Das Kernteam (vorne stehend) und ihre 50 Mitstreiter. Die Geste der Jugendlichen auf der Bühne soll zeigen: Ich will unbedingt etwas Bestimmtes erreichen, greife danach. - © FOTO: SABINE KUBENDORFF
Das Kernteam (vorne stehend) und ihre 50 Mitstreiter. Die Geste der Jugendlichen auf der Bühne soll zeigen: Ich will unbedingt etwas Bestimmtes erreichen, greife danach. | © FOTO: SABINE KUBENDORFF

Schloß Holte-Stukenbrock Junge Leute bäumen sich auf

Theaterstück über das Stalag 326, das in jeder Hinsicht einmalig ist

VON SABINE KUBENDORFF

Schloß Holte-Stukenbrock. Kann eine Stadt an Demenz leiden? Die jungen Darsteller des 3-Schulen-Theaters meinen: Ja! Die Menschen in Schloß Holte-Stukenbrock beginnen ihrer Ansicht nach zu vergessen, was sich vor 70 Jahren im Kriegsgefangenenlager in der Senne abgespielt hat. Weil die Alten sterben und die Jungen keinen Schimmer mehr haben. Das 3-Schulen-Theater und 50 Komparsen stemmen sich jetzt gegen das Vergessen.

Zentrale Figur des ganzen Projektes ist Demokrat Ramadani (23). Er hat zusammen mit 15 anderen jungen Leuten und den professionellen Theaterpädagogen Canip Gündogdu und Daniel Scholz in der Dokumentationsstätte Stalag 326 mit Unterstützung des Historikers Oliver Nickel ein Theaterstück geschrieben und einstudiert. Es wird am 28. März in der Aula der Realschule ab 19.30 Uhr erstaufgeführt.

Ramadani hatte 2009 aus dem Jugendparlament heraus zusammen mit den Realschullehrerinnen Claudia Brhel und Daniela Hartmann das Jugendtheater gegründet. Bis heute arbeiten Haupt- und Realschüler sowie Gymnasiasten so gut zusammen, dass ihre Projekte preisgekrönt sind. Demokrat hatte in der 10. Klasse zum ersten Mal vom Stalag 326 gehört, dem größten Kriegsgefangenenlager für überwiegend sowjetische Soldaten in Nazi-Deutschland. "Seitdem hat mich das Thema nicht mehr losgelassen."

Information

Zahlen und Namen

"Gefangen! – Erinnerungen an eine Zeit vor meiner Zeit" hat am 28. März Premiere und wird dann noch am 29. März, 2. und 4. April aufgeführt. Alle Vorstellungen in der Aula der Realschule beginnen um 19.30 Uhr.

Eintrittskarten zum Preis von 6 Euro gibt es in den Spadaka-Filialen, in der Buchhandlung Strathmann und online (Adresse siehe unten).

Der Projekt wird mit 15.000 Euro vom Kultusministerium, mit 1.600 Euro vom Kreis Gütersloh und 1.000 Euro von der Spadaka gefördert.

Darsteller sind Demokrat Ramadani, Meriyem Yigit, Simon Belte, Dennis Adamczak, Delia Kornelsen, Patric Dietrich, Fitore Qarri, Edona Hasani, Ece Meyra Caliskan, Karolin Kronauer, Lea Rusack, Sanjeev Raj, Laura Graute, Gaye Mutluay, Liridione Ramadani und Tamina Kerstingjohänner.

www.3schulentheater.de

Unter anderem hat er in der Dokumentationsstätte, in der die Geschehnisse in dem Kriegsgefangenenlager Stalag 326 aufgearbeitet werden, mitgearbeitet. Den Erfahrungen, die er dabei gemacht hat, ist das Theaterstück zum Teil auch geschuldet.

Das Stück heißt "Gefangen! – Erinnerungen an eine Zeit vor meiner Zeit" und spielt in der Dokumentationsstätte die (wie lange auch im wahren Leben) kurz vor der Pleite steht. Um sie zu retten, überredet die Museumsleiterin die Schulen der Stadt, Schüler zu ihr in einen Geschichts-Strafkursus zu schicken. Mit Hilfe dieses Experiments will sie ein letztes Mal ihre wirklichen Ideen von Geschichtsvermittlung umsetzen.

"Das war ein sehr schlimmes Ereignis", sagt Darstellerin Gaye Mutluay (18) über die Geschehnisse im Stalag 326. "Ich möchte, dass sich die Menschen daran erinnern und viele die Gedenkstätte besuchen." Der zwölfjährige Marcel Huhle macht sich noch nicht so viele Gedanken um die Historie. Er genießt es, als einer der 50 Komparsen (Schüler aller drei Schulen) bei dem Projekt dabei zu sein. "Es macht sehr viel Spaß zu sehen, wie man zusammen etwas schafft", sagt er ernst.

"Großartig" findet zum Beispiel Ute Gehle vom Gymnasium, "wie sich die Schüler entwickeln". Angela Weber ("Ich bin die Theaterlehrerin der Lisa-Tetzner-Schule") zieht ihren Hut vor der "gewaltigen Leistung der Schüler". Claudia Brhel hat bei den vielen Proben sehr emotionale Momente erlebt.

Ganz viele biographische Schnipsel aus dem Leben der jungen Darsteller, Fragen, Antworten und Fakten sind Teile des Mosaiks, aus dem Theaterpädagoge Daniel Scholz das Stück nach langen Wochen des Sammelns komponiert hat. Die 50 Komparsen spielen darin eine wichtige Rolle. "Die Bilder werden durch sie eindringlicher", sagt Scholz. Sie summen, sie singen, sie tanzen, Sie sind Gefangene und Wachmannschaften. Sie sind ein Echo aus der Vergangenheit.

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