Annette Auster-Müller hinter dem Fenster, auf dem Anmeldung steht. Und auf dem das Fensterbild eines Rentieres auf der anderen Seite Winterstimmung verbreitet.
Annette Auster-Müller hinter dem Fenster, auf dem Anmeldung steht. Und auf dem das Fensterbild eines Rentieres auf der anderen Seite Winterstimmung verbreitet.

Schloß Holte-Stukenbrock Die Neue auf dem Campingplatz

Nach dem Tod von Roswitha Auster übernimmt ihre Schwester die Verantwortung am Furlbach

Schloß Holte-Stukenbrock. Zu Saisonbeginn im nächsten Jahr wird es ein kleines Fest unter den Eichen geben. So viel steht bereits fest. Bis dahin will sich die neue Chefin des Campingplatzes "Am Furlbach" eingearbeitet haben. Annette Auster-Müller tritt in die Fußstapfen ihrer Schwester Roswitha. Eine andere Wahl hat sie gar nicht gehabt, sagt sie. Im Oktober ist Roswitha Auster nach längerer Krankheit gestorben. Seit 1977 hat sie den Campingplatz geleitet. Als sie anfing, war sie noch nicht einmal 20 Jahre alt. Jetzt übernimmt ihre Schwester Annette. "Was sollte ich tun?" Den Platz mitsamt Haus zu verkaufen, kam für sie nie in Betracht. "Das geht nicht. Das ist doch unser Elternhaus." Sozusagen. Eigentlich verbrachten Annette und ihre zwei Jahre ältere Schwester Roswitha die Kindheit auf einem Hof am Rand des heutigen Grundstücks. "Aber wir waren immer im Haus der Großeltern. Wir bauchten ja nur ein paar Meter durch den Wald zu gehen", sagt Annette Auster-Müller. Der Vater hatte den Hof der Familie bewirtschaftet, als der erbberechtigte ältere Bruder - "Onkel Heini", wie Annette Auster-Müller ihn nennt - in Kriegsgefangenschaft gewesen war. Erst in den 50er Jahren kam Heinrich Auster als Spätheimkehrer zurück nach Hause. Aus Dankbarkeit überließ er seinem jüngeren Bruder ein Stück Land. Dann hatte Heinrich Auster eine "ganz verrückte Idee", sagt Annette Auster-Müller. Er gründete 1958 den Campingplatz "Am Furlbach". 1977 übernahm seine Nichte Roswitha den Betrieb. Heinrich Auster hatte keine Kinder. Die jüngere Schwester Annette schlug eine akademische Laufbahn ein und ist heute Berufsschullehrerin für Hauswirtschaft in Wiedenbrück. Das kommt ihr jetzt zugute. "Ich bin praktisch veranlagt." Eigentlich sollte eines ihrer drei Kinder den Campingplatz weiterführen, wenn Tante Roswitha, die ebenfalls keine Kinder hatte, irgendwann mal kürzer treten wollte. Doch der unerwartete Tod Roswithas änderte alles. Für Annette Auster-Müller gab es keinen Zweifel. Sie muss den Campingplatz "im Sinne von Roswitha weiterführen". Und voller Überzeugung ergänzt sie: "Das sind wir ihr schuldig." Seit vielen Jahren arbeiten Annette Schulmeister, Beate Kersting, Jutta Deppe und Katja Grosser im Betrieb mit und haben verschiedene Aufgaben übernommen. Das sei so ein eingespieltes Team, dass die neue Chefin sich um das Alltagsgeschäft gar nicht zu kümmern braucht. Dazu hätte sie auch keine Zeit. Denn die Beamtin will ihren Lehrerjob nicht aufgeben. Ihre komplette Freizeit verbringt sie aber momentan am Furlbach, um sich in 40 Jahre Büroarbeit ihrer Schwester einzufinden. "Ich habe noch gar nicht alle Akten durchsehen können", sagt sie. Erst einmal sei die Buchführung wichtig, die Monats- und Jahresabschlüsse. "Ich war 15 Jahre lang nicht hier im Büro gewesen", schätzt sie. Früher habe sie ab und zu mitgeholfen und habe daher ein Gefühl für die Organisation ihrer Schwester. Mehr aber auch nicht. Verändert hat sie nichts. Nur ein paar neue Kaffeetassen hat sie gekauft - "Wo ich bin, da ist auch Kaffee". "Es ist ein komisches Gefühl, jetzt hier zu sitzen", sagt sie. Im Büro der Schwester. Umziehen will sie von Gütersloh ins Haus der Großeltern nicht. Zu viel müsste am Haus renoviert werden. Vieles darin erinnert sie an ihre Kindheit. Zum Beispiel der alte Aufzug in der Küche, mit dem das Essen für die Zeltgäste in die erste Etage gefahren wurde. Dort gab es einen Speisesaal. Heute ist der Aufzug nur noch ein Schrank für allerlei Tüten und Gläser und was zum Kochen benötigt wird. Neu ist der Raum, der heute ein Kiosk ist. "Hier war die Wand", sagt Annette Auster-Müller und streckt die Arme zu beiden Seiten aus. Vieles soll bleiben, wie es ist. Der Campingplatz ist sieben Hektar groß, hat 50 Durchgangsplätze und 210 Stellplätze für Dauergäste. Letztere sind nicht komplett vergeben. Deshalb will die neue Chefin verstärkt Werbung machen - mit den Höhepunkten der Region; die Natur, der Europa-Radweg R 1, das Serengetifestival, der Safaripark. "Schade, dass man im Sennesee nicht baden darf", sagt Annette Auster-Müller. Hier und da soll es kleine Veränderungen geben. Ideen hat sie mehr, als sie wahrscheinlich umsetzen kann, sagt sie. Sie spricht schnell, die Ideen sprudeln aus ihr heraus. Beim Saisoneröffnungsfest will sie einige davon präsentieren. Ob alles so klappt, wie sie es sich denkt? Sie dreht ihren Kopf zur Seite und hält einen Moment inne. Dann ist sie wieder da. "Ich habe ein gutes Gefühl."

realisiert durch evolver group