Männliche Küken - © Foto: Bernd Wüstneck
Millionen männlicher Küken werden jährlich vergast, weil ihre Aufzucht unwirtschaftlich ist. | © Foto: Bernd Wüstneck

Urteil des Verwaltungsgerichts OWL-Geflügelbetriebe vor Gericht: Grundsatzurteil zum Kükentöten

13.06.2019 | Stand 13.06.2019, 10:50 Uhr

Leipzig (dpa/afp). Tierschützer und Geflügelwirtschaft blicken an diesem Donnerstag mit Spannung nach Leipzig. Das Bundesverwaltungsgericht wird um 10.00 Uhr sein Urteil verkünden, ob das millionenfache Töten männlicher Küken in der Legehennenzucht mit dem Tierschutzgesetz vereinbar ist. Das Gericht muss grundsätzlich klären, ob wirtschaftliche Interessen ein vernünftiger Grund im Sinne des Tierschutzgesetzes sein können. Die Fälle, um die es geht, spielen in den Kreisen Gütersloh und Paderborn. Jedes Jahr werden in Deutschland nach Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums rund 45 Millionen männlicher Küken getötet. Das Problem: Für die Produktion von Eiern werden Legehennen gezüchtet. Die Rassen sind drauf getrimmt, viele Eier in kurzer Zeit zu legen. Sie setzen kaum Fleisch an, so dass sie sich für die Mast nicht eignen. Männliche Tiere braucht man nicht. Weil man das Geschlecht bisher erst nach dem Schlüpfen erkennen konnte, werden die männlichen Küken vergast. Tierschützer kritisieren das heftig. Landwirtschaftsministerin gegen verbreitete Praxis Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) sprach sich vehement gegen das massenhaften Töten von männlichen Küken ausgesprochen. "Das Kükentöten ist ethisch nicht vertretbar und muss so schnell wie möglich beendet werden", sagte Klöckner der Düsseldorfer "Rheinischen Post". "Tiere nach Geburt sofort wieder zu töten, weil sie ein bestimmtes Geschlecht haben, das darf nicht sein." Ihr Ministerium fördere mit mehr als acht Millionen Euro verschiedene Verfahren und Initiativen, die das Kükentöten zukünftig überflüssig machen sollen, sagte Klöckner. Der stellvertretende Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Oliver Krischer, sagte, es gebe schon eine serienreife Technik zur Geschlechtsbestimmung im Ei, die das Schlüpfen und damit auch das Töten männlicher Küken verhindern könne. Die Kosten lägen bei weniger als zwei Cent pro Ei. Vorinstanzen gaben Betrieben Recht Das Land Nordrhein-Westfalen hatte den Brütereien die umstrittene Praxis 2013 per Erlass untersagt. Die damalige rot-grüne Regierung berief sich auf das Tierschutzgesetz, wonach niemand einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen darf. Zwei Betriebe aus Ostwestfalen-Lippe klagten dagegen. In den Vorinstanzen bekamen sie recht. Das Oberverwaltungsgericht in Münster entschied, dass die wirtschaftlichen Interessen der Brütereien ein vernünftiger Grund im Sinne des Tierschutzgesetzes seien. Die Kreise Gütersloh und Paderborn, die für die Umsetzung des Erlasses verantwortlich sind, gingen in Revision, über die Revisionen heute entschieden wird. Der Knackpunkt ist, wie Belange der Geflügelbranche gegen die des Tierschutzes abzuwägen sind. Der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG) warnt vor einem vorschnellen Verbot des Kükentötens. Die Branche wolle das Töten der Küken beenden und das ethische Problem lösen, erklärte Verbandspräsident Friedrich-Otto Ripke. Alternative Verfahren, um das Geschlecht bereits im Hühnerei zu erkennen, seien aber noch nicht praxisreif. Deswegen hofft der ZDG auf eine mehrjährige Übergangsfrist.

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