Andreas Sunder mit Werner Bonenkamp von der FWG nach dem Sieg. - © FOTO: BIRGIT VREDENBURG
Andreas Sunder mit Werner Bonenkamp von der FWG nach dem Sieg. | © FOTO: BIRGIT VREDENBURG

Rietberg Sunder im Siegestaumel

Nach der Bürgermeisterwahl: CDU betreibt Ursachenforschung

VON ANETTE ISRINGHAUSEN

Rietberg. Seine Stimme klingt noch etwa belegt. Von den Antworten auf zahlreiche Glückwünsche und vom Feiern. Im "Alten Landgrafen" in Rietberg hat Andreas Sunder nach seiner Wahl zum Bürgermeister bis tief in die Nacht gefeiert. Karnevalistische Zustände sollen geherrscht haben. Das sei ihm gegönnt. Der Alltag beginnt heute.

Gestern hat Sunder einen ruhigen, familiären Abend eingelegt. Es soll allerdings keineswegs der letzte in der Zukunft sein. "Mir ist bewusst, dass als Bürgermeister keine 40-Stunden-Woche auf mich wartet, aber zumindest einen Tag in der Woche werde ich mich zukünftig meiner Familie widmen." Die ist es ohnehin nicht gewöhnt, dass der Lehrende an der Polizeischule in Schloß Holte-Stukenbrock nach der Arbeit umgehend in den Schoß seiner Familie zurückkehrt. Als Ortsvorsteher in Bokel hat er bislang auch zahlreiche Termine an Abenden und Wochenenden wahrgenommen.

Andreas Sunder gilt als offen und ehrlich, das wird ihm einen hohen Sympathiewert und damit einen Großteil der Stimmen eingebracht haben. Auch jetzt verhehlt er nicht, das er der Herausforderung, die auf ihn wartet, mit dem gebotenem Respekt begegnet. Ein zart ausgeprägtes mulmiges Gefühl gibt er unumwunden zu. Heute wird er erstmals mit dem Ersten Beigeordneten Dieter Nowak sprechen, schon morgen möchte er sich der Verwaltung vorstellen. Den Kollegen schon mal Guten Tag sagen, nennt er das. Am 8. November wird er sein Amt antreten.

Sunder glaubt, dass die Bürgermeisterwahl eine Personenwahl war. Das zeige wohl auch das phänomenale Ergebnis in seinem Ortsteil Bokel. Es habe ihm auch geholfen, dass die Wähler mit ihm – anders als bei Bärbel Diekhans – keine enge und direkte Nähe zur Partei verbunden hätten.

Bei der CDU herrschte gestern einen Tag nach der Niederlage noch schwarze Stimmung. "Damit haben wir nicht gerechnet", sagt Fraktionsvorsitzender Franz-Josef Schütte und gibt zu, keinerlei Erklärung zu haben. Er glaubt nicht, dass es an der Kandidatin Bärbel Diekhans gelegen habe. "Ich habe noch nie so einen engagierten Wahlkampf gesehen." In der künftigen Zusammenarbeit mit Sunder komme es darauf an, auszuloten, welche Ziele man gemeinsam erreichen wolle. "Wie bei Koalitionsverhandlungen".

CDU-Kreisvorsitzender Michael Brinkmeier sieht die Ursache parteibedingt. "Es ist eine bittere Niederlage für die CDU." Nun gelte es nach den Ursachen zu forschen, Lehren zu ziehen, auch mit Blick auf die Wahlen im kommendem Jahr. Die CDU werde konstruktiv mit Sunder zusammenarbeiten, ohne zu allem Ja und Amen zu sagen.

Kreisvorsitzender Ralph Brinkhaus glaubt dagegen nicht, dass die Rietberger CDU vom Wähler abgestraft wurde. Er hält die Entscheidung für personengebunden. Ohnehin wähle der Bürger nicht mehr so parteiloyal wie früher. Er sei wesentlich offener geworden. Vielleicht habe der Wähler nach Jahrzehnten an der Spitze der Verwaltung einfach mal eine Wende gewollt. Auf keinen Fall solle sich die CDU nun in den Schmollwinkel zurückziehen oder gar nachtreten. Bei der nächsten Wahl stünden die Zeiger ohnehin wieder auf Null.

Copyright © Neue Westfälische 2019
Texte und Fotos von nw.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Die Kommentarfunktion für diesen Artikel ist deaktiviert.

nw.de bietet Ihnen unter vielen Artikeln und Themen die Gelegenheit, Ihre Meinung abzugeben, mit anderen registrierten Nutzern zu diskutieren und sich zu streiten. nw.de ist jedoch kein Forum für Beleidigungen, Unterstellungen, Diskriminierungen und rassistische Bemerkungen. Deshalb schalten wir bei Artikeln über Prozesse, Straftaten, Demonstrationen von rechts- und linksradikalen Gruppen, Flüchtlinge usw. die Kommentarfunktion aus. Näheres dazu lesen Sie in unseren Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion (Netiquette) und in dem Kommentar unseres Chefredakteurs Thomas Seim zur Meinungsfreiheit im Forum der NW.

realisiert durch evolver group