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Dass Kupfer und Zink in erster Linie aus den privaten Wasserleitungen gelöst werden, ist auch Sicht der Grünen nicht wirklich bewiesen. - © Birgit Vredenburg
Dass Kupfer und Zink in erster Linie aus den privaten Wasserleitungen gelöst werden, ist auch Sicht der Grünen nicht wirklich bewiesen. | © Birgit Vredenburg

Rietberg Seit Jahren erhöhte Werte im Trinkwasser - Ursachenforschung trotzdem verschoben

Die Grenzwerte für Kupfer und Zink im Klärschlamm sind deutlich zu hoch. Die von den Rietberger Grünen beantragte Ursachenforschung wurde dennoch um ein Jahr vertagt.

Birgit Vredenburg
04.12.2019 | Stand 04.12.2019, 15:59 Uhr

Rietberg. Prinzipiell ist das Trinkwasser in Rietberg von guter Qualität und weist weniger Schwermetalle auf als im Bundesdurchschnitt. Im städtischen Klärschlamm jedoch sind deutlich erhöhte Kupfer- und Zinkwerte nachweisbar. Und das schon seit mindestens 2006. Alle anderen Metalle liegen hingegen deutlich unterhalb der Grenzwerte der Klärschlamm- und der Düngemittelverordnung. Die OWL Umweltanalytik GmbH aus Leopoldshöhe, die bereits seit 14 Jahren im Auftrag des städtischen Abwasserbetriebes die Schwermetall-Rückstände untersucht, hat im entwässerten Klärschlamm Konzentrationen von bis zu 975 Milligramm Kupfer (durchschnittlich 759 mg/kg) und bis zu 2.492 Milligramm Zink (durchschnittlich 1.321 mg/kg) ermittelt. Das entspricht der doppelten Menge, die für Klärschlämme, die in der Landwirtschaft verwendet werden dürfen, zulässig ist. Die Experten vermuten einen Zusammenhang zwischen den Kupferkonzentrationen und der Wasserhärte. Direkt aus der Quelle niedrigere Werte „Die Studienlage in Bezug auf das Trinkwasser legt nahe, dass sehr hartes Wasser, wie es von der Trinkwassergemeinschaft Bokel und aus der Aabach-Talsperre geliefert wird, aggressiver auf Kupfer- und Zinkleitungen wirkt”, erklärte Geschäftsführerin Jana Brauer jüngst im Betriebsausschuss. Auffallend sei, dass die Kupfer-Konzentrationen in Proben direkt aus der Quelle einen sehr niedrigen Kupfer- und Zinkgehalt aufweisen. Zeitlich gestaffelte Stagnationsproben würden hingegen belegen, dass das Kupfer aus den Leitungen und teilweise aus den Armaturen der Privathaushalte gelöst werde. Christoph Jäger von den Grünen, die Anfang Oktober im Rat beantragt hatten, ein Fachbüro mit der Ursachenforschung der hohen Schadstoffbelastung im Rietberger Klärschlamm zu beauftragen, hält diese Theorie für ziemlich vage. „Dann hätten wir ja in hohem Maße korrosionsgeschädigte Leitungen.” Jana Brauer erklärte, dass das Wasser nicht so hart und aggressiv sei, dass es übermäßig viel Kupfer und Zink löse. „Es ist einfach die Menge der Haushalte, die die erhöhten Werte verursacht.” "Gewerbebetriebe werden engmaschigüberwacht" Zwar nicht in erheblichem Maße und nicht über dem Grenzwert der Trinkwasserverordnung von zwei Milligramm pro Liter. Über die Jahre aber führe das Abwasser aus der Menge der Haushalte zu konstant hohen Kupfer- und Zinkwerten im Klärschlamm – allerdings mit nur minimalen Schwankungen. Jäger kann das nicht nachvollziehen und vermutet als Hauptverursacher eher die Abwasser aus der Industrie, die mit wesentlich höheren Wassermengen arbeite. Dem widersprach Brauer. „Die Gewerbebetriebe fallen als indirekte Einleiter unter die Wasserverordnung. Sie haben Genehmigungsbescheide und werden relativ engmaschig überwacht.” Barbara Westermann (CDU) hält es für nicht plausibel, dass die indirekten Einleiter in der Studie überhaupt nicht untersucht wurden. „Wenn man hier einen Zusammenhang beweisen will, müsste man auch im Industriebereich Proben entnehmen”, räumte Jana Brauer ein. Dirk Bunger (CDU) hält nichts davon, „daraus jetzt einen großen Zinnober zu machen” und auch Engelbert Ottemeier (FWG) meinte: „Wir sollten das Ergebnis der Studie nicht anzweifeln. Wir werden es nicht ändern können.” Einstimmiger Beschluss Dirk Adams von der Abteilung Tiefbau und Stadtentwässerung erklärte: „Eigentlich haben wir kein Problem mit Kupfer und Zink. Blöd ist nur, dass wir den Klärschlamm nicht mehr in die Landwirtschaft aufbringen können.” Der Betriebsausschuss hat einstimmig beschlossen, den Antrag der Grünen zurückzustellen und in einem Jahr erneut zu diskutieren.

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