Bundespräsident: Joachim Gauck erinnert in Schloß Holte-Stukenbrock an die gestorbenen sowjetischen Kriegsgefangenen. - © Andreas Zobe
Bundespräsident: Joachim Gauck erinnert in Schloß Holte-Stukenbrock an die gestorbenen sowjetischen Kriegsgefangenen. | © Andreas Zobe

Schloß Holte-Stukenbrock Gauck erinnert
 in Stukenbrock an sowjetische Kriegsopfer

Bundespräsident lobt die Arbeit an der Gedenkstätte des Stalag 326

Von Linda Schnepel und Jens Reddeker

Schloß Holte-Stukenbrock. Für Lev Frankfurt (96) war es ein erinnerungsträchtiger Gang. Der Überlebende des Stalag 326 betrat Hand in Hand mit Bundespräsident Joachim Gauck den Ehrenfriedhof nahe des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers. 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs hat Gauck am Mittwoch in Schloß Holte-Stukenbrock (Kreis Gütersloh) an die tausenden russischen Kriegsopfer erinnert. Kurz vor Mittag traf Gauck in der Dokumentationsstätte ein und bekam einen Einblick in die Ausstellung. Bürgermeister Hubert Erichlandwehr begrüßte alle geladenen Gäste und erinnerte an das Leid von Opfern und Hinterbliebenen. Den Besuch des Bundespräsidenten wertete er als große Motivation für die Arbeit der Dokumentationsstätte des Stalag 326. Gauck gedachte in seiner Ansprache auf dem Ehrenfriedhof "eines der größten Verbrechen" im Zweiten Weltkrieg. Mehr als 310.000 Kriegsgefangene waren im Lager interniert, zehntausende wurden dort begraben. Besonders Lev Frankfurt dankte er für die Rückkehr an diesen Ort der leidvollen Erinnerung: "Es ist so etwas wie ein gnädiges Geschenk, das uns beschämt und gleichzeitig beglückt."Tragische Schicksale sowjetischer Familien Millionen Soldaten der Roten Armee seien in der Gefangenschaft zu Grunde gegangen. Von allen sowjetischen Kriegsgefangenen seien rund die Hälfte zu Tode gekommen, auch drei Prozent der gefangenen westalliierten Soldaten starben. "Wir können nur ahnen, wie viele Mütter, Ehefrauen und Kinder noch nach Kriegsende in ihrer Heimat auf die Soldaten gewartet haben", erinnerte Gauck an die tragischen Schicksale sowjetischer Soldatenfamilien. Zum Ehrenfriedhof und der Gedenkstätte in Stukenbrock-Senne sagte der Bundespräsident: "Heute lässt sich das Ausmaß dessen, was hier passiert ist, kaum mehr erkennen. Hier wurde etwas verübt mit bösem Kalkül. Wir müssen unser Herz und unsere Seele öffnen für das Gedenken."Lob an Schülerinnen und Schüler Der Bundespräsident dankte allen, die sich seit Jahren "für immer neues Bewusstmachen und Einfühlen" eingesetzt haben. Er nannte die Initiative "Blumen für Stukenbrock", die Dokumentationsstätte, den Förderverein und die "kundigen Führungen" auf dem Gelände. Persönliche Worte richtete er an den Lager-Überlebenden Lev Frankfurt und die Familie eines gestorbenen Insassen. Präsidiales Lob für den Einsatz gegen das Vergessen gab es auch für die Geschichts-AG des Gymnasiums Schloß Holte-Stukenbrock. Auch sie habe die Aufgabe übernomen, die Erinnerung weiterzutragen, hob das Staatsoberhaupt hervor. Auf dem ehemaligen Lagergelände enthüllte er eine Gedenktafel mit 900 Namen. Der Bundespräsident war am Mittwoch gegen 10.20 Uhr auf dem Flughafen Paderborn/Lippstadt gelandet und hatte sich dann in Richtung Schloß Holte-Stukenbrock auf den Weg gemacht. Der Tross des Präsidenten bestand bei der Abfahrt vom Flughafen in Büren-Ahden aus mehreren gepanzerten Autos und zwei Bussen. Für die Zeit der Landung der Präsidentenmaschine "Theodor Heuss", ein Airbus A 340, war der Flugbetrieb für Kleinflugzeuge eingeschränkt, alle anderen Flüge konnten wie geplant starten und landen. Am Nachmittag hob Gauck von Paderborn/Lippstadt aus wieder ab.

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