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Miriam Wolfförster (links) und Karen Neumeyer (rechts) von der Frauenberatungsstelle Gütersloh stehen mit Sozialarbeiterin Johanna Lind vor dem MutMachMobil auf dem Schulhof der Gesamtschule Rietberg. - © Oliver Herold
Miriam Wolfförster (links) und Karen Neumeyer (rechts) von der Frauenberatungsstelle Gütersloh stehen mit Sozialarbeiterin Johanna Lind vor dem MutMachMobil auf dem Schulhof der Gesamtschule Rietberg. | © Oliver Herold

Rietberg Opfer von Triebtätern: Minderjährige sind besonders gefährdet

Das MutMachMobil der Frauenberatungsstelle gegen sexualisierte Gewalt in Gütersloh informiert seit diesem Schuljahr regelmäßig die Neuntklässler der Gesamtschule Rietberg

Oliver Herold
07.06.2019 | Stand 06.06.2019, 18:03 Uhr

Rietberg. Mädels, hört auf euer Bauchgefühl! Was im richtigen Leben gilt, sollte auch im digitalen Bereich beherzt werden. Denn dort ist vor allem für Minderjährige die Gefahr groß, Opfer von Triebtätern zu werden. Um darüber aufzuklären, macht das neue „MutMachMobil" der Frauenberatungsstelle Gütersloh in diesem Schuljahr zum ersten Mal Station an der Rietberger Gesamtschule. Alle Mädchen der insgesamt sechs 9. Klassen nehmen über das Jahr verteilt an den beiden Präventionsworkshop zum Thema „Internet, Selfies und Co. – zwischen Spaß und Gefahr" teil. „Digitale Gewalt ist bei uns in der Frauenberatungsstelle immer wieder Thema", sagt Karen Neumeyer. Vor allem Mädchen zwischen 15 und 18 Jahren seien, da sie noch in der Selbstfindungsphase seien, besonders gefährdet, auf sogenannte Loverboys hereinzufallen, also auf meist ältere Männer, die sich in der Anonymität des Internets tarnen und sich dort über Internetplattformen und Chats mit Mädchen anfreunden, ihr Vertrauen gewinnen, Nacktfotos verlangen und sie – im schlimmsten Fall – missbrauchen. Auf das Bauchgefühl hören Damit es dazu erst gar nicht kommt, leistet das „MutMachMobil" nicht nur wichtige Aufklärungsarbeit, sondern zeigt den Mädchen und jungen Frauen auch, wie sie sich schützen und sich wehren können. „Wichtig ist, dass man auf sein Bauchgefühl hört und auf Warnsignale achtet", betont Miriam Wolfförster., die das Mobil nach den Vorfällen in der Silvesternacht in Köln 2017 ins Leben gerufen hat. Vorsicht sei auch geboten, wenn sich Fremde einschmeicheln, viele Fragen kommen, ohne dass der andere etwas von sich preisgibt, wenn der Chatpartner kein Profilbild hat, aber selbst Fotos verlangt, wenn Treffen an einsamen Orten angeboten werden oder Geld geboten werde. Denn dann stimme meist etwas nicht. Sexualisierte Beleidigungen in Sozialen Medien „In diesem Fall ist es ratsam, sich Hilfe zu holen", so Wolfförster. Der Kontakt zum MutMachMobil könne beispielsweise auch über die Schulsozialarbeiter hergestellt werden, die Mitarbeiter der Frauenberatungsstelle haben Schweigepflicht. Doch nicht nur die sogenannten Loverboys stellen für junge Frauen ein Problem dar, auch (sexualisierte) Beleidigungen in Sozialen Medien oder das Verschicken freizügiger Bilder spielten eine zunehmende Rolle. Reichlich Gesprächsstoff also für den jeweils zweistündigen Workshop, der an der Gesamtschule Rietberg pro Klasse an zwei verschiedenen Terminen während der Schulzeit stattfindet. „Sollte während dieser Zeit etwas hochkommen, gibt es im Anschluss noch die Möglichkeit, mit uns unter vier Augen zu sprechen", sagt Miriam Wolfförster. Geschützte Atmosphäre Damit die vertrauensvollen Gespräche in einer geschützten Atmosphäre stattfinden können, gibt es die Möglichkeit, sich draußen am Klapptisch oder gemütlich im Bulli, zu dessen Inventar auch eine kleine Küche sowie eine Toilette gehört, zu unterhalten. Der Präventions-Workshop wird auch im kommenden Schuljahr an der Rietberger Gesamtschule angeboten. Ziel ist es, diesen fortan auch an anderen Schulen im Kreis anbieten zu können. Infos: www.frauen4frauen.de

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