Wie sehen wir denn aus: Lina Berens (6) ist mit einem dunklen und einem hellen Auge zur kleinen Ziege geschminkt worden. Lina Rothenburg (9, r.) amüsiert sich beim Blick in den Spiegel ebenfalls köstlich über ihre Verwandlung zur Müllerstochter. - © Foto: Karin Prignitz
Wie sehen wir denn aus: Lina Berens (6) ist mit einem dunklen und einem hellen Auge zur kleinen Ziege geschminkt worden. Lina Rothenburg (9, r.) amüsiert sich beim Blick in den Spiegel ebenfalls köstlich über ihre Verwandlung zur Müllerstochter. | © Foto: Karin Prignitz

Schloß Holte-Stukenbrock Helen und Hannah spielen den Furlbach

200 Besucher lassen sich beim Karnevalsreiten vom Programm auf dem Hof Hachmann begeistern

Schloß Holte-Stukenbrock. Ähnlich wuselig und voll angespannter Vorfreude muss es wohl hinter den Kulissen eines Theaters zugehen. Küche und Wohnzimmer eines Hauses auf dem Hof Hachmann waren kurz vor dem beliebten Karnevalsreiten zum Umkleide- und Schminkraum umfunktioniert worden. Erfahrene und junge Reiter gingen hinein, Löwen, Köche, Tauben und Zauberer kamen wieder heraus. Ihr Programm, mit dem die Reiter die etwa 200 Besucher rund zwei Stunden begeisterten, enthielt viele Elemente, die ganz auf die Besonderheiten der Region abgestimmt waren. "Wir spielen den Furlbach", berichtete beispielsweise Helen Schniedermann. Zu erkennen war die regionale Einzigartigkeit nicht nur im Gesicht der Achtjährigen, sondern auch in dem ihrer Freundin Hannah Berens. Beide waren wasserblau geschminkt. Mit ganz viel zusätzlichem Glitzer. Denise Hachmann, von Beruf Erzieherin, und Reiterin Mandy Siegenbrink hatten alle Hände voll zu tun, die 35 Akteure für das pferdetauglich umgeschriebene Märchen "Der gestiefelte Kater" mit viel Farbe und Liebe zum Detail zu verwandeln. "Wir schminken drauf los und gucken, was passen könnte", erzählt Denise Hachmann, während unter ihren geschickten Fingern die sechsjährige Lina Berens zur kleinen Ziege mit einem dunklen und einem hellen Auge wird. Franziska Gees ist bereits fertig. Dunkle Bartstoppeln zieren Kinn und Wangen. "Ich spiele den Müller, der nach drei Minuten stirbt", berichtet die Elfjährige von ihrem kurzen, aber umso effektvolleren Auftritt. Ein Graf von und zu den Emsquellen wird sich später ebenfalls hoch zu Ross und zur Musik bewegen, Tauben werden Körner und sogar Doppelkörner suchen. Natürlich gibt es auch einen Zauberer. Amelie Venne (10) trägt bereits ihren riesigen Hut, den weiten Umhang und einen schwarzen Blitz auf der Stirn. Aus Lina Rothenburg (9) wird die kluge Müllerstochter. Viktoria Nieder (14) hat als Koch jetzt "das gewisse Etwas eines Mannes". Was genau das ist, könnte nur Max Wittreck beantworten. Der 14-Jährige ist der einzige männliche Teilnehmer und damit Hahn im Korb. Seit sieben Jahren reitet er, weil er auf diese Weise besonders gut abschalten kann. Dass er überwiegend von Mädchen umgeben ist, macht ihm gar nichts aus. "Ist schon okay." Klar, dass er Marie beim Schürzezubinden hilft. Hausherrin Annette Hachmann, mit ihrer blauen Perücke kaum wiederzuerkennen, behält derweil den Überblick. "Habt Ihr Hunger, habt Ihr Durst?" Die Kleiderständer lichten sich, die letzten Pinselstriche werden gesetzt. "Viele Kleider haben wir vom Frauenkarneval Schloß Holte geliehen", erzählt Marie Erichlandwehr (13). Und dann kann es auch schon losgehen. "Die Pferde müssen warm geritten werden", sagt Gina-Sophie Bories. Abreiten heiße das. "Einfach draufsetzen und losreiten", das sei nicht gut für die Tiere. Unglaublich viel Arbeit haben sich die Organisatoren gemacht, "weil wir den Kinder etwas bieten möchten", betont Judith Pähler, die gemeinsam mit Susanne Kirschbaum verantwortlich für die Umsetzung war. Die honorierten es, sahen aufmerksam und mit leuchtenden Augen zu, applaudierten immer wieder. Kaum ein Kind, das am Ende nicht die Gelegenheit nutzte, selbst auf den Pferden zu reiten.

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