20 Flüchtlinge, vorwiegend aus Syrien, demonstrieren seit Montag in der Polizeischule dafür, dass ihre Verteilung schneller abläuft und sie endlich ein geregeltes Leben führen können. Einige können Englisch und haben die Kartons beschriftet. - © FOTO: SIGURD GRINGEL
20 Flüchtlinge, vorwiegend aus Syrien, demonstrieren seit Montag in der Polizeischule dafür, dass ihre Verteilung schneller abläuft und sie endlich ein geregeltes Leben führen können. Einige können Englisch und haben die Kartons beschriftet. | © FOTO: SIGURD GRINGEL

Schloß Holte-Stukenbrock Flüchtlinge demonstrieren

Die in der Sporthalle untergebrachten Menschen fordern Normalität und Schulbesuch für die Kinder

VON SIGURD GRINGEL

Schloß Holte-Stukenbrock. Einige Flüchtlinge in Stukenbrock-Senne sind sehr unzufrieden. Die lange Wartezeit und das Nichtstun macht sie mürbe. Gestern Morgen demonstrierten sie in der Polizeischule, kündigten an, im Freien campieren und in Hungerstreik treten zu wollen. Die Behörde handelt – und schickt die Menschen heute in eine andere Einrichtung. Dort werden sie wieder warten.

Seit den frühen Morgenstunden stehen und sitzen etwa 20 Flüchtlinge auf dem Rasen am Eingang in der Polizeischule. Sie haben sich Schilder aus Pappkartons gebastelt. Darauf steht in Englisch zum Beispiel: "Wir wollen unsere Rechte" oder "Wir brauchen eine Lösung", aber auch "Friedlicher Protest". Die meisten der Demonstranten stammen aus Syrien, einer aus Eritrea. Manche sind seit 20 Tagen in Stukenbrock-Senne, manche schon seit kurz nach dem Start der Einrichtung Anfang September. Sie alle wohnen in der Sporthalle, insgesamt leben dort 44 Menschen. Um die Unterbringung in der Sporthalle geht es den Demonstranten aber nicht vorrangig.

Mohamad Hamdan ist gelernter Vertriebler und spricht fließend Englisch. Er bemängelt, dass viele seiner Bekannten bereits in Städte vermittelt worden sind, er und andere seit Wochen aber herumsitzen müssen und nichts machen können. Er war zuerst in Neuss, dort habe man ihm gesagt, dass es weitergehe. 20 Minuten hätte er Zeit gehabt zu packen. Seitdem ist er in der Polizeischule. Die Demonstranten machen den Helfern des Deutschen Roten Kreuzes und den Polizisten keine Vorwürfe – aber der Behörde in Arnsberg, die für das Verteilverfahren zuständig ist.

Kenan demonstriert ebenfalls. Er ist 15 Jahre alt und seit zwei Jahren nicht zur Schule gegangen, sagt er in gebrochenem Englisch. Während des Krieges in Syrien sei das nicht möglich gewesen. Er würde aber gern zumindest Deutsch lernen. Er sagt, dass es in der Polizeischule viele Kinder im Alter von 4 bis 16 Jahren gebe, die alle nicht zur Schule gehen können. "Wir sind vor dem Krieg geflohen und hierhin gekommen, um mit unseren Familien eine Zukunft zu haben", sagt Hamdan. "Wir haben hier eine Unterkunft und Essen. Aber wir wollen ein normales Leben führen und dass unsere Kinder in die Schule gehen. Es ist schrecklich, hier nichts tun zu können." Die Menschen wollen Antworten und bis sie diese haben im Freien campieren und in Hungerstreik treten.

So weit sei es noch in keiner Einrichtung gekommen, sagt Christian Chmel-Menges, Pressesprecher der Bezirksregierung Arnsberg. Er vermutet, dass sich die Unzufriedenheit angesammelt hat, weil die meisten Flüchtlinge in den Zimmern leben, die für die Polizeischüler vorgesehen sind, und wenige noch unkomfortabler in der Sporthalle. Um die Situation zu entschärfen, werden heute die 44 Menschen aus der Sporthalle nach Kerken-Stenden (Kreis Kleve) gebracht. Das ist ebenfalls eine Erstaufnahmeeinrichtung. "Die Zuweisung in die Kommunen kann bis zu zwei Monate dauern", sagt Chmel-Mendes. Dieser Ablauf könne nicht mit Protest beschleunigt werden. Die Demonstration löste sich am Abend auf. Laut Plan werden nur noch bis Ende Oktober Flüchtlinge in der Polizeischule untergebracht. Ab heute 320.

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