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Im Rietberger Klärwerk wurden im Rahmen einer Versuchsreihe deutlich erhöhte Mikroschadstoffe nachgewiesen. - © FOTO: BIRGIT VREDENBURG
Im Rietberger Klärwerk wurden im Rahmen einer Versuchsreihe deutlich erhöhte Mikroschadstoffe nachgewiesen. | © FOTO: BIRGIT VREDENBURG

Rietberg Beta-Blocker im Abwasser

75.547 Euro Mehrkosten: Pilotprojekt am Klärwerk wird neu ausgeschrieben

VON BIRGIT VREDENBURG
01.12.2013 , 07:20 Uhr

Rietberg. Spurenstoffe in Gewässern, Rückstände von Medikamenten wie Beta-Blocker, Röntgenkontrastmittel und sonstige Chemikalien, die in herkömmlichen Kläranlagen nicht vollständig abgebaut werden konnten, gefährden nicht nur Oberflächengewässer, sondern auch das Trinkwasser. Mit dem Ziel, ausgewählten Anlagen die Elimination dieser Mikroverunreinigungen vorzuschreiben, wird in NRW eine Änderung der Gewässerschutzverordnung diskutiert.

Vor diesem Hintergrund wurde in Rietberg an einer zweistraßigen Versuchsanlage im Maßstab 1:10 die Nachrüstung der bestehenden Kläranlage zur Mikroschadstoffentfernung untersucht. Das Land hat die 35.000 Euro teure Studie zu 80 Prozent bezuschusst. Im Zuge der Varianten- und Machbarkeitsbetrachtung wurden folgende Verfahren getestet: Der Einsatz von Pulveraktivkohle, die Nachrüstung eines nachgeschalteten Adsorptionsfilters, die Umrüstung der vorhandenen Filtration, sowie das oxidative Verfahren. Die Versuche dauerten fünfeinhalb Monate.

Auf Grundlage des Abschlussberichtes und der Empfehlung zum großtechnischen Ausbau der Dyna-Sand-Filtration zum Betrieb mit granulierter Aktivkohle (GAK) hat das Ministerium für das Pilotprojekt bereits eine 70-prozentige Förderung bewilligt. "Als der Förderantrag eingereicht wurde, sind wir von 722.925 Euro Gesamtkosten ausgegangen. Die Fördersumme in Höhe von 549.780 Euro ist bereits genehmigt", berichtete Dr.-Ing. Jens Knollmann, Geschäftsführer der mit der Umsetzung beauftragten Hannoveraner Ingenieursgesellschaft, jetzt im Betriebsausschuss.

Die daraufhin erfolgte Ausschreibung im September dieses Jahres habe "leider nicht das gewünschte Ergebnis gebracht". Durch Ausreißer bestimmter Positionen im Leistungsverzeichnis, wie etwa die Sandentleerung, die mit 5.000 angesetzt, aber für über 30.000 Euro angeboten worden sei, ergebe sich jetzt eine Differenz zur Kostenschätzung von 75.547 Euro. Knollmann gab sich zuversichtlich, dass es möglich sei, den genehmigten Förderantrag nachträglich zu erhöhen.

Weil lediglich ein Anbieter Interesse an der Maßnahme gezeigt habe, sei die Ausschreibung aufgehoben und geändert worden. Im Januar solle eine Neuausschreibung in mehreren Einzellosen erfolgen, um mit der Umsetzung möglichst im Frühjahr 2014 beginnen zu können.

Die erste Neubefüllung mit Aktivkohle ist im Förderantrag enthalten. Für die weiteren Befüllungen veranschlagte Knollmann Kosten von jährlich 156.000 Euro, die nicht gefördert werden. Und: "Am besten wird es sein, alle paar Monate komplett neue Filter einzubauen, denn die verschiedenen Substanzen brechen nach drei, sechs oder zwölf Monaten wieder durch".