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Schloß Holte-Stukenbrock Grenzerfahrung für den guten Zweck

Kirsten und Jens Worrech überqueren die Alpen und sammeln Spenden für Inklusionsprojekt

Theresa Feldhans
27.06.2015 | Stand 26.06.2015, 21:27 Uhr

Schloß Holte-Stukenbrock. Was packt man in einen Rucksack, wenn man zwölf Tage lang zu Fuß die Alpen überquert? "10 bis 12 Kilogramm sollte er maximal wiegen", erklärt Jens Worrech. Das bedeutet für ihn und seine Frau Kirsten auf das eine oder andere "Luxus"-Utensil verzichten zu müssen, wenn sie am 13. Juli ihre Reise auf dem Fernwanderweg E 5 von Oberstdorf nach Meran starten. "Eine Herausforderung, die wir mit einem guten Zweck verbinden wollen", sagt Worrech. "Parkour-Parents go Alpin" nennt das sportbegeisterte Ehepaar seinen Charity-Lauf, mit dem sie Geld für das Inklusionsprojekt "IncludeYou@parkour" der Stadt Gütersloh sammeln wollen. Kirsten Worrech (36) ist Erzieherin, Jens Worrech (44) Feuerwehrmann, beide bei der Stadt Bielefeld. Gemeinsam haben sie zwei Kinder - Anton (8) und Emma (7). Als Sohn Anton in einer TV-Reportage zum ersten Mal von dem "Parkour"-Sport hört, ist er begeistert und will mehr darüber erfahren. "Wir kannten diesen Sport nicht und haben erst mal im Internet recherchiert", sagt Kirsten Worrech. Beim Bauteil 5 des Jugendamts der Stadt Gütersloh wurden sie fündig. Das Projekt der Stadt Gütersloh "IncludeYou@parkour" steht unter dem Motto "Grenzen waren gestern - Hindernisse überwinden" und ist Teil eines Modellprojekts des Landes NRW. Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 20 Jahren, mit und ohne Handicap oder Migrationshintergrund treffen sich, um gemeinsam, ohne Leistungsdruck Parkour zu betreiben. Über Laufen, Springen, Klettern oder Krabbeln Hindernisse überwinden - physisch und mental: Das ist das Prinzip dieses Sports. "Er bedient sich an der natürlichen Umwelt, wie Bäume, Mauern oder Geländer", sagt Kirsten Worrech - und das immer mit Respekt ihr gegenüber. "Parkour gibt jedem die Freiheit, sich auszudrücken und seine Grenzen auszutesten", sagt Jens Worrech. Sie ermöglicht aber auch Grenzen zwischen Generationen, Kulturen und Gesellschaftsschichten zu überwinden, wie das Inklusionsprojekt in Gütersloh beweist. "Allein an unserem Sohn sehen wir, wie sehr ihn der Sport und die Gruppe bestärken", sagt Kirsten Worrech. "Niemand wird ausgelacht, wenn er etwas nicht schafft." Das außergewöhnliche soziale Engagement der Projektmitwirkenden möchten die Worrechs unterstützen. "Wir wollten immer schon eine Alpüberquerung machen", sagt Jens Worrech. Tagestouren haben die Hochalpinwanderer schon oft unternommen, eine zwölftägige Tour dagegen ist ein Novum für beide. "Die selbstfinanzierte Wanderung wird für uns eine Grenzerfahrung, bei der wir unsere Willenskraft ausloten - genauso wie man es beim Parkour tut." Aus diesem Gedanken entstand die Idee zum Charity-Lauf. "Die Spenden sollen zu 100 Prozent in die Finanzierung des Inklusionsprojekts gehen, Trainer sollen finanziell unterstützt und neue Übungsgeräte angeschafft werden", sagt Kirsten Worrech. 150 Kilometer Gesamtstrecke, 10 Etappen zwischen Oberstdorf und Meran und Tagestouren von 4 bis 9,5 Stunden liegen nun vor dem Ehepaar. Geschlafen wird auf Hütten oder in Pensionen. Nicht die Entfernung, sondern die Höhenmeter werden eine Herausforderung, da sind sie sich sicher. "Wir hoffen mit der Wanderung Vorbild für andere Eltern zu sein, uns selbst zu erden und natürlich viel Geld zusammenzubringen." Bis es los geht, trainieren sie im Holter Wald oder auf dem Hermannsweg und wandern zwischen 17 und 30 Kilometer etwa dreimal in der Woche. Immer dabei ein Rucksack, gefüllt mit Handtüchern und Wasserflaschen, die das spätere Reisegewicht simulieren. Die Worrechs führen auf der Internetseite www.www.parkour-charity.de einen Blog, in dem ihr Charity-Lauf mitverfolgt werden kann. Gespendet werden kann bis Ende August auf www.youcan2.de/project/6246.

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