Schloß Holte-Stukenbrock Kreuz bleibt auf Stukenbrocker Stalag-Gedenkstätte

Bürgermeister kündigt Ende des Streits um Mahnmal-Gestaltung auf Ehrenfriedhof an

Schloß Holte-Stukenbrock. Vor gut einem Jahr hieß es noch, die Spitze des Obelisken auf dem Sowjetischen Ehrenfriedhof in Stukenbrock-Senne (Kreis Gütersloh) wird verändert. Statt des orthodoxen Kreuzes solle dort eine rote Fahne aus Glas gesetzt werden. Jetzt gibt Bürgermeister Hubert Erichlandwehr bekannt, dass die Gestaltung mit dem Kreuz nun doch bleibt, wie sie ist. Erichlandwehr nennt das Ergebnis eines Gespräches "einen Kompromiss". Demnach sei der "Streit um die Rote Fahne" auf dem Obelisken nun durch diesen Kompromiss beigelegt. Wie mehrfach berichtet, hat es jahrelang Diskussionen um die vermeintlich korrekte Gestaltung des Obelisken gegeben. Nach der Befreiung des Lagers für (überwiegend) russische Kriegsgefangene, kurz Stalag 326, am 2. April 1945 hatten Überlebende angefangen, das Gräberfeld in eine würdevolle Friedhofstätte umzugestalten. Dazu errichteten sie auch einen Obelisken als Mahnmal, auf dessen Spitze die kommunistische Fahne aus Glas gesetzt worden war. Historiker Oliver Nickel, Geschäftsführer der Dokumentationsstätte Stalag 326, vermutet, dass diese Gestaltung staatlich gelenkt worden war, denn es gebe mehrere baugleiche Exemplare. Der Arbeitskreis "Blumen für Stukenbrock" hatte im Laufe der Diskussionen immer wieder gefordert, das orthodoxe Kreuz durch eben diese Fahne aus Glas ersetzen zu lassen, um den ursprünglichen Zustand wieder herzustellen. Der Streit - Kreuz oder Fahne - schwelte bereits mehr als zehn Jahre lang, bevor es im vergangenen Dezember so schien, als sei eine Einigung erreicht. Fahne auf die Spitze, Kreuze in einer Gruppe auf dem Boden um den Obelisken herum. Mittlerweile hatte der Streit nicht nur die jeweils aktuellen Landespolitiker, sondern auch Bundespräsident Joachim Gauck beschäftigt. Der Bundespräsident war als Schlichter gefragt worden - und lehnt dieses Gesuch höflich, aber bestimmt ab.Hochrangige Runde Nun also der Kompromiss, der laut der Information von Bürgermeister Hubert Erichlandwehr in einem intensiven Gespräch unter der Leitung des Landesvorsitzenden des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Thomas Kutschaty, im NRW-Landtag erreicht worden sei. Dabei waren laut Erichlandwehr ein Vertreter der Botschaft der Russischen Föderation in Berlin und der stellvertretende russische Generalkonsul aus Bad Godesberg. Neben Erichlandwehr und Kutschaty haben an dem Gespräch zudem teilgenommen der Chef der Staatskanzlei NRW, Staatssekretär Franz-Josef Lersch-Mense, Staatssekretär Michael von der Mühlen (NRW-Ministerium für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr), Ministerialrat Wolfgang Meincke (Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend), Regierungspräsidentin Marianne Thomann-Stahl, Kreisamtsrat Michael Hellweg vom Kreis Gütersloh, Oliver Nickel als Leiter der Dokumentationsstätte sowie der NRW-Landesgeschäftsführer des Volksbundes, Peter Bülter. Laut Hubert Erichlandwehr sei vereinbart worden, dass das Kreuz auf dem Obelisken bleibt und nicht durch eine Fahnen-Glasplastik ersetzt werde. "Allerdings soll, wie von der Dokumentationsstätte Stalag 326 bereits vor einiger Zeit vorgeschlagen, die Entstehungsgeschichte des Obelisken an Ort und Stelle dokumentiert werden. So ist für alle Besucher des Friedhofes die ursprüngliche Gestaltung des Obelisken auf einem Foto mit einem entsprechenden Text nachvollziehbar." Zudem soll es auf dem Friedhof eine Dokumentation geben mit den Namen und Daten aller dort "ruhenden sowjetischen Toten in ansprechender würdiger Form an der Kriegsgräberstätte". Kommentar Ein vollständiges Bild ist möglich Was war nicht alles gesagt und geschrieben worden. Wie war nicht gestritten worden. Wegen einer Spitze. Kaum ein Bürger wird sich noch erinnern können, wie das alles mal angefangen hat mit diesem Hin und Her wegen Fahne oder Kreuz, die auf den Obelisken auf dem Sowjetischen Ehrenfriedhof in Stukenbrock-Senne gehört. Jetzt gibt es eine Entscheidung – und das ist auch gut so. Bürgermeister Hubert Erichlandwehr spricht von einem Kompromiss, als er die Entscheidung verkündet. Der jetzige Zustand dieses Mahnmals auf dem Friedhof, der zum Gelände des damaligen Kriegsgefangenenlagers gehört, bleibt, wie er derzeit ist. Das Mahnmal wird also nicht so aussehen, wie es wohl kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges ausgesehen hatte. Zusätzlich wird es für Besucher Informationen geben, die deutlich machen, dass dieser Obelisk zu Beginn aber doch anders gestaltet gewesen ist – und warum das so war. Und auch, warum die Fahne mit Hammer und Sichel als Symbol nicht unumstritten gewesen ist. Und das ist das Entscheidende, warum sich alle Beteiligten nun gegenseitig gratulieren können: Die Besucher werden nun in die Lage versetzt, sich ein vollständiges Bild von dem Mahnmal machen zu können. Egal, welche Variante sie befürworten, ablehnen oder gar noch nicht einmal kennen. Denn es geht eben nicht allein um eine Fahne oder ein Kreuz auf einem Obelisken. big@nw.de

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