Schloß Holte-Stukenbrock Stalag-Förderverein darf wieder hoffen

Hauptausschuss des Landtages signalisiert Konsens

Die rote Fahne hing nur vorübergehend auf der Spitze des Obelisken. - © FOTO: NW
Die rote Fahne hing nur vorübergehend auf der Spitze des Obelisken. | © FOTO: NW

Schloß Holte-Stukenbrock (sk). Es sieht ganz so aus, als ob nun doch das orthodoxe Kreuz auf der Spitze des Obelisken auf dem sowjetischen Ehrenfriedhof bleiben würde. Damit hätte der Arbeitskreis "Blumen für Stukenbrock" den Kampf um die kommunistische Fahne aus Glas, die ursprünglich auf dem Obelisken thronte, verloren. Die offizielle Nachricht aus dem Landtag lautete gestern, es werde weiter ohne Zeitdruck an einer einvernehmlichen Lösung gearbeitet. Inoffiziell scheint sicher, dass ein Vorschlag des Fördervereins der Dokumentationsstätte Stalag 326 umgesetzt wird.

Dieser Förderverein, der die Geschehnisse im Kriegsgefangenenlager Stalag 326 aufarbeitet, hat nach der gestrigen Sitzung des Hauptausschuss des Landtages gleich zweimal Grund zur Freude. Nicht nur, dass jetzt wohl am Eingang zum sowjetischen Ehrenfriedhof, auf dem Tausende von Soldaten beerdigt sind, der Weg von roter Fahne zu orthodoxem Kreuz im Laufe der Jahre dokumentiert wird. Damit würde auch dem wachsenden Widerstand in der Bevölkerung gegen das kommunistische Symbol Rechnung getragen.

Der Förderverein darf auch davon ausgehen, dass die langfristige Finanzierung und die Professionalisierung seiner bisher ausschließlich ehrenamtlichen Arbeit gesichert ist. Stadt und Kreis haben bereits zugesagt, sich mit 8.000 Euro zu beteiligen, das Land will 12.500 Euro für eine halbe Historikerstelle jährlich überweisen. Unter einer Bedingung: Die Befristung der Zuschusszusage von Kreis und Stadt auf drei Jahre muss aufgehoben werden. Die werden jetzt wohl beschließen, so lange zu zahlen, wie das Land es auch tut.

"Keine strittigen Diskussionen" vermeldete gestern Jörg Rodermund, der das Bürgerbüro des SPD-Landtagsabgeordneten Günter Gabrecht leitet. Gabrecht saß als Mitglied des Hauptausschusses am Tisch. CDU-Landtagsabgeordneter André Kuper hatte sich schlau auch gemacht. "Es sieht sehr, sehr gut aus", so kommentierte er das Ergebnis der Beratung im Hauptausschuss. "Für die Dokumentationsstätte zeichnet sich mehr als nur Hoffnung ab. So wie es aussieht, ist die Zukunft der Einrichtung in einem ersten Schritt gesichert."

Dafür hatte der Förderverein im Vorfeld auch eine Menge getan. Um die Förderbedingungen der Landeszentrale für politische Bildung zu erfüllen, hatte Vorsitzender Manfred Büngener unter anderem Historiker Oliver Nickel, ausgewiesener Stalag-Kenner und lange im Ehrenamt als Vorsitzender tätig, mit einer halben Stelle eingestellt. "Damit wären die Voraussetzungen erfüllt", das hat das Ministerium von Ute Schäfer, das auch für Kultur zuständig ist, in der Vorlage für den Hauptausschuss geschrieben. Die Landeszentrale für politische Bildung wolle in diesen Tagen den Antrag auf Förderung für das Jahr 2014 positiv bescheiden.

Fördervereinsvorsitzender Manfred Büngener, Historiker Oliver Nickel und das ganze Stalag-Team lassen die Sektkorken aber noch nicht knallen. "Sicher", sagt Büngener, "bin ich erst, wenn das Geld auf dem Konto ist."

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