Spurensicherung nach dem Rietberger Raubmord. - © Patrick Menzel
Spurensicherung nach dem Rietberger Raubmord. | © Patrick Menzel

Rietberg/Bielefeld Prozess um Rietberger Raubmord: Zeuge schweigt doch noch weiter

Nils Middelhauve

Rietberg/Bielefeld. Rund ein Vierteljahr lang hatte sich die I. Große Strafkammer des Bielefelder Landgerichts bemüht, Piotr L. im Verfahren um den Überfall auf die beiden Rietberger Brüder Werner und den dabei getöteten Heinrich S. auf den Zeugenstuhl zu bekommen. Nach langem Hin und Her wurde der Mann, der in Polen in Strafhaft sitzt, schließlich nach Deutschland überstellt. Nun nahm er, in Begleitung eines Dolmetschers und seines Berliner Rechtsanwalts Damian Jakubek, in der Mitte des Saals 1 des Landgerichts Platz und sagte – nichts. Die Bielefelder Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass es sich bei Piotr L. um den lange Zeit flüchtigen mutmaßlichen Mittäter der wegen des Überfalls auf die Brüder S. angeklagten Robert D. und Artur T. handelt. Piotr L., der in einschlägigen Kreisen unter dem Spitznamen „Der Terminator" bekannt sein soll, soll einer der beiden Männer gewesen sein, die am späten Abend des 3. Novembers 2015 ins abgelegene Haus der Brüder S. an der Liplinger Straße in Rietberg-Westerwiehe eingedrungen waren und den damals 64 Jahre alten Heinrich S. töteten. Mutmaßlicher Mittäter saß schon wegen verschiedenster Verbrechen in Haft Piotr L. als Schwerkriminellen zu bezeichnen, ist sicherlich keine Untertreibung. Etliche Jahre hat er bereits wegen verschiedenster Verbrechen in seiner polnischen Heimat im Gefängnis verbracht, derzeit sitzt er abermals in Strafhaft. Nach langwierigen Verhandlungen mit dem Berliner Rechtsanwalt, den polnischen Behörden sowie L. höchstpersönlich hatte dieser sich jedoch bereiterklärt, im Verfahren gegen Robert D. und Artur T. vor dem Landgericht als Zeuge auszusagen – wissend, dass auch gegen ihn ein Verfahren wegen des Verdachts des Mords an Heinrich S. läuft. Aus diesem Grund hätte L. nämlich das Recht, die Zeugenaussage vor Gericht zu verweigern. Nun war Piotr L. also nach vielen Schreiben und Telefonaten vor dem Landgericht erschienen. Doch gleich zu Beginn der Verhandlung erklärte dessen Zeugenbeistand Jakobek, dass er noch nicht ausreichend Zeit gehabt habe, die komplexe Angelegenheit umfassend mit seinem Mandanten zu erörtern. Dieser sei, dass bestätigte L. auf Nachfrage, grundsätzlich bereit, auszusagen – jedoch erst am folgenden Verhandlungstag. Richter Marc Brüning äußerte deutlich sein Befremden ob dieses Vorgehens. Nun wird L. am kommenden Verhandlungstag, dem 25. Oktober, darüber aufklären, ob er aussagen wird – oder eben nicht.

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