Volles Haus: Rund 380 interessierte Bürger versammelten sich in der Basilika des Bibeldorfes, um sich aus erster Hand über das Projekt Glasfaser zu informieren. - © Birgit Vredenburg
Volles Haus: Rund 380 interessierte Bürger versammelten sich in der Basilika des Bibeldorfes, um sich aus erster Hand über das Projekt Glasfaser zu informieren. | © Birgit Vredenburg

Rietberg Neuvergabe des Glasfaserausbaus führt zu Neuverträgen

HeLi NET lockt mit neuen Tarifen und Bandbreiten. Bereits vorhandene Grundstücksnutzungsverträge müssen neu abgeschlossen werden

Birgit Vredenburg

Rietberg. Die Eltel Deutschland GmbH, ein in Stockholm börsennotierter Anbieter technischer Dienstleistungen für wichtige Infrastrukturnetzwerke, hat den Zuschlag für den Ausbau des Glasfasernetzes im Stadtgebiet von Rietberg erhalten. "Wegen der zurzeit großen bundesweiten Nachfrage ist das Rohrmaterial knapp, so dass wir längere Lieferzeiten haben", teilte Michael Hegemann, Geschäftsführer der in Hannover ansässigen Deutschland-Tochter, am Donnerstagabend in einer Informationsveranstaltung in der Basilika des Bibeldorfes vor rund 380 interessierten Teilnehmern mit. Er gehe dennoch davon aus, den Ausbau Mitte August in Mastholte-Süd beginnen zu können. Voraussichtlich im Oktober gehe es in Mastholte weiter - und danach werde Rietberg ausgebaut. "Ende 2019 soll der Tiefbau abgeschlossen sein - wenn das Wetter mitspielt", so Hegemann. Allerdings sei der geplante FTTH-Ausbau (Fiber to the Home-Technik) im innerstädtischen Bereich mit dem Nachteil verbunden, dass die Leitungen im Tiefbau verlegt werden müssen. Das Verfahren, mit einer sogenannten Erdrakete eine grabenlose Verbindung herzustellen, ohne die Oberfläche aufzunehmen, sei nicht in allen Straßen möglich, "denn wir haben bestehende Infrastruktur wie Wasser- oder Gasleitungen und Abwasserkanäle, die nicht beschädigt werden dürfen", so Hegemann. Rund 85.000 Meter Trasse werden verbaut Nach derzeitigem Stand werde für die Rohre in den meisten Fällen ein 30 Zentimeter breiter und 60 Zentimeter tiefer Standardgraben ausgehoben. Am Haus selbst werde eine 14 bis 16 Millimeter große Bohrung vorgenommen, um das Rohr ins Innere zu führen. Danach werde das Glasfaserkabel eingezogen. "Insgesamt müssen wir für das geplante Netz mit einer Punkt-zu-Punkt-Topologie rund 85.000 Meter Trasse verbauen", informierte Hegemann. Ralf Schütte, Geschäftsführer des lokalen Netzbetreibers HeLi NET, hofft, in Rietberg, wo die Anschlussquote nicht ganz erreicht wurde, aber auch in Neuenkirchen, wo nur knapp die Hälfte der benötigten Verträge abgeschlossen wurden, weitere Kunden hinzuzugewinnen. Er gehe davon aus, dass ein Großteil der 700 Auftraggeber in Neuenkirchen, deren Verträge inzwischen ungültig geworden sind, einen neuen Vertrag unterzeichnen und dass es darüber hinaus gelingen könne, die erforderliche Zahl von 400 weiteren Verträgen zu generieren. "Das ist eine große Herausforderung, die aber zu schaffen ist", gab Schütte sich optimistisch, dass die Nutzer sich von der veralteten Brücken-Technologie der Telekom verabschieden und einen neuen Vertrag mit der HeLi NET abschließen. Schütte: "Denn so könnte auch Neuenkirchen an die nachhaltige Zukunftstechnologie mit fast grenzenlosen Bandbreiten kommen." »Vier bis fünf Jahre bis zur Amortisation der Vorlaufkosten« Um überhaupt mit den Erdarbeiten beginnen zu können, benötigt das Unternehmen HeLi NET als Betreiber des Glasfasernetzes einen Grundstücksnutzungsvertrag - einen Vertrag, den viele Kunden bereits mit der inzwischen ausgeschiedenen Breitbandversorgung Deutschland (BBV) und später mit der Netzgesellschaft Ostwestfalen (NOW), einer hundertprozentigen Tochter der Stadtwerke Soest, abgeschlossen haben. "Dies geschieht aus strategischen und operativen Überlegungen heraus, weil die HeLi NET in der operativen Durchführung dieses Projektes an die Stelle der NOW getreten ist", erklärte Schütte "diese Formalie". Darüber hinaus bot Schütte den Wechsel zu neuen Tarifen an, "denn die Bandbreiten, die wir anbieten, sind inzwischen höher als vor zwei Jahren". Auch in diesem Fall müsse ein neuer Vertrag abgeschlossen werden. Auf Nachfrage aus den Zuschauerreihen, ob auch andere Provider auf dem Netz zugelassen werden, erklärte Schütte: "Wir brauchen etwa vier bis fünf Jahre bis zur Amortisation der Vorlaufkosten. In dieser Zeit wird kein weiterer Provider aufs Netz gelassen." Letztendlich sei dies aber eine Entscheidung des Investors und Netzeigentümers. "Das wird vorläufig HeLi NET sein, aber wir halten uns alle Optionen offen in Richtung NOW, die uns bei der Durchführung des Projektes unterstützt", so Schütte. Und: "Wo das Netz langfristig landet, ist noch nicht abschließend entschieden."

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