Auf diesem Bauernhof in Westerwiehe starb einer der Brüder nachdem er von drei Tätern brutal misshandelt wurde. - © Patrick Menzel
Auf diesem Bauernhof in Westerwiehe starb einer der Brüder nachdem er von drei Tätern brutal misshandelt wurde. | © Patrick Menzel

Rietberg Rietberg-Raubmord: Piotr L. soll jetzt endlich aussagen

Die Überstellung des in Polen inhaftierten Komplizen ist für Oktober terminiert

Nicole Hille-Priebe

Rietberg. Nach langer Stagnation ist am 63. Verhandlungstag vor dem Bielefelder Landgericht Bewegung in den Prozess um den Raubmord in Rietberg-Westerwiehe gekommen: „Unser Antrag auf die Überstellung des für uns wichtigen Zeugen Piotr L. wurde endlich durch eine Europäische Ermittlungsanordnung auf den Weg gebracht. Er soll nun am 10. Oktober in Bielefeld vernommen werden", erklärte der Gütersloher Rechtsanwalt Martin Rother, der einen der Angeklagten, den 48-jährigen Robert D., vertritt. Die juristische Aufarbeitung des brutalen Überfalls auf die Brüder Heinrich und Werner S. am 3. November 2015, bei dem der damals 64 Jahre alte Heinrich schwer misshandelt und getötet wurde, bleibt kompliziert. Das Bielefelder Landgericht hatte die beiden aus Gütersloh stammenden Artur T. und Robert D. im Dezember 2016 wegen des Mordes an Heinrich S. zu lebenslanger Haft verurteilt. Der Bundesgerichtshof hob das damalige Urteil jedoch auf, weil nicht geklärt werden konnte, welcher der mehreren Tatbeteiligten genau für den Tod von Heinrich verantwortlich war. "Er ist ja bereit auszusagen" Piotr L. war an jenem Abend auch dabei. Es gelang ihm jedoch, nach Polen zu fliehen, wo er zurzeit wegen anderer Delikte in Haft ist. Martin Rother hat lange darum kämpfen müssen, dass der Pole vorgeladen wird – in diesem Fall nicht als mutmaßlicher Täter, sondern als Zeuge. „Er ist ja bereit, auszusagen.Dass man vor der Bielefelder Kammer so einen Druck machen muss, bis sie endlich tätig wird, ist mir unbegreiflich." Der Anwalt geht davon aus, das Piotr L. die beiden Angeklagten mit seiner Zeugenaussage entlasten wird, da es noch zwei weitere – bislang nicht identifizierte – Tatbeteiligte geben soll, die für den Mord verantwortlich sein könnten. Wäre es nach dem Vorsitzenden Richter Marc Brüning gegangen, hätte er die Beweisaufnahme schon im April geschlossen. Jetzt wird sie sich bis weit in den Oktober hinziehen. Was den Ausgang und die möglichen Urteile angeht, ist laut Rother wieder alles offen.

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