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Schloß Holte-Stukenbrock Das wäre dann geklärt

Neue Technik für die Abwasserreinigung, die viel Energie spart

von Sabine Kubendorff
07.08.2014 , 02:34 Uhr
Tiefbauamtsleiter Manfred Bonensteffen (r.) und stellvertretender Klärwerksleiter Günter Radtke stehen auf der Überwachungsbrücke über dem Belebungsbecken, das bereits wieder in Betrieb ist. - © FOTO: SABINE KUBENDORFF
Tiefbauamtsleiter Manfred Bonensteffen (r.) und stellvertretender Klärwerksleiter Günter Radtke stehen auf der Überwachungsbrücke über dem Belebungsbecken, das bereits wieder in Betrieb ist. | © FOTO: SABINE KUBENDORFF

Schloß Holte-Stukenbrock. Das ist Umweltschutz in jeder Hinsicht. Im Klärwerk wird nicht nur aus schmutzigem sauberes Wasser gemacht, sondern jetzt auch viel Energie gespart. "Wir sind ganz nah an der energieautarken Kläranlage", sagt Tiefbauamtsleiter Manfred Bonensteffen. Er sieht ein bisschen stolz aus.

Derzeit werden die beiden Belebungsbecken mit neuer Technik ausgestattet, eines nach dem anderen. Möglich ist das, weil in der Ferienzeit weniger Abwasser am Wapelweg ankommt. Viele sind in Urlaub, und die Textilfirma Holtex, die besonders viel Abwasser produziert, hat Betriebsferien. 4.000 Kubikmeter werden momentan pro Tag geklärt, sonst sind es 1.500 bis 2.000 mehr.

Durch die neue Technik wird die Kläranlage künftig nicht mehr 1 Million Kilowattstunden pro Jahr verbrauchen, sondern 20 Prozent weniger. Zum Beispiel, weil sich die großen Rührwerke in den Belebungsbecken nicht mehr rund um die Uhr drehen müssen, um das Abwasser in Schwung zu bringen.

In diesen Belebungsbecken passiert ab Freitag, wenn beide wieder betriebsbereit sind, folgendes: Ein neues Gebläse, das besser steuerbar ist als das 25 Jahre alte, bläst Luft in zwei mal drei Meter große Platten, die ein Schlauchsystem ersetzen. Die 76 Platten pro Becken sind mit einer Membran ausgestattet, durch die ganz feinporige Luftblasen aufsteigen. Sauerstoff wird gebraucht, damit Bakterien und andere Kleinstlebewesen das Wasser reinigen können. Übrig bleibt Schlamm, der unterirdisch abgepumpt wird. Eine neu eingezogene Spundwand bringt das Abwasser in Schwung, das den Kreislauf vom äußeren Ring zum inneren Becken durchlaufen muss, um dann klar abzufließen und wieder in einen Bach abgeleitet zu werden. Der stellvertretende Leiter des Klärwerkes, Günter Radtke, kann das gut erklären.

Eine Effizienzanalyse hatte der Stadt die neue Technik empfohlen, und bis zum Jahresende wird auch das neue Gebläse arbeiten. 200.000 Kilowattstunden weniger zu verbrauchen, "das ist kein Hexenwerk", sagt Manfred Bonen-steffen, "aber man muss zwei, drei Dinge zusammenbringen, um ein gutes Ergebnis zu erzielen." Letzteres hat ein Ingenieurbüro übernommen.

Insgesamt hat die Stadt 900.000 Euro investiert. Die Frage nach der Amortisation stellt sich nach Ansicht des Tiefbauamtsleiters aber nicht. Denn erstens mussten Gebläse und Belüftung sowieso ersetzt werden.Und zweitens ist die Stadt gerne bereit, in Umweltschutz zu investieren.

Deshalb ist im vergangenen Herbst das Klärwerk auch mit einer Solaranlage ausgestattet worden. Die trägt dazu bei, dass der Betrieb 55 bis 60 Prozent der benötigten Energie selbst produziert. Dank der neuen Technik werden es künftig 85 Prozent sein, es müssen also nur 15 Prozent zugekauft werden.