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Corinna Hamm mit einem Familienfoto. Auf dem Tisch liegt ein Kanga, ein tansanisches Tuch. - © FOTO: FILLIES
Corinna Hamm mit einem Familienfoto. Auf dem Tisch liegt ein Kanga, ein tansanisches Tuch. | © FOTO: FILLIES

Schloß Holte-Stukenbrock "Lege Wert auf Menschlichkeit"

Corinna Hamm lebte und unterrichtete ein Jahr lang in Tansania

Kristoffer Fillies
06.12.2014 | Stand 05.12.2014, 19:58 Uhr

Schloß Holte-Stukenbrock. Nach dem Abitur reiste Corinna Hamm (20) für ein Jahr nach Tansania. Im Juli ist sie nach Deutschland zurückgekehrt. Jetzt berichtete sie von ihrer erfahrungs- und erlebnisreichen Zeit in Ostafrika. "Schon in der Grundschule wollte ich Lehrerin werden", sagt sie. Da sie nach dem Abitur nicht direkt mit einem Studium beginnen wollte, kam ihr der Freiwilligendienst der Neukirchner Mission gelegen. Von Juli 2013 bis Juli 2014 unterrichtete Corinna Hamm an der Jordan English Medium School, einer Grundschule im Dorf Shigala, die Fächer Mathematik und Englisch. "Shigala ist ein kleines und sehr armes Dorf", sagt sie, "und da ich dort die erste weiße Person war, gab es natürlich unterschiedliche Reaktionen auf mich." So haben viele Kinder geweint oder geschrien, als sie Hamm das erste Mal sahen, "denn sie hatten zuvor noch nie einen weißen Menschen gesehen." Doch haben die Dorfbewohner und Kinder ihr auch großen Respekt entgegengebracht, sagt sie. Ihre Gastfamilie bestand aus der Mutter, dem Vater, neun Kindern und sieben Enkelkindern. "Wir haben alle in einem Haus gelebt. Geschlafen haben wir teils in Zelten auf dem Boden und mit mehreren Personen in einem Bett." Das Hauptgericht von Tansania ist Ugali, ein Getreidebrei aus Maismehl. "Es schmeckt nicht großartig nach etwas, ich mochte es nicht." Und so reich an Früchten, wie sie es vorher dachte, hat Corinna Hamm das Land auch nicht erlebt. "Es gab zur Mangozeit viele Mangos, aber sonst nur mal Bananen, Orangen, Ananas oder Mandarinen." Wer Fleisch essen wollte, der musste dafür selbst sorgen. "Hühner schlachten war ganz normal, in Deutschland macht so was ja fast nur noch der Schlachter." Da es in dem Dorf kein Fitnessstudio gibt, haben die Bewohner ihre Fitnessgeräte aus Beton und dicken Stöckern selbst gebaut. "Irgendwann habe ich einen Bauch-Beine-Po-Kursus ins Leben gerufen, der ist auch gut angekommen." Eine schlimme Erfahrung machte sie mit Würmern. "Wahrscheinlich aus dem See kamen ganz kleine Eier durch die Haut in meine Beinen. Aus den Eiern sind nach einiger Zeit dann Würmer geschlüpft. Das waren viele und ich hatte zwei Monate damit Probleme." Die Narben davon hat sie noch heute. Eine halbe Stunde von Shigala entfernt liegt der Serengeti-Nationalpark. "Auf Safaritour habe ich Elefanten, Krokodile, Nashörner und Büffel gesehen. Ein Affe ist mir sogar auf meinen Arm gesprungen. Die sind Menschen schon gewohnt und haben keine große Angst." In Tansania haben ihr die schöne Natur und ganz besonders die freundlichen Menschen gefallen. "Ich bin offener geworden für neue Menschen und neue Erfahrungen", sagt sie. Daher ist ihr auch ein Satz auf der Sprache Suaheli, die sie gelernt hat, in guter Erinnerung geblieben: "Sijali vitu najali utu. Das heißt auf Deutsch: Ich lege keinen Wert auf Dinge, ich lege Wert auf Menschlichkeit." "Ich glaube, dass jeder einmal erfahren sollte, dass es auch Glück gibt, ohne so viel zu besitzen, wie wir das hier in Deutschland tun", findet sie. "Das ist mir in Tansania klar geworden." Heute studiert Corinna Hamm Mathematik und Evangelische Religion auf Lehramt an der Universität Bielefeld. Sie sagt: "Die Zeit in Tansania und der Umgang mit den Menschen und Kinder hat mich darin bestärkt, Lehrerin werden zu wollen."

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