätowieren lassen – in der Umkleidekabine der Realschulsporthalle. Die diente damals als Künstlergarderobe. Ein echt lustiger Vogel.“ 27. und 28. Juni 2008 „Wir hatten ein recht poppiges Programm. Das besondere war, dass Revolverheld zur Fußball-EM mit Helden 2008 die offizielle DFB-Hymne hatte. Die Jungs haben samstags, einen Tag vor dem Finale Deutschland gegen Spanien, bei uns gespielt. Sänger Johannes Strate ist mit gebrochenem Bein und Deutschlandtrikot aufgetreten. Da hatten wir dann richtige Stadionatmosphäre bei uns. Ein glückliches Händchen haben wir mit 
Volbeat bewiesen. Die sind jetzt ja megagroß. Leider haben sie kurzfristig absagen müssen, weil einen Tag zuvor der Vater von Sänger Michael Schøn Poulsen gestorben ist. Die Band hatte uns versprochen den Auftritt nachzuholen. Das ist leider nie passiert, wirklich sehr schade.“ 27. und 28. Juni 2009 „Das war ein fettes, rockiges
Line-up und wir hatten unsere erste Tiertaufe im Safaripark. Die Bloodhound Gang hat ein weißes Tigerbaby getauft. Mit Hubschrauber sind wir vom Hallenbad aus zum Safaripark geflogen. Danach hat die Band von Parkchef Fritz Wurms dessen eigenen Marille kennengelernt. Da wurde dann noch gut Party gemacht. Es war auch außergewöhnlich, dass Down bei uns aufgetreten sind. Die haben nur sehr wenige Konzerte gespielt.“ 22. und 23. Juni 2010 „In dem Jahr haben uns erneut Ausläufer eines Unwetters getroffen. Wir haben eine dicke schwarze Wolke genau auf uns zukommen sehen. Ausgerechnet da hat auch noch diese megadüstere Band Paradise Lost gespielt. Es war echte Weltuntergangsstimmung. Wir haben die Show dann zehn Minuten früher abgebrochen. Das Positive an der Geschichte war, dass der gesamte Platz nach dem Sturm sauber war, weil der ganze Müll an die Abgrenzung zur Bühne hingeflogen und dort liegen geblieben ist. Der Aufräumtrupp war dann ruckzuck fertig.“ 21. bis 23. Juli 2011 „Es war das erste Mal, dass das Festival auf dem Gelände am Safaripark stattfand. Wir mussten handeln, weil es immer größer wurde. Um die Genehmigungen zu bekommen, haben wir einen echten Behördenmarathon durchlaufen. Das war teilweise sehr zermürbend. Was ich da alles über die heimische Botanik und Tierwelt erfahren habe. Wahnsinn! Wir waren schon sehr bedacht, dass alles sehr, sehr gut klappt. Denn wir sind immer schon perfektionistisch unterwegs. Aber es war eine große Herausforderung. Dort liegt ja weder Strom noch Wasser. Da hatten wir auch ein glückliches Händchen beim Booking: Kraftklub hat Samstagmittag das Festival eröffnet. Ein Jahr später waren sie schon Headliner.“ 20. bis 22. Juli 2012 „Deichkind hat ein kleines Dromedar auf den Namen Sultan Günther getauft. So heißt jetzt auch ihr Plattenlabel. Die Taufe hat also bleibenden Eindruck hinterlassen. Maximo Park haben wir zum Soundcheck überall gesucht und schließlich im Safaripark gefunden. Die haben sich wie die kleinen Kinder gefreut, dass das Festival neben einem Vergnügungspark ist.“ 19. bis 21. Juli 2013 „Weil der Zeltplatz 2012 ausgebucht war, mussten wir mit ihm neben den Parkplatz des Safariparks umziehen. Das war erneut ein riesiger Behördenaufwand. Jetzt mussten die Besucher 600 Meter weit laufen. Das gab schon Gemurre. Aber daran sieht man, wie sehr wir unser Publikum immer verwöhnt haben. Denn das ist im Vergleich zu anderen Festivals gar nichts. Dazu war es brutal heiß.“ 15. bis 17. August 2014 „Im vergangenen Jahr hatten wir sehr, sehr großes internationales Format auf der Bühne. Biffy Clyro füllt in Großbritannien ganze Stadien. Und obwohl es relativ kalt war, haben alle Bands richtig abgeliefert. Lustig war auch der Auftritt von Lokalmatador Casper. Die Hälfte seiner Band hat bei uns in der Agentur schon ein Praktikum gemacht oder saß bei früheren Serengetis an unseren Kassen.“ 14. bis 16. August 2015 „Natürlich tut es weh, das Festival jetzt aufzugeben. Aber es ist eine Vernunftsentscheidung. Wir haben immer investiert, um unsere Kunden zufrieden zu stellen und auch in diesem Jahr ein unglaublich attraktives Programm auf die Beine gestellt. The Offspring spielt beispielsweise nur selten auf europäischen Bühnen. Unabhängig vom Programm steht eines aber schon jetzt fest: Wir werden eine geile Abschlussparty feiern.“„Bei meiner Tochter 
sind Tränen geflossen“ Jens Jany ist Stukenbrocker, dennoch schläft er auf dem Zeltplatz 20. Mai 2006 „Es war reiner Zufall, dass ich auf dem ersten Serengeti gelandet bin. Ich war erst kurz zuvor nach Schloß Holte-Stukenbrock gezogen. Eine Bekannte meiner Frau erzählte mir dann von den Festival und ich musste gar nicht lange überlegen: Wo kann man schon für 10 Euro Dog eat Dog, Tito & Tarantula und H-Blockx sehen? Trotz des Regens und der Gewitterstürme war es dann auch genial. Aber was das Wetter betrifft, bin ich auch unempfindlich. Es war ein super Auftakt.“ 22. und 23. Juni 2007 „Im zweiten Jahr war schon wesentlich mehr los. Ich hatte das Gefühl, dass gleich doppelt so viele Besucher gekommen sind. The BossHoss kannte ich damals noch gar nicht. Mit hatte vor allem Life of Agony gereizt. Extrabreit hatten ihre besten Jahre schon hinter sich, aber die waren auch richtig lustig.“ 27. und 28. Juni 2008 „Leider konnte ich 2008 nur am Freitag. Als Koch musste ich samstags arbeiten. Aber in dem Jahr hatten mein Kumpel Philipp Kontermann und ich erstmals die Idee, mit Schottenröcken zum Serengeti zu gehen. Das machen wir seitdem jedes Jahr. Inzwischen sind wir immer sechs Leute, die in Kilts auf dem Festivalgelände rumlaufen. Dadurch werden wir von vielen wiedererkannt – auch von den Securityleuten.“ 27. und 28. Juni 2009 „Wir kamen damals auf den Platz als gegen 20 Uhr Anthrax spielte. Das waren wir sofort in Feierlaune. Soulfly wollte ich unbedingt sehen. Die Band wurde von Max Cavalera gegründet, der zuvor bei Sepultura gespielt hatte. Die haben damals auch richtig gute Stimmung gemacht. Die Show der Bloodhound Gang war auch extrem. Bassist Evil Jared Hasselhoff hat eine Flasche Jägermeister auf Ex geleert. In dem Jahr fanden wir selbst aber auch den Longdrink-Wagen super. Die Becher waren unter der Theke angebracht. Wenn der Barkeeper mit der flachen Hand darauf haute, sprangen die Gläser hoch. Wir haben uns das dann so oft angeguckt, bis es keinen Southern Comfort mehr gab.“ 22. und 23. Juni 2010 „Vor fünf Jahren sind Flogging Molly das erste Mal aufgetreten – das war mit das beste in all den Jahren. Deren Gitarrist Dennis Casey zieht jeden mit. Das war eine geile Party. 
Subway to Sally waren auch richtig gut. Skindred kannte ich bis dahin noch nicht, aber die gehören seitdem einfach zum Serengeti dazu. Der Sänger geht sowas von ab. Enttäuscht war ich hingegen von Paradise Lost. Von denen hatte ich mir richtig viel versprochen. Aber die haben lustlos gespielt. Wir waren echt froh, als dieser Auftritt vorbei war. Seitdem habe ich die auch kein einziges Mal wieder gehört. Das Gegenteil ist mir dann mit Mr. Irish Bastards passiert. Die kannte ich auch nicht, inzwischen habe ich mir alle CDs geholt. Ein echter Knaller.“ 21. bis 23. Juli 2011 „In dem Jahr haben wir uns das erste von zweimal VIP-Tickets geleistet...

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