Auf neuem Boden unterwegs: Elefantenkuh "Baby" kommt unter den Augen von Zooinhaber Fritz Wurms (r.) im Zoo des Safariparks an. Besitzer Stefan Frank beruhigt den Dickhäuter. - © Patrick Hermann
Auf neuem Boden unterwegs: Elefantenkuh "Baby" kommt unter den Augen von Zooinhaber Fritz Wurms (r.) im Zoo des Safariparks an. Besitzer Stefan Frank beruhigt den Dickhäuter. | © Patrick Hermann

Schloß Holte-Stukenbrock Elefant nach tödlicher Attacke in OWL

Mann nach Angriff im Odenwald gestorben / Safaripark: "Kein Tier ist von Natur aus ein Killer"

Schloß Holte-Stukenbrock. Es ist exakt 17.12 Uhr am Sonntag, als die Elefantenkuh mit dem Namen "Baby" den Boden des Zoos im Safaripark Stukenbrock betritt. Auf die ersten zaghaften Schritte folgt ein lautes Tröten, aber das Tier ist ruhig. Das war einen Tag zuvor offenbar nicht so. Denn durch einen Angriff dieses Dickhäuters war in Buchen (Odenwald) ein 65-jähriger Spaziergänger ums Leben gekommen. Das ist der Stand der Ermittlungen der Polizei. In dem Ort gastierte der Zirkus "Luna". Die Elefantenkuh brach aus ihrem Zelt aus und griff offenbar den Spaziergänger aus noch ungeklärten Gründen an. In seinem Zelt war der Elefant nicht angekettet, aber von einem Elektrozaun umgeben. Die Ehefrau des Opfers hatte nach ihrem Mann gesucht, nachdem dieser nicht nach Hause zurückgekehrt war. Rund 100 Meter vom Standort des Zirkusses entfernt fand sie den Leichnam ihres Mannes, wie die Polizei berichtet. Das Zelt, das als Quartier für "Baby" diente, sei nicht beschädigt gewesen, so die Polizei weiter. Deshalb gehen die Ermittler aktuell von Absicht oder Nachlässigkeit aus, die zur Flucht des Elefanten geführt hat. Bei ihrer Ankunft im Safaripark wurde "Baby", eine etwa 34 Jahre alte, Afrikanische-Elefanten-Kuh, von ihren Besitzern Stefan und Alexandra Frank begleitet. "Wir haben im Elefantenhaus eine Box frei, die wir für Baby vorbereitet haben", erklärte Susanna Stubbe, Sprecherin des Zoos Safaripark, auf Anfrage dieser Zeitung. Diese Box ermögliche eine sogenannte Hands-off-Haltung, die im wesentlichen auf der Freiwilligkeit der Tiere basiert. Die Pfleger halten sich dabei eher im Hintergrund. "Der Zoo Safaripark hat seit 1969 Erfahrung in der Haltung von Elefanten", betonte Stubbe. Derzeit halte der Zoo bereits drei Afrikanische-Elefanten-Kühe. "Die drei Kühe, die sich fremd waren, haben wir erfolgreich miteinander vergesellschaften können", so Stubbe. Einen ähnlichen Weg versuche man nun mit der neuen Elefantenkuh "Baby" zu gehen.Eigene Entscheidung "Wir legen Wert darauf zu sagen, dass die Übernahme des Elefanten unsere eigene Entscheidung war und es die Entscheidung der Familie Frank war, uns ihren Elefanten anzuvertrauen", betonte Stubbe. Sie wies damit zugleich Spekulationen zurück, dass Tierschutzorganisationen an dem ungewöhnlichen Transfer beteiligt waren. Die Tierschutzorganisation PETA hatte den Betreibern des Zirkusses in der Vergangenheit mehrfach nicht artgerechte Tierhaltung vorgeworfen. Stubbe sagte auf die Frage, ob man nicht Angst habe, einen "gefährlichen Elefanten" zu übernehmen: "Nein, das haben wir nicht. Wir halten nach allen Informationen, die uns vorliegen das Tier nicht für extrem gefährlich, sondern das, was geschehen ist, für einen tragischen Unglücksfall." Man wehre sich gegen den Begriff "Killer-Elefant". Stubbe: "Kein Tier ist von Natur aus ein Killer."Elefant schon zuvor aggressiv Gleichwohl soll der Elefant "Baby" auch in der Vergangenheit aggressiv gegenüber Menschen aufgetreten sein. 2010 soll er einen 24-jährigen Mann im Allgäu in die Luft geschleudert haben, der einen neun Monate alten Sohn auf dem Arm trug. Der Mann verlor durch die Attacke eine Niere, das Kind brach sich ein Bein. Auch soll "Baby" 2012 einem zwölfjährigen Jungen den Kiefer gebrochen haben. Seit vielen Jahren ist zwischen einigen Tierexperten und Zirkusbesitzern immer wieder ein Streit darüber im Gange, ob eine Haltung von Elefanten im Zirkus überhaupt sinnvoll und artgerecht ist. Die kritische European Elephant Group veröffentlicht eigene Daten, wonach in der westlichen Welt seit 1980 mindestens 53 Menschen durch Elefanten getötet und 145 zum Teil schwer verletzt wurden. Max Siemoneit-Barum, Tierschutzbeauftragter beim Circus Krone, kontert: "Wenn man dem Tier Vertrauen schenkt und Respekt, gibt es gar keinen Grund, dass es unruhig wird oder verrückt spielt."

realisiert durch evolver group