Rudolf Draganski hat den Gasthof "Zum Furlbachtal" vor zehn Jahren von seinen Eltern Rudolf und Elisabeth übernommen. Gemeinsam mit Ehefrau Kerstin führt er das Traditionshaus in Stukenbrock-Senne. - © FOTO: KARIN PRIGNITZ
Rudolf Draganski hat den Gasthof "Zum Furlbachtal" vor zehn Jahren von seinen Eltern Rudolf und Elisabeth übernommen. Gemeinsam mit Ehefrau Kerstin führt er das Traditionshaus in Stukenbrock-Senne. | © FOTO: KARIN PRIGNITZ

Schloß Holte-Stukenbrock Schnitzel sind der Klassiker

Geschäfte mit Geschichte (13) Gasthof setzt auf gutbürgerliche Küche

VON KARIN PRIGNITZ

Schloß Holte-Stukenbrock. "Hier kocht Elisabeth", steht in großen roten Lettern vor dem Gasthof "Zum Furlbachtal" in Stukenbrock-Senne. Bis vor kurzem galt das tatsächlich noch. Mittlerweile hat Elisabeth "Liesbeth" Draganski ihrem Sohn Rudolf Küche und Herd überlassen. "Aber meine Mutter schaut ab und zu immer noch vorbei." Beispielsweise dann, wenn es ans Zwiebelschneiden geht.

Die heute 77-Jährige und ihr Mann, der ebenfalls Rudolf heißt, hatten den Schritt in die Selbstständigkeit im Jahr 1963 gewagt. "Damals haben meine Schwiegereltern die erste Gaststätte von der Familie Wulf gekauft", erzählt Kerstin Draganski. Auf einem alten Foto ist das Gebäude zu sehen. Links das Restaurant, rechts daneben ein kleiner Tante-Emma-Laden, "und im Saal war jedes Wochenende Tanz". Viele Gäste können sich an diese Zeit erinnern. "Die Leute reden noch heute von der Holzbaracke."

In diesem Holzgebäude, das viele ehemalige Gäste "Baracke" genannt haben, haben Rudolf und Elisabeth Draganski ihr erstes Restaurant eröffnet. Rechts ist ein kleiner Tante-Emma-Laden untergebracht. - © FOTO: PRIVAT
In diesem Holzgebäude, das viele ehemalige Gäste "Baracke" genannt haben, haben Rudolf und Elisabeth Draganski ihr erstes Restaurant eröffnet. Rechts ist ein kleiner Tante-Emma-Laden untergebracht. | © FOTO: PRIVAT

Rudolf Draganski weiß aus Erzählungen seiner Eltern, dass damals viele Flüchtlinge aus dem Sozialwerk unter den Gästen waren. Als das Lager aufgelöst wurde, änderte sich das. "Keine Mädchen, kein Tanz." Insgesamt aber seien das früher "wilde Zeiten" gewesen, beschreibt der heutige Betreiber.

1969 zog der Gasthof in sein neues Domizil an der Senner Straße, "die Baracke im Garten wurde abgerissen". Elisabeth Draganski kochte, ihr Mann war zuständig für die Hausschlachtungen. "Bis 2008 haben wir die westfälische Hausmacherplatte als Spezialität geführt", erzählt Kerstin Draganski vom allmählichen Wandel. "Heute holen wir die Hausmacherwurst von den hiesigen Bauern."

Den Charme der 70er Jahre hat er verloren, rund 60 Personen finden aber nach wie vor Platz.
Den Charme der 70er Jahre hat er verloren, rund 60 Personen finden aber nach wie vor Platz.

Überhaupt wird im Gasthof "Zum Furlbachtal" viel Wert auf regionale Produkte und gut bürgerliche Küche gelegt. Serviert hat sie Jahrzehntelang Maria Neuwöhner, die Schwester von Elisabeth Draganski. "Sie hat für den Laden gelebt", und nach der Heirat von Liesbeth auch in deren Wohnung. Kerstin Draganski beschreibt es so: "Sie waren wie Zwillinge."

Im März dieses Jahres ist Maria Neuwöhner verstorben, ihr Wirken ist nach wie vor präsent. Maria Neuwöhner gehörte halt immer dazu, schon als Rudolf Draganski Junior als Kind mithalf, die Teller in der Küche anzureichen und als Jugendlicher für ein paar Stunden an der Theke aushalf. Im Elternhaus lernte er den Beruf des Kochs.

Als solcher lädt er nach wie vor donnerstags zum Schnitzeltag und täglich bis auf den Ruhetag am Montag zum Mittagsmenü nach alter Tradition. Begehrt ist das vor allem bei den vielen Stammgästen. "Wie bei Muttern zu Hause eben." Die Speisekarten werden darüber hinaus nach Saison gestaltet, in der Weihnachtszeit gibt es heimisches Wild. "Das", sagt Kerstin Draganski, "lassen wir direkt vom Jäger schießen".

Hauptklientel im Gasthof, dessen Gastraum 2005 und die Gästezimmer zwei Jahre später komplett renoviert worden sind, seien heute "Radfahrer, die den Emsweg fahren". Oder solche, die den Safaripark besuchen, aber auch Bauarbeiter und Essensgäste vom nahe gelegenen Campingplatz am Furlbach. Rudolf Draganski hofft sehr, dass es dort nach dem Tod von Roswitha Auster weitergehen wird.

Feierlichkeiten von der Taufe bis zur Hochzeit werden im Saal, der Platz für etwa 60 Personen bietet, ausgerichtet, "mittlerweile auch immer mehr Beerdigungen". Weil der klassische Frühschoppen und Stammtisch offensichtlich nicht mehr den Zeitgeist treffen, hat der Gasthof, wenn es keine angemeldete Feier gibt, nachmittags geschlossen.

"Das wäre früher undenkbar gewesen", bestätigt Rudolf Draganski. Vor allem in der Schlechtwetterzeit "war die Theke voll". Da wurde Skat gekloppt und eifrig diskutiert, oft fuhren ganze Busse vor. Eine andere Zeit. Heute bietet Rudolf Draganski seinen Gästen an, sie von der Bahn abzuholen. "Was möglich ist, das machen wir, da lassen wir uns schon viel gefallen."

Die Serie

"Geschäfte mit Geschichte", so heißt die neue Serie. Und sie bietet Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser, viele Hintergründe über die Geschäfte in Schloß Holte-Stukenbrock, in denen Sie einkaufen oder sich beraten lassen, über die Restaurants, in die Sie einkehren.

BISHER ERSCHIENEN:

Gasthof "Zum Furlbachtal"
Tankstelle Mersch
Getränke Otto
Wäsche Brok
Gasthof "Zum Kuhkamp"
Elektro Dresselhaus
Blumenstudio Lydia Lüke
Elektro Mersch
Betten Lüke
Gasthof "Zur Post"
Geschenkehaus Antpöhler
Raumausstatter Brechmann
Bäckerei Wölke

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