0

Schloß Holte-Stukenbrock Väter kämpfen ums Sorgerecht

Verein "Väteraufbruch für Kinder" fordert den Einsatz von Konfliktmanagern

VON KATRIN CLEMENS
19.05.2014 | Stand 18.05.2014, 20:58 Uhr
Werner Kramer, Vorsitzender des Väteraufbruchs. - © FOTO: PRIVAT
Werner Kramer, Vorsitzender des Väteraufbruchs. | © FOTO: PRIVAT

Schloß Holte-Stukenbrock. Seit rund 20 Jahren engagieren sich Männer im Verein "Väteraufbruch für Kinder". Ihre Gemeinsamkeit: Sie haben einen oft langen und erbitterten Streit um das Sorgerecht für ihre Kinder hinter sich. Desillusioniert sind sie nicht vom Modell Familie, sondern vom Rechtssystem. Noch immer fühlen sie sich gegenüber den Müttern nicht gleichberechtigt.

Erziehungsfragen kommen auch auf beim monatlichen Väterstammtisch in der Weberei. Brennender sind für die Männer aber juristische Themen. "Wir müssen weitaus mehr aufbringen, um unsere Rechte zu erstreiten als die Mütter", sagt Volker Lehmann. Noch immer gebe es das Rollenklischee, dass Mütter besser für das Wohl ihrer Kinder sorgen könnten – auch in den Köpfen mancher Richter oder Mitarbeiter des Jugendamtes. Deshalb fordern die Männer strengere Regeln bei Entscheidungen über Sorge- und Umgangsrecht. "Eine Umgangsverweigerung muss bestraft werden", sagt Werner Kramer, Vorsitzender der Kreisgruppe Ostwestfalen des "Väteraufbruchs für Kinder".

Aus seiner Sicht ist es für Kinder grundsätzlich das Beste, Kontakt zu beiden Elternteilen zu haben. Wenn es nach den Vätern ginge, müssten neben den Eltern auch Mitarbeiter des Jugendamtes mit Konsequenzen rechnen, wenn sie den Umgang ohne berechtigte Gründe untersagen. "Wir wünschen uns auch Konfliktmanager, die bei Amtsbesuchen als Zeugen mit dabei sind", sagt Lehmann. Der Gütersloher hat mittlerweile keinen Kontakt mehr zu seinen beiden Kindern. Er warnt davor, dass Eltern ihre Kinder zum Spielball in ihrem Interessenskonflikt machen. "Die Kinder sind immer die Leidtragenden", sagt auch Kramer.

Links zum Thema

Väterstammtisch

  • Die Kreisgruppe Ostwestfalen des Väteraufbruchs für Kinder trifft sich jeden zweiten Dienstag im Monat.
  • Von 19.30 bis 21.30 Uhr sind im Seminarraum der Weberei Gäste stets willkommen.
  • Weitere Informationen gibt zu dem Thema gibt es im Internet unter www.ostwestfalen.vaeteraufbruch.de

Als Erfolg sieht er deshalb die Einführung der sogenannten "Gütersloher Praxis" an, für die sich auch der "Väteraufbruch" eingesetzt hat. Das Modell bietet dem Gericht die Möglichkeit, den Eltern in familiengerichtlichen Verfahren Gespräche in Beratungsstellen zu empfehlen oder auch anzuordnen. Nach einigen Monaten melden die Beratungsstellen dann dem Gericht, ob die Beratung erfolgversprechend ist. Beteiligt sind daran der Kinderschutzbund, die Diakonie sowie das Kinderschutz-Zentrum der Arbeiterwohlfahrt.

Gespräche mit anderen Betroffenen bietet der Väterstammtisch des Vereins an. "Wir betrachten uns als Selbsthilfegruppe", sagt Kramer. Der Stammtisch sei eines der wenigen Hilfsangebote, das sich direkt an Männer richte. Aber auch betroffene Frauen sind willkommen. In den regelmäßigen Gesprächsrunden tauschen sie einerseits rechtliche Tipps aus, andererseits versuchen sie sich gegenseitig Perspektiven aufzuzeigen. "Wir ermutigen sie auch, die Flinte nicht ins Korn zu werfen, weil Kinder ihre Väter brauchen", sagt Kramer. Schon bei vielen habe er ein erleichtertes Aufatmen erleben können, wenn die Welle aus Briefen von Anwälten, Ämtern und Gerichten vorüber sei.

Kommentare

Die Kommentarfunktion für diesen Artikel ist deaktiviert.

nw.de bietet Ihnen unter vielen Artikeln und Themen die Gelegenheit, Ihre Meinung abzugeben, mit anderen registrierten Nutzern zu diskutieren und sich zu streiten. nw.de ist jedoch kein Forum für Beleidigungen, Unterstellungen, Diskriminierungen und rassistische Bemerkungen. Deshalb schalten wir bei Artikeln über Prozesse, Straftaten, Demonstrationen von rechts- und linksradikalen Gruppen, Flüchtlinge usw. die Kommentarfunktion aus. Näheres dazu lesen Sie in unseren Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion (Netiquette) und in dem Kommentar unseres Chefredakteurs Thomas Seim zur Meinungsfreiheit im Forum der NW.

realisiert durch evolver group