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Rietberg/Bielefeld Es bleibt die Frage nach dem Warum

Angeklagter Peter K. bricht vor Gericht zusammen

11.10.2013 , 02:45 Uhr

Rietberg/Bielefeld (he). Ein abruptes Ende fand gestern der zweite Prozesstag in der Verhandlung gegen den Rietberger Peter K. am Bielefelder Landgericht. Der 68-Jährige, dem vorgeworfen wird, seine Frau Marion L. getötet und anschließend in einer Inspektionsgrube in der Garage des gemeinsamen Hauses in Westerwiehe einbetoniert zu haben, brach offenbar wegen Herzrhythmusstörungen zusammen. Die Verhandlung musste danach abgebrochen werden.

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte die X. Große Strafkammer des Landgerichtes die Aussage von André L., dem Sohn der Getöteten, gehört. Hierbei legte Richterin Jutta Albert ihr Augenmerk vor allem auf die Beziehung zwischen Mutter und Sohn, da Peter K. in seiner Aussage am ersten Prozesstag von einem "zerrütteten Verhältnis" berichtet hatte, das seiner Frau neben ihrer schweren Erkrankungen den Lebensmut geraubt hätte – was letztlich zu einem Todeswunsch und der Tat vom 18. Dezember 2012 geführt habe.

André L. widersprach den Ausführungen Ks vehement. Er habe seine Mutter bis zuletzt als eine lebensbejahende Frau erlebt, die sogar Pläne für die Zukunft geschmiedet habe. "Sie hat ihren Krankheiten mit viel Lebensmut und Willen getrotzt, sie war nicht depressiv", betonte L. Das Verhältnis zu ihr sei zwar in jüngerer Vergangenheit durch eine Auseinandersetzung um seine Hochzeit im Jahr 2010 abgekühlt. "Nach einer Aussprache im Sommer 2012 war es aber wieder locker und gelöst. Und richtig böse war es nie", so L.

Nach dem Verschwinden seiner Mutter habe er zwar ein ungutes Gefühl gehabt, sei aber dann doch der Erklärung Ks. aufgesessen, dass seine Mutter ihn wegen eines brasilianischen Arztes verlassen habe und keinen Kontakt mehr wünsche. "Im Nachhinein muss ich sagen, dass er sich die Geschichte gut ausgedacht hat. Das war alles sehr glaubwürdig." Auch die SMS, die er angeblich von seiner Mutter erhielt, sorgten dafür, dass er lange keinen Verdacht geschöpft habe. Entsprechend entsetzt und wütend sei er gewesen, als letztlich die Wahrheit herauskam und Peter K. nach seiner Verhaftung den Ort verriet, an dem er die Leiche Marion Ls. verborgen hatte. "Er hat uns angelogen", so L. "Und er hatte sogar noch die Dreistigkeit, mit der Familie Weihnachten zu feiern und den trauernden Ehemann zu spielen." Was jetzt noch bliebe, sei die quälende Frage nach dem Warum. "Ich hoffe, dass Sie das Motiv herausfinden", sagte L. in Richtung Jutta Albrecht. "Es würde mir helfen, damit fertig zu werden."

Nach der Aussage Ls. wurde der Prozess für eine Pause unterbrochen. Doch ehe die Verhandlung wieder aufgenommen werden konnte, brach Peter K. zusammen. Ein hinzugerufener Notarzt attestierte niedrigen Blutdruck und den Verdacht auf Herzrhythmusstörungen, weshalb K. nicht mehr verhandlungsfähig war. Die noch geplante Aussage von Marion Ls Schwiegertochter muss daher an einem eigens dafür angesetzten Termin nachgeholt werden, und zwar am 17. Oktober um 12 Uhr.

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